Berlin - Die Unternehmen in Deutschland empfinden fehlende Fachkräfte immer mehr als Problem. Einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) zufolge können 37 Prozent der Firmen offene Stellen zwei Monate oder länger nicht besetzen. Das entspricht rund 1,3 Millionen Arbeitsplätzen, sagte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks. Gute Mitarbeiter würden mittlerweile "händeringend gesucht". Vor allem technikorientierte Branchen wie Fahrzeugbau und Elektrotechnik seien betroffen, aber auch die Gesundheitswirtschaft.
Insgesamt sieht inzwischen jedes dritte der 20.000 befragten Unternehmen im Fachkräftemangel eines der größten Risiken für die eigene wirtschaftliche Entwicklung. Damit hat sich der Leidensdruck in der Wirtschaft deutlich erhöht - zu Jahresbeginn 2010 waren es nur halb so viele Unternehmen, die über fehlendes Fachpersonal klagten. Ähnlich wie heute war die Situation allerdings schon einmal vor vier Jahren. Damals konnten bei einer vergleichbaren Umfrage 33 Prozent der Firmen Stellen vorübergehend nicht besetzen.
Der DIHK fordert im Rahmen einer Gesamtstrategie nun ein "ganzes Maßnahmenbündel" gegen den Fachkräftemangel. Die Unternehmen selbst wollen laut dem Verband verstärkt auf den eigenen Nachwuchs setzen und ihre Ausbildung ausweiten - 52 Prozent der befragten Firmen kündigten das an. Zudem plane jedes zweite Unternehmen eine verstärkte Weiterbildung. Von der Politik fordert der Verband unter anderem, die Qualifikation der Schulabgänger zu verbessern.
Experten zweifeln am Fachkräftemangel
Laut Umfrage wird auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf immer wichtiger, um Fachkräfte anzulocken. Innerhalb der vergangenen vier Jahre stieg der Anteil der Unternehmen, die ihre entsprechenden Maßnahmen ausbauen wollen, von 15 Prozent auf 25 Prozent. Ferner will jedes vierte Unternehmen die Einstellung und Beschäftigung Älterer ausweiten. Eine einfachere Beschäftigung ausländischer Fachkräfte wäre für 17 Prozent der Unternehmen hilfreich.
Die seit Jahren anhaltenden Klage der Wirtschaft über einen Mangel an Fachkräften werden allerdings von anderen Statistiken relativiert. So stellte der Deutsche Gewerkschaftsbund im Sommer in einer Untersuchung fest, dass auch höherqualifizierte Arbeitskräfte vom Jobverlust bedroht sind. Und das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung kommt zu dem Schluss, für ein generell knappes Arbeitskräfteangebot ließen sich derzeit keine Belege finden.
fdi/dapd/dpa
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