300-Milliarden-Fonds: China plant Mega-Investitionen in Europa und USA

China drängt mit Macht auf die westlichen Märkte. Laut Nachrichtenagentur Reuters will die Zentralbank des Landes zwei gigantische Fonds auflegen - mit einem Volumen von insgesamt 300 Milliarden Dollar. Das Geld soll genutzt werden, um europäische und amerikanische Firmen aufzukaufen.

Geschäftszentrum in Peking: Direkte Investitionen in Europa und USA Zur Großansicht
REUTERS

Geschäftszentrum in Peking: Direkte Investitionen in Europa und USA

Peking - Bei Staatsanleihen der Euro-Krisenstaaten hält sich China zurück - dafür will das Land nun offenbar massiv direkt in Europa und Amerika investieren. Die chinesische Zentralbank will der Nachrichtenagentur Reuters zufolge zwei Fonds im Gesamtvolumen von 300 Milliarden Dollar zu diesem Zweck auflegen. Dazu soll laut Insidern ein neues Investmentvehikel geschaffen werden, unter dessen Dach die beiden Fonds verwaltet werden sollen.

Mit den Fonds will China direkt in den westlichen Industrienationen investieren, um höhere Renditen zu erzielen. Zwar diskutiere man noch über die exakte Ausgestaltung der Fonds, es seien aber bereits erste Personalentscheidungen gefällt worden.

In letzter Zeit hatten chinesische Regierungsinsider immer deutlicher darüber gesprochen, sich angesichts der Konjunkturschwäche in Europa in großem Stil engagieren zu wollen. "Was die europäische Wirtschaft braucht, ist Geld als eine Art frisches Blut", sagte eine hochrangiger Regierungsberater zu SPIEGEL ONLINE. Allerdings wollen die Chinesen dabei nicht auf Staatsanleihen setzen, sondern Unternehmen kaufen und Infrastruktur bauen. Davon erhofft sich die Führung in Peking offenbar höhere Renditen.

Auch der Chef des billionenschweren bestehenden chinesischen Staatsfonds CIC hatte Ende November verstärkte Aktivitäten im Westen angekündigt - unter anderem in Großbritannien und den USA. Die Infrastruktur in Europa und Amerika benötige dringend Investitionen, sagte er der "Financial Times".

Inflation in China schwächt sich ab

Auf den europäischen Finanzmärkten wurde die Ankündigung Chinas positiv aufgenommen. Der Euro-Kurs Chart zeigen legte zu und stieg über die Marke von 1,34 Dollar. Damit kostet die Gemeinschaftswährung rund einen halben US-Cent mehr als beim Handelsschluss der Wall Street am Donnerstagabend. Dax Chart zeigen und EuroStoxx 50 Chart zeigen bauten ihre Kursgewinne aus und stiegen um jeweils 1,3 Prozent. Der deutsche Leitindex stand am Mittag bei 5952 Punkten, das europäische Börsenbarometer bei 2317 Zählern. Allerdings müsse sich noch erweisen, ob hinter den Investmentfonds wirklich etwas fundamental Neues stecke, sagte ein Händler an der Frankfurter Börse.

Für die Euro-Rettung könnte die Entscheidung Chinas ein Problem sein: Eigentlich hatten sie darauf gehofft, dass sich die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt stark bei der Hebelung des Euro-Rettungsschirms EFSF beteiligen würde. Doch offenbar ist es China wichtig, die eigenen Unternehmen durch direkte Besitzverhältnisse in den Industriestaaten zu stärken.

Die Volksrepublik hat ein Interesse daran, die Wirtschaft des Landes global breiter aufzustellen: Die Konjunktur in China selbst schwächt sich ab - abzulesen ist dies unter anderem auch daran, dass die hohe Inflation schneller als erwartet sinkt. Im November stiegen die Preise noch um 4,2 Prozent im Vergleich zum Vormonat - im Oktober lag die Inflation noch bei 5,5 Prozent. Die Industrie des Landes wuchs hingegen mit 12,4 Prozent schwächer als erwartet.

Der chinesische Einkaufsmanager-Index - ein verlässliches Konjunkturbarometer - war bereits im November mit 49,7 unter die neutrale Marke von 50 Punkten gefallen. Werte unter 50 Punkten deuten an, dass ein Sektor schrumpft. Durch die Unsicherheiten und die rückläufige Nachfrage auf seinen ausländischen Absatzmärkten muss sich Chinas Exportwirtschaft auf "ernste Herausforderungen" einstellen, hatte das Handelsministerium diese Woche gewarnt.

fdi/Reuters

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 24 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Also dann …
wika 09.12.2011
… scheint ja alles in Butter zu sein und die Kröten für den Konsum wandern jetzt wieder in die Heimat der Konsumenten. Mit welchen Folgen? Noch mehr Kröten zu fangen … ist doch ein feines Spiel. Die Krise wird es wohl kaum beenden, dafür eher die freundliche Übernahme der USA befördern: *China übernimmt USA* (http://qpress.de/2010/09/17/china-ubernimmt-usa/) … kleine Glosse wie Welteroberung richtig funktioniert. Die USA setzen da eher auf militärische Gewalt, die Chinesen sind da schon viel weiter … weltweit und kaufen mit den nutzlosen grünen Lappen was der Planet hergibt. Naja, warum sollte am Ende nicht auch Europa auf dem Speiseplan stehen, gibt es doch auch hier viele Leckereien. Mal sehen wer am Ende der Globalisierung der Primus ist … der Mensch/Michel darf gebannt zuschauen und konsumieren … sofern er dafür noch Geld hat bei der rasant fortschreitenden Umverteilung … (°!°)
2. Klassenkampf verkehrt ...
Leberwurstpizza 09.12.2011
Die Kommunisten aus dem fernen Osten wollen europäische Firmen kaufen, um ihre Rendite zu maximieren? Nur zu. Dann verstaatlichen wir eben den ganzen Kram und berufen uns auf Mao!
3. kaufen mit den nutzlosen grünen Lappen was der Planet hergibt.
joe sixpack 09.12.2011
Zitat von wika… scheint ja alles in Butter zu sein und die Kröten für den Konsum wandern jetzt wieder in die Heimat der Konsumenten. Mit welchen Folgen? Noch mehr Kröten zu fangen … ist doch ein feines Spiel. Die Krise wird es wohl kaum.....
Also was jetzt? Entweder sind die Lappen nutzlos oder man kann damit alles kaufen, was der Planet hergibt. Beides zusammen kann nicht der Fall sein.
4. Hahaha, ich seh schon
SpieFo 09.12.2011
chinesische Bautrupps unsere maroden Wasserleitungen und Straßen erneuern. Mit Billigst-Arbeitskräften, Billigstmaterial, und zu deutschen Preisen, minus x, Hauptsache, dei Ausschreibung ist gewonnen. Das nenn ich dann Profit-Maximierung. Nachdem die Chinesen eine europäische Firma besitzen, dürfen sie auch mitbieten. Und für die chinesischen Arbeitskräfte wird sich sicher eine Lösung finden. Sind wir eigentlich nur noch blöde?
5. Kein
forumgehts? 09.12.2011
Zitat von LeberwurstpizzaDie Kommunisten aus dem fernen Osten wollen europäische Firmen kaufen, um ihre Rendite zu maximieren? Nur zu. Dann verstaatlichen wir eben den ganzen Kram und berufen uns auf Mao!
Problem für China. Denn dann sind wir schon längst eine chinesische Provinz und haben nur noch Abgeordnete mit chinesischem Migrationshintergrund im Parlament. Und wenn die dann zustimmen, gehört die ganze Wirtschaft eben der chinesischen Provinz Schland.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema Wirtschaft in China
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 24 Kommentare

Fläche: 9.572.900 km²

Bevölkerung: 1341,335 Mio. Einwohner

Hauptstadt: Peking

Staatsoberhaupt: Xi Jinping

Regierungschef: Li Keqiang

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | China-Reiseseite


Interaktive Grafik

Fotostrecke
Grafiken: Die wichtigsten Fakten zur Euro-Krise