25-Prozent-Ziel Ex-IWF-Chefökonom zählt Ackermann zu gefährlichsten Bankern

Scharfe Kritik am Deutsche-Bank-Chef: Der frühere IWF-Chefökonom Simon Johnson hält Josef Ackermann für "einen der gefährlichsten Bankmanager der Welt". Sein berüchtigtes Renditeziel von 25 Prozent ermögliche allein der deutsche Steuerzahler - weil er notfalls für eine Pleite hafte.

Deutsche-Bank-Chef Ackermann: "Das klassische Rezept für eine neue Krise"
DPA

Deutsche-Bank-Chef Ackermann: "Das klassische Rezept für eine neue Krise"


Berlin - Keine Zahl verbindet sich so mit Josef Ackermann wie die 25: So hoch, predigte der Deutsche-Bank-Chef jahrelang, sollte die Eigenkapitalrendite seines Instituts sein. Der Schweizer erklärte das umstrittene Ziel zwar zuletzt selbst für unerreichbar - aber nur weil strengere Regulierungen den Gewinn der Banken schmälerten. Grundsätzlich hält Ackermann an der Vorgabe fest.

Für diese Einstellung wird der Banker nun auch aus den USA kritisiert: Der ehemalige Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF), Simon Johnson, bezeichnete den Deutsche-Bank-Chef als "einen der gefährlichsten Bankmanager der Welt". Die von Ackermann angepeilte Rendite sei nur möglich, "weil er genau weiß, dass die Deutsche Bank ein Systemrisiko darstellt und daher von den Steuerzahlern gerettet würde, falls ein Konkurs droht", sagte Johnson der "Tageszeitung" ("taz").

Johnson, der anderthalb Jahre Chefökonom des IWF war und heute am renommierten MIT-Institut lehrt, gilt als Experte für Finanzkrisen. Eine neue Krise droht seiner Ansicht nach, falls die Eigenkapitalregeln für Banken nicht deutlich verschärft werden. Das internationale Abkommen Basel III reiche dafür nicht aus: "Wenn das Finanzsystem sicher sein soll, muss das Eigenkapital bei 20 bis 45 Prozent der Bilanzsumme liegen", sagte er der "taz". Die Deutsche Bank komme derzeit nur auf vier Prozent.

Von strengeren Regeln sehen die Bankenaufseher laut Johnson jedoch ab, weil sie glaubten, dass große Wirtschaftsnationen große Banken benötigten, die nicht zu sehr reguliert werden dürften. Für die Banken sei das ein Freibrief. Sie gingen "waghalsige Risiken ein, indem sie enorme Kredite aufnehmen, denen kaum Eigenkapital entgegensteht". Die Absicherung übernehme der Steuerzahler - laut Johnson "das klassische Rezept für eine neue Krise".

Auch unter Branchenkollegen und Politikern ist Ackermanns Vorgabe seit langem umstritten - nicht zuletzt, weil sie weit entfernt ist von den Gewinnspannen in anderen Wirtschaftszweigen. "Dass Banken und Kapitalanleger eine Rendite von 25 Prozent erwarten, während Kunden und Firmen keine zehn Prozent erwirtschaften, muss schiefgehen", sagte SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier bereits 2008.

Die Deutsche Bank weist die Vorwürfe zurück. Das Geldhaus verweist auf eine Statistik, laut der auch die gewerbliche Wirtschaft in Deutschland zwischen 1994 und 2007 durchschnittliche Eigenkapitalrenditen von mehr als 30 Prozent erwirtschaftete. Zudem müssten Banken den Aktionären hohe Renditen bieten, um im Ringen um knappes Kapital mit anderen Branchen zu bestehen.

Die Eigenkapitalrendite berechnet sich, indem der Gewinn durch das eingesetzte Kapital geteilt wird.

dab/AFP



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insgesamt 210 Beiträge
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Seite 1
pollsy 13.04.2011
1. Abzocker
ihr müsst märchen lesen, da ist alles so beschrieben wie es ist: Des kaisers neue Kleider-- ha ha ha Rotkäpchen und der wolf --- grins_grins rumpelstilzien --- lach,lach tischlein deck dich -- ich krieg mich nicht mehr etc. wär legt unseren "Politikern" endlich das Handwerk
klugscheißer2011 13.04.2011
2. Gefährliche Freundschaft
Zitat von sysopScharfe Kritik am Deutsche-Bank-Chef: Der frühere IWF-Chefökonom Simon Johnson hält Josef Ackermann für "einen der gefährlichsten Bankmanager der Welt". Sein berüchtigtes Renditeziel von 25 Prozent ermögliche allein der deutsche Steuerzahler - weil er*notfalls für eine Pleite hafte. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,756853,00.html
Ja und Änschela Murksel ist seine wichtigste politische Freundin oder folgerichtig "die für das deutsche Volk gefährlichste Politikerin"...
Dumpfmuff3000 13.04.2011
3. xxx
Zitat von klugscheißer2011Ja und Änschela Murksel ist seine wichtigste politische Freundin oder folgerichtig "die für das deutsche Volk gefährlichste Politikerin"...
Und wenn Änschela nicht da säß, dann säß ein anderer Freund da. Wie Ackermann selbst sagte, ist ihm ziemlich egal wer zur Zeit in Deutschland regiert. Banken, die ein Systemrisiko darstellen, gehören zerschlagen oder verstaatlicht, oder wir können jeden Gedanken an Marktwirtschaft in die Tonne treten, weil wir im Notfall haften müssen.
RichardT, 13.04.2011
4. ***
Zitat von sysopScharfe Kritik am Deutsche-Bank-Chef: Der frühere IWF-Chefökonom Simon Johnson hält Josef Ackermann für "einen der gefährlichsten Bankmanager der Welt". Sein berüchtigtes Renditeziel von 25 Prozent ermögliche allein der deutsche Steuerzahler - weil er*notfalls für eine Pleite hafte. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,756853,00.html
Ähnlich wie bei Guttenberg: Viel bewundert von den besonders aufrechten und anständigen Landsleuten - solche Typen brauche unser Land. Die Unterwerfung, sich mit derlei Gestalten solidarisch zu erklären, nährt die Hoffnung "irgendwie" auch einmal in ähnliche (materielle) Verhältnisse zu kommen - es könnte ja von diesem "Genie" durch Nachahmung etwas abfärben. Dabei erkennt jeder normale Mensch mit etwas Menschenkenntnis alleine hinter deren Mimik und Gestik ihre wahren Ambitionen, dem Land und seiner Bevölkerung "Dienste" zu erweisen. Man achte insbesondere auf das Lachen.
fritz65 13.04.2011
5. Für die Bank selbst gefährlich
Als Chef steht er für die Kultur des Unternehmens. Und da ist deutlich spürbar, wie seit der Regentschaft des Schweizers die Cleverness die Oberhand gegenüber der Verläßlichkeit gewonnen hat. Denen von der Deutschen Bank ist nicht mehr zu trauen.
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