45 Prozent weniger Gewinn: Merkels Energiewende vermasselt RWE-Geschäft

Die Energiewende in Deutschland belastet das Geschäft der großen Stromkonzerne, beim Branchenführer RWE hat sich der Gewinn im vergangenen Jahr fast halbiert. Außer dem Atomausstieg sieht der Konzern noch einen weiteren Grund für seine Misere: das teure Gas aus Russland.

Atomkraftwerk Biblis: Der einstige Gewinnbringer von RWE ist inzwischen stillgelegt Zur Großansicht
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Atomkraftwerk Biblis: Der einstige Gewinnbringer von RWE ist inzwischen stillgelegt

Essen - 2011 war für den Essener Stromriesen RWE ein schwarzes Jahr. Der deutsche Atomausstieg bescherte dem Konzern einen drastischen Gewinneinbruch. Das betriebliche Ergebnis des Konzerns sank um 24 Prozent auf 5,8 Milliarden Euro. Das Nettoergebnis verringerte sich sogar um 45,4 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro.

Allein der im vergangenen Jahr beschlossene Atomausstieg hat sich laut dem Konzern mit deutlich mehr als einer Milliarde Euro in der Bilanz niedergeschlagen. Die Entscheidung der Bundesregierung, schneller aus der Kernenergie auszusteigen und einige Kraftwerke sofort stillzulegen, hatte RWE Chart zeigen wie auch die anderen deutschen AKW-Betreiber E.on Chart zeigen, EnBW Chart zeigen und Vattenfall Chart zeigen im vergangenen Frühjahr kalt erwischt.

RWE musste die beiden Blöcke des Atomkraftwerks im hessischen Biblis stilllegen, die bis dahin zu den Gewinnbringern des Konzerns gezählt hatten. Zusätzliche Belastungen muss der Konzern durch die neue Brennelementesteuer hinnehmen. Im Gasgeschäft machen RWE teure Verträge mit Lieferanten wie dem russischen Gazprom-Konzern Chart zeigen zu schaffen.

Dennoch will RWE seine Schwächephase schnell überwinden. Der scheidende Konzernchef Jürgen Großmann sagte am Dienstag: "Wir haben die nötigen Maßnahmen eingeleitet, um die Talsohle zügig zu durchschreiten." So plant der künftige Konzernchef Peter Terium ein neues Maßnahmenpaket zur Effizienzsteigerung, das in den Jahren 2013 und 2014 zu Kostensenkungen von rund einer Milliarde Euro führen soll.

Der Ausblick ist bescheiden

Die Aktionäre müssen sich in diesem Jahr mit einer niedrigeren Dividende begnügen. Sie von 3,50 Euro je Aktie auf zwei Euro sinken. Für das laufende Jahr gab der Konzern erstmals einen Ausblick. Danach soll sich das nachhaltige Nettoergebnis "stabil" entwickeln. Auch 2013 soll auf dem Niveau von 2011 liegen.

Die Stromerzeugung ging im RWE-Konzern im vergangenen Jahr um neun Prozent auf knapp 206 Milliarden Kilowattstunden zurück. Hier machte sich nicht nur die Stilllegung des Kernkraftwerks Biblis bemerkbar. Auch mehrere konventionelle Kraftwerke in den Niederlanden und Großbritannien waren wegen Revisionsarbeiten, Reparaturen und Umbauarbeiten zeitweise nicht verfügbar. Der Stromabsatz sank um fünf Prozent.

Auch die Gaslieferungen des Konzerns an Privat- und Industriekunden verringerten sich um 19 Prozent auf 322 Milliarden Kilowattstunden. Neben der milden Witterung hatte der Konzern hier auch mit dem härter werdenden Wettbewerb zu kämpfen.

Dagegen konnte die auf das Geschäft mit erneuerbaren Energien spezialisierte Konzerntochter RWE Innogy ihr Ergebnis mit 181 Millionen Euro mehr als verdoppeln.

stk/dapd/Reuters

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insgesamt 124 Beiträge
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1. Bitter
vostei 06.03.2012
hat auch was mit Weitsicht zu tun, wie, wann, wo - in welchem Umfang - investiert wird und, wenn man jahrelang auf's falsche Pferd setzt bei diesem Glücksspiel....- hält sich mein Mitleid in engen Grenzen, zumal eine der Ursachen in Fuk ja überbordendes Gewinnstreben waren.
2. kein Wunder
Hebbe29 06.03.2012
Zitat von sysopDie Energiewende in Deutschland vermasselt den großen Stromkonzernen das Geschäft, beim Branchenführer RWE hat sich der Gewinn im vergangenen Jahr fast halbiert. Außer dem Atomausstieg sieht der Konzern noch einen weiteren Grund für seine Misere: das teure Gas aus Russland. 45 Prozent weniger Gewinn: Merkels Energiewende verhagelt RWE-Bilanz - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,819537,00.html)
Das ist kein Wunder. Wenn eine Firma teilweise enteignet wird, können Umsatz und Gewinn nicht konstant bleiben. Wenn man dem Besitzer eines Mietshauses einen Teil seiner Wohnungen sperrt, wird er neu bauen müssen, um zu seinen alten Einkünften zu kommen. Vernünftigerweise wird er dies aber in einem anderen Staat tun, wo Eigentumsrechte noch gelten.
3. Na ja.
misterbighh 06.03.2012
Zitat von sysopDie Energiewende in Deutschland vermasselt den großen Stromkonzernen das Geschäft, beim Branchenführer RWE hat sich der Gewinn im vergangenen Jahr fast halbiert. Außer dem Atomausstieg sieht der Konzern noch einen weiteren Grund für seine Misere: das teure Gas aus Russland. 45 Prozent weniger Gewinn: Merkels Energiewende verhagelt RWE-Bilanz - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,819537,00.html)
Vielleicht sollte man erst mal prüfen, ob durch die Stilllegungen nicht riesige Abschreibungen vorgenommen werden, die natürlich den operativen Gewinn runter fahren und nun als politisches Druckmittel zur Verfügung stehen. 45% Prozent erscheint mir sehr hoch, mal abgesehen davon das die russischen Gasverträge auch nicht wirklich vorteilhaft sind. Und das ist ein Managementfehler. Also sollten an der Stelle erst mal Köpfe rollen, aber es werden wohl erst mal die Mitarbeiter gehen und die Manager bekommen ne schöne Abfindung. Ergo. Wie immer, oder vorweg!
4.
Noctim 06.03.2012
Zitat von sysopDie Energiewende in Deutschland vermasselt den großen Stromkonzernen das Geschäft, beim Branchenführer RWE hat sich der Gewinn im vergangenen Jahr fast halbiert. Außer dem Atomausstieg sieht der Konzern noch einen weiteren Grund für seine Misere: das teure Gas aus Russland. 45 Prozent weniger Gewinn: Merkels Energiewende verhagelt RWE-Bilanz - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,819537,00.html)
Jeder BWLer wird mir jetzt ins Gesicht lachen. Aber die Hälfte vom Gewinn ist immer noch Gewinn. Das heißt, der Konzern schreibt dicke, schwarze Zahlen. Vielleicht weniger als letztes Jahr, aber "das Geschäft" rentiert sich. Wenn es die Hälfte des Umsatzes wäre, könnte ich das Gejammer verstehen. Ansonsten können sich die fetten Energie-Riesen mal zu mir geben und sich ihre Portion Mitleid abholen.
5.
homeuser 06.03.2012
Zitat von sysopDas betriebliche Ergebnis des Konzerns sank um 24 Prozent auf 5,8 Milliarden Euro. Das Nettoergebnis verringerte sich sogar um 45,4 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro. 45 Prozent weniger Gewinn: Merkels Energiewende verhagelt RWE-Bilanz - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,819537,00.html)
Autsch, 1,8Mrd. nach Steuern das ist ja übel. Ich bin dafür ganz schnell ein Spendenkonto einzurichten oder noch besser direkt Staatshilfen. Hungernde Kinder können warten, das ist jetzt wohl wichtiger. Ich sitze hier zu tränen gerührt :-(
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