Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Höchster Luxus-Wolkenkratzer der Welt: Mausoleum des Reichtums

Von , New York

Penthouse-Badezimmer in 432 Park Avenue: "Die Welt gehört Ihnen" Zur Großansicht
courtesy of thewoolworthtower.com

Penthouse-Badezimmer in 432 Park Avenue: "Die Welt gehört Ihnen"

In Manhattan entsteht das höchste Luxus-Wohnhaus der Welt: 432 Park Avenue. Hier haben Oligarchen und Mogule ihren Dritt- oder Viertwohnsitz. Selten war die Kluft zwischen Reich und Arm so schamlos offensichtlich.

"Ist das nicht atemberaubend?", murmelt Jill Crenner. Ihre Finger liebkosen die kühle Frühstückstheke einer Küche aus Marmor, Stahl und Edelholz. Doch die Theke ist der eigentliche Star: Sie erstreckt sich über die ganze Fensterfront, die eine Panorama-Ansicht von Manhattan, Brooklyn, Queens und New Jersey gewährt, über den Hudson, den East River bis hinaus zum Atlantik - ein Blick wie aus dem Flugzeug.

"Stellen Sie sich vor, Sie sitzen jeden Morgen hier", sagt Crenner. "Die Welt gehört Ihnen."

Die Aussicht ist in der Tat atemberaubend, doch - noch - simuliert: Es handelt sich um ein riesiges Dia, drei mal drei Meter, in einem Showroom an der Fifth Avenue. Hier lässt sich das künftige Innenleben eines Luxus-Wolkenkratzers vorfühlen, dessen Rohbau durchs echte Fenster zu sehen ist - ein schwindelerregend schmaler Turm aus Beton, Glas und Attitüde.

432 Park Avenue
dbox

432 Park Avenue, eine Adresse als Programm: In Midtown Manhattan entsteht das höchste, teuerste und luxuriöseste Wohnhaus der Welt. Der Bau dieses Luftschlosses für Milliardäre verschlang 1,3 Milliarden Dollar, im Oktober war Richtfest, die ersten Käufer sollen im Sommer einziehen.

dbox

Schon jetzt prägt der schwindelerregend-schmale "Stift" von 432 Park Manhattans Skyline. Mit 426 Metern überragt sein Dach das Dach des Empire State Buildings (Mitte) und sogar das des neuen World Trade Centers (rechts). Schon jetzt ist es aus allen fünf Stadtteilen sichtbar.

YIMBY

Mit 432 Park (ganz links) beginnt ein Boom neuer Luxustürme für superreiche Wohnungskäufer, die meisten entstehen entlang der West 57th Street in Midtown. Die Computersimulation zeigt, wie sich das Stadtbild an der Südseite des Central Parks verändern wird.

SPIEGEL ONLINE

Der Turm ist bereits in kompletter Höhe fertiggestellt, doch innen noch im Rohbau. Kritiker sprechen von einem "Denkmal für den Aufstieg der globalen Superreichen" und dem "Haus, das die Ungleichheit erbaute". Der Bau symbolisiert die Kluft zwischen Arm und Reich in den USA.

SPIEGEL ONLINE

Die, die hier einmal einziehen, sind nicht die ein Prozent - sie sind die 0,1 Prozent: Oligarchen, Mogule, Aristokraten. Jeder zweite Käufer kommt aus dem Ausland. Kanada, Brasilien, Venezuela, China, Singapur, Türkei, Libanon, Griechenland, Saudi-Arabien, Russland.

SPIEGEL ONLINE

In einem glamourösen Showroom - der "Sales Gallery" - lässt sich das künftige Innenleben von 432 Park vorfühlen. Die künftigen Apartments sind hier in eisiger Eleganz vorempfunden, Interessenten aus aller Welt können sich über die exklusiven Vorzüge informieren lassen.

dbox

Nur 104 Apartments finden sich auf den 96 Etagen. Das Penthouse, das das gesamte oberste Stockwerk umfasst, ging bereits für 95 Millionen Dollar an einen Unbekannten. Hier ein typisches Schlafzimmer mit Fernblick über den Hudson River und New Jersey.

dbox

Das Gebäude bietet außerdem einen Swimmingpool, ein Privatkino, ein Spa, ein Sportstudio und eine Art Open-Air-Ballsaal-Terrasse samt Cocktail-Lounge. Hier eines der beliebtesten Features: Die Badewanne mit Blick über das Empire State Building und das World Trade Center.

SPIEGEL ONLINE

Schon jetzt überragt 432 Park alle umliegenden Wolkenkratzer. Erdacht von einem New Yorker Immobilienhai, entworfen von einem südamerikanischen Stararchitekten, finanziert von US-israelischen Investoren: Der Megaturm ist Symbol einer internationalen Elite.

432 Park Avenue, eine Adresse als Programm: Hier steht, noch unbewohnt, das höchste, teuerste und luxuriöseste Wohnhaus der Welt - ein atemberaubend-groteskes Luftschloss für Millionäre und Milliardäre.

"Ein Traum", schwärmt PR-Frau Crenner, die hilft, den vielfachen Superlativ zu vermarkten.

