530 Milliarden Euro Kredit Notenbank flutet Märkte mit billigem Geld

Die Europäische Zentralbank stillt den immensen Durst der Finanzmärkte: Sie borgt den Banken rund 530 Milliarden Euro für einen Niedrigzins von nur einem Prozent. Die Rating-Agentur Fitch warnt allerdings, die EZB verzögere damit nur den Zusammenbruch schwacher Institute.

EZB-Zentrale in Frankfurt am Main: Geldflut für die Märkte
REUTERS

EZB-Zentrale in Frankfurt am Main: Geldflut für die Märkte


Frankfurt am Main - Die europäischen Banken haben wieder zugegriffen, als gäbe es kein Morgen: Sie durften bei der Europäischen Zentralbank (EZB) Kredite in unbegrenzter Höhe aufnehmen, und das haben sie weidlich genutzt. 800 Banken liehen sich bei der EZB insgesamt 529,5 Milliarden Euro für den Niedrigzins