25 Jahre Dax: Internet - war da was?

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Feldmühle, Veba? Von den Konzernen, die beim Start des Dax vor 25 Jahren zu den größten Deutschlands gehörten, sind manche schon vergessen. Noch immer aber dominiert die alte Industrie den Börsen-Leitindex, die Onlinerevolution ging an ihm spurlos vorüber - wie auch manch anderer Megatrend.

25 Jahre Dax: Feldmühle, Nixdorf und Co Fotos
DPA

Hamburg - Im Sommer 1988 war Deutschland noch zweigeteilt. Der junge Michael Jackson gab ein Konzert vor der Berliner Mauer. Im Finale der Fußballeuropameisterschaft schlugen die Niederlande in München die UdSSR. Steffi Graf aus Brühl gewann zum ersten Mal das Tennisturnier von Wimbledon - und in Frankfurt ging der Deutsche Aktienindex Dax an den Start.

Seitdem ist ein Vierteljahrhundert vergangen. Die Mauer ist gefallen, Steffi Graf ist in Rente, und die Niederlande gewinnen längst keine Fußballturniere mehr. Nur beim Dax Chart zeigen hat sich wenig verändert: Von den zehn größten Unternehmen im wichtigsten deutschen Aktienindex von 1988 sind acht auch heute noch dabei: Siemens Chart zeigen, BASF Chart zeigen, Daimler Chart zeigen, Bayer Chart zeigen, Allianz Chart zeigen, Deutsche Bank Chart zeigen, RWE Chart zeigen, Volkswagen Chart zeigen - die Geschichte scheint an der Hackordnung der deutschen Wirtschaft fast spurlos vorüber gegangen zu sein.

Veränderungen gab es eher im hinteren Feld des 30 Mitglieder umfassenden Index. Namen wie Deutsche Babcock, Feldmühle Nobel oder Nixdorf Computer, die noch zum Ur-Dax gehörten, sind verschwunden. Sie gingen entweder Pleite oder wurden von größeren Konzernen geschluckt. Andere schlossen sich unter neuem Namen zusammen: Aus Veba und Viag wurde so der Energieriesen E.on, aus der Bayerischen Vereinsbank und der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank entstand die Hypo-Vereinsbank, die mittlerweile in der italienischen Unicredit Chart zeigen aufgegangen ist.

Doch trotz aller Wechsel und Fusionen: die Struktur des Dax, der ja die deutsche Wirtschaft abbilden soll, ist erstaunlich stabil. Die großen Umwälzungen der vergangenen 25 Jahre haben sich kaum niedergeschlagen.

  • Deutsche Wiedervereinigung? Im Dax regiert die alte Bundesrepublik. Kein einziges ostdeutsches Unternehmen taucht in der Liste der größten 30 auf.

  • Internet- und Telekomunikationsrevolution? Ist im Dax nur als Ausläufer angekommen. Während US-Konzerne wie Microsoft Chart zeigen, Apple Chart zeigen oder Google Chart zeigen die Welt verändert haben, hat es in Deutschland lediglich der privatisierte Ex-Staatskonzern Deutsche Telekom in die Liste der größten Unternehmen geschafft. Hinzu kommt SAP Chart zeigen: Der Spezialist für Unternehmenssoftware ist zwar eine Erfolgsgeschichte - mit dem Internet hatte das Geschäftsmodell des Software-Konzerns aber ursprünglich nichts zu tun.
  • Trend zur Dienstleistungsgesellschaft? Scheint in Deutschland nicht angekommen zu sein. 1988 wie heute dominieren Industriekonzerne den Dax. Die Warenhauskonzerne Karstadt und Kaufhof sind sogar aus der Liste verschwunden. Hinzugekommen sind lediglich der Ex-Staatsbetrieb Deutsche Post Chart zeigen und die Deutsche Börse Chart zeigen selbst.

Der einzige Megatrend, der sich wirklich im Dax widerspiegelt, ist die Globalisierung. Gleich mehrere der Ur-Mitglieder wurden von ausländischen Konzernen geschluckt.

  • Der Pharmakonzern Hoechst schloss sich 1999 mit dem französischen Rivalen Rhône-Poulenc zusammen. Das neue Unternehmen nennt sich Aventis - und hat seinen Sitz in Straßburg.

  • Die größte Übernahmeschlacht der deutschen Wirtschaftsgeschichte erlebte der Röhren- und Maschinenbaukonzern Mannesmann. Im Jahr 2000 wurde das Unternehmen, dass sich mittlerweile auch eine Mobilfunksparte zugelegt hatte, vom britischen Handykonzern Vodafone Chart zeigen übernommen.

  • Der Papier- und Sprengstoffhersteller Feldmühle Nobel gehörte einst zum Reich des Milliardärs Friedrich Karl Flick. 1986 brachte die Deutsche Bank das Unternehmen an die Börse - doch schon vier Jahre später war wieder Schluss: Der skandinavische Konzern Stora Kopparbergs Bergslags Aktiebolag (heute Stora Enso) kaufte das Unternehmen für vier Milliarden Mark.

Die Globalisierung ließ nicht nur deutsche Unternehmen verschwinden, sie machte andere auch stark: Dass Konzerne wie BASF, Bayer oder Daimler so erfolgreich sind und sich so lange unter den größten Dax-Unternehmen halten konnten, haben sie vor allem ihren florierenden Auslandsgeschäften zu verdanken.

So kommt es, dass Autobauer, Chemie- und Pharmafirmen auch heute noch den größten Teil des Dax ausmachen. Gesunken ist dagegen die Bedeutung einer ehemaligen Vorzeigebranche: Waren zum Start 1988 noch fünf Finanzinstitute im Dax vertreten, sind inzwischen nur noch die Deutsche Bank und die Commerzbank Chart zeigen übrig. Demnächst könnte es noch schlimmer kommen: Im September überprüft der Arbeitskreis der Deutschen Börse die Zusammensetzung des Dax. Als heißer Abstiegskandidat gilt die Commerzbank.

Der Ur-Dax von 1988
Konzern Verschwunden im Jahr
Allianz
BASF
Bayer
BMW
Bayerische Vereinsbank 1998
Bayerische Hypotheken- und Wechselbank 1998
Commerzbank
Continental
Daimler
Degussa 2002
Deutsche Babcock 1995
Deutsche Bank
Dresdner Bank 2001
Feldmühle Nobel 1990
Henkel
Hoechst 1999
Karstadt 2001
Kaufhof 1996
Linde
Lufthansa
MAN 2012
Mannesmann 2000
Nixdorf 1990
RWE
Schering 2006
Siemens
Thyssen
Veba 2000
Viag 2000
Volkswagen

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insgesamt 17 Beiträge
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1. Schwacher Artikel
Ignorant00 01.07.2013
Naja, Microsoft und Apple sind auch keine (originären) Internetunternehmen. Und die Dienstleistungsgesellschaft ist mE nur eine Niedrieglohngesellschaft. Ist doch eher beeindruckend, wie konstant stark viele dieser Unternehmen sind....
2. Höchst fragwürdig
jcsahnwaldt 01.07.2013
"Am ehemaligen Stammsitz Frankfurt ist ein ganzer Stadtteil nach dem Konzern benannt" - das ist falsch. Laut Wikipedia trägt die Stadt Höchst den Namen schon seit hunderten von Jahren, die Firma erst seit einigen Jahrzehnten. Der Konzern wurde nach dem Ort benannt, nicht umgekehrt.
3. abenteuerlich
michel59 01.07.2013
... am ehemaligen Stammsitz ist ein ganzer Stadtteil nach dem Konzern benannt... Erstaunlich, was bei SPON so alles durch die offenbar kaum vorhandene Endkontrolle durchgeht. Für alle, denen Höchst kein Begriff ist: Das ist eine über 650 Jahre alte Stadt (heute Stadtteil von Frankfurt) - und der Konzern hatte seinen Namen von der Stadt, nicht umgekehrt.
4. richtig
D_v_T 01.07.2013
Stimme meinen Vorrednern zu, sowohl die angeblichen Internetunternehmen als auch Höchst haben mich doch verwundert!
5. Farbwerke Höchst
G111 01.07.2013
Was soll's andere Unternehmen der chem. Industrie haben sich Fußballclubs gehalten, Hoechst eben eine Siedlungen aus dem späten Mittelalter :)
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