Seit 2012 wächst es empor, das 1,3 Milliarden Dollar teure Lebenswerk des exzentrischen Immobilienunternehmers Harry Macklowe, 77 - seine "Mona Lisa", wie er beim Richtfest im Oktober prahlte. Seither überragt das Dach von 432 Park Avenue das Dach des Empire State Buildings (um 45 Meter) und sogar das des neuen World Trade Centers (um neun Meter). 426 Meter Protz und Prunk - der höchste Stalagmit der Skyline.

So ändern sich die Zeiten. Einst standen New Yorks Wahrzeichen für die Träume des kleinen Mannes. Heute sind sie Mausoleen des Reichtums, abgekapselt und isoliert weit über den gesichtslosen Massen der Straßen.

Auf dem überdrehten Wohnungsmarkt Manhattan ist 432 Park das bisher schamloseste Monument eines neuen Gilded Age, ein Fanal dafür, wie tief die Kluft zwischen Haben und Nichthaben mittlerweile ist. In den USA nämlich so tief wie seit drei Jahrzehnten nicht. "Das Haus, das die Ungleichheit erbaute", schämt sich selbst das Millionärsblatt "Forbes".

Viertwohnsitz für Jetsetter

Erdacht von einem New Yorker Immobilienhai, entworfen von einem südamerikanischen Stararchitekten, finanziert von US-israelischen Investoren: 432 Park ist Produkt und zugleich Symbol einer globalen Elite, die Residenzen sammelt wie Kunst. Dies sind nicht die ein Prozent - dies sind die 0,1 Prozent: Oligarchen, Mogule, die letzten Aristokraten.

Fast jeder zweite, soviel verrät Crenners Marketing-Kollege Richard Wallgren, komme aus dem Ausland: "Kanada, Brasilien, Venezuela, China, Singapur, Türkei, Libanon, Griechenland, Saudi-Arabien, Russland."

Dabei steht 432 Park längst nicht mehr allein. Überall in Midtown wachsen neue "Supertowers" empor, die ihre langen Schatten bis in den Central Park werfen. Zweit-, Dritt-, Viertwohnsitze der Jetsetter: Mehr als 50 Prozent werden, wie die "New York Times" ermittelte, "mindestens zehn Monate im Jahr" leerstehen. Geisterhäuser als Steuerspartrick.

New Yorks neue Türme auf einem Blick Zur Großansicht
SPIEGEL ONLINE

New Yorks neue Türme auf einem Blick

Das oberste Stockwerk für 95 Millionen Dollar

Nur 104 Wohneinheiten finden sich auf den 96 Etagen von 432 Park, nur zwölf sind noch zu haben, von der Dreizimmerwohnung 40C (17 Millionen Dollar) bis zum Penthouse PH94 (82,5 Millionen Dollar). Das oberste Stockwerk ging bereits 2013 an einen Unbekannten - für 95 Millionen Dollar. Wobei dessen exklusive Vorzüge eigentlich verschwendet sind, etwa die High-Tech-Küche (deutsche Wertarbeit), die Crenner präsentiert: "Unsere Käufer kochen nicht selbst", weiß sie. "Sie lassen kochen."

Neben den Wohnungen, die in der Simulation in all ihrer eisigen Eleganz vorempfunden sind, gibt es einen Pool, ein Privatkino, ein Spa, ein Sportstudio und einen Open-Air-Ballsaal samt Cocktail-Lounge. "Harrys Idee", sagt Crenner, und meint damit Harry Macklowe.

Seit 50 Jahren jongliert der Selfmade-Milliardär mit Grundstücken und Hochbauten. Ein paarmal ging er fast pleite, zuletzt in der Kreditkrise. Damals konnte er seine Gläubiger nicht mehr bezahlen und musste unter anderem sein Kronjuwel abstoßen, das GM Building an der Fifth Avenue mit dem berühmten Glaskubus des Apple Store davor. Auch der war seine Idee.

2009 kam ihm die Investmentfirma CIM zu Hilfe. Deren Hintermänner: Richard Ressler, ein Wall-Street-Banker, sowie Shaul Kuba und Avi Shemesh, zwei Ex-Elitesoldaten aus Israel. Sie retteten auch Macklowes jüngstes Vorhaben auf dem Gelände des historischen Drake Hotels. Diesen Sommer sind die Apartments des 432 Park schlüsselfertig.

Woolworth Building
Getty Images

Mit 241 Metern war das Woolworth Building von 1913 bis 1930 der höchste Wolkenkratzer der Welt. Kaufhausmagnat Frank Winfield Woolworth ließ es als Firmenzentrale erbauen. Zur Eröffnung schaltete US-Präsident Woodrow Wilson per Fernbedienung das Licht an.

Getty Images

Der neugotische Zuckerbäckerbau in Lower Manhattan (hier in den dreißiger Jahren) hat 60 Stockwerke und mehr als 5000 Fenster, damals ein Rekord. Entworfen wurde er vom Stararchiteckten Cass Gilbert, der auch den Säulentempel des Supreme Courts gestaltete.

Getty Images

Von 1971 bis zum 11. September 2001 stand das Woolworth Building im Schatten der Zwillingstürme des alten World Trade Centers, von dem aus dieses Foto entstand. 1997 ging der Woolworth-Konzern unter, 1998 wurde das Gebäude an eine Immobilienfirma verkauft.

REUTERS

Das Woolworth Building mit seiner prunkvollen Lobby (hier in 2007) dient bis heute als Bürohaus für Firmen, Anwaltskanzleien und Uni-Räume. 2012 kaufte der Bauentwickler Alchemy Properties die obersten 30 Etagen, um sie in Luxuswohnungen unzuwandeln.

Williams New York

Die 34 Apartments wurden vom VIP-Designer Thierry Despont entworfen, der auch schon für Bill Gates, Ralph Lauren und Calvin Klein gearbeitet hat. Preis: 3,9 Millionen Dollar bis 110 Millionen Dollar - für das mehrstöckige Penthouse, eines der teuersten New Yorks.

Williams New York

Das Penthouse, "Castle in the Sky" genannt, umfasst die ganze Spitze des Woolworth Buildings. Es hat ein zweistöckiges Wohnzimmer, einen offenen Kamin und ein Observatorium. Zwei "Pavillion-Residenzen" im 29. Stock protzen mit Terrassen, sie kosten je 20 Millionen Dollar.

Williams New York

Im Untergeschoss befindet sich ein akribisch wiederhergesteller, 17 Meter langer Swimmingpool, den Mr. Woolworth einst persönlich in Auftrag gegeben hatte. Hinzu kommen eine Sauna, ein Weinkeller und ein privates Sportstudio - alles im neugotischen Stil rekonstruiert.

Eine stilistisch etwas andere Spielart dieses "Immobilien-Pornos", wie man in New York sagt, findet sich wenige Kilometer südlich von 432 Park, in Lower Manhattan: Dort wandelt die Baufirma Alchemy Properties die obersten 30 Etagen des historischen Woolworth Buildings in Luxuswohnungen um.

Von 1913 bis 1930 der höchste Wolkenkratzer der Welt, wird der neugotische Bau, der ironischerweise mal die Zentrale des gleichnamigen Billigkaufhauskonzerns war, ab nächstem Jahr von 34 exklusiven Apartments gekrönt sein. Das Penthouse (Preis: 110 Millionen Dollar) umfasst die gesamte Spitze - samt sieben Meter hohen Decken und einem Observatorium zum Sternengucken. "Das Dach der Welt", so formuliert es Alchemy-Chef Ken Horn bei einem exklusiven Rundgang.

Von Midtown zum Financial District: Unaufhaltsam mutiert Manhattan zum Spielplatz der Reichen, während die Mittelklasse in die Außenbezirke vertrieben wird. Die Manager von 432 Park kümmert das wenig, das ist auch nicht ihr Job. "Der Markt ist nun mal da", begründet Wallgren die Jagd nach immer größerem Luxus. "Wir befriedigen nur einen Bedarf."

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 81 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Die Gefahr
bartholomew_simpson 12.01.2015
von Terroranschlägen sollte bei solchen Gebäuden nicht unterschätzt werden. Da es aber sich meist um Dritt-bis Zehnt- Wohnungen handelt, sind die Bewohner nur selten anwesend, und i.d.R. dank guter Beziehungen vorgewarnt.
2. Sign of the times !
postmaterialist2011 12.01.2015
Und wer des Englischen mächtig ist, dem sei die exzellente BBC Dokumentation "The Super-Rich and US" u.a. auf youtube : https://www.youtube.com/watch?v=t2BiuW93bos empfohlen. Hier wird gnadenlos blossgestellt, dass der von vielen Neoliberalen zum Mantra erhobene Begriff des "trickle-down effects" totaler Blödsinn ist. Gerechte Besteuerung von Vermögen und hohem Einkommen ist gefragt und keine Cayman Islands, Double Dutch with an Irish Sandwich oder Luxemburg Steuersparmodelle mehr.
3. Tja Herr Pitzke
knieselstein 12.01.2015
wie wäre es mal mit Informationen, wie viele vom Prekariat (Bauarbeiter) wie lange von diesem Bau leben ?
4. 2112
rudolf_mendt 12.01.2015
Muss eine interessante Aussicht sein: Unten krabbeln die Abermillionen von Ameisen, die gerade so über die Runden kommen und sich ein Erst- oder Zusatzeinkommen durch Müllsammeln verschaffen. Und oben im Fünftwohnsitz kann man Armengucken betreiben. Irgendwann haben wir doch offensichtlich die falsche Ausfahrt genommen und die Entwicklung läuft dementsprechend in die falsche Richtung. Aber es gilt nach wie vor: Nur die dümmsten Kälber...
5. Zufriedenheit
shooop 12.01.2015
Ich finde Zufriedenheit in meinem Garten. Das ist für mich sehr gesund und gesamtgesellschaftlich gesehen auch um einiges gesünder, als seine Zufriedenheit darin zu finden, sich mittels Geld und solcher Elfenbeintürme vom Pöbel emporzuheben.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Luxusimmobilien-Boom: Manhattans neuer Höhenrausch


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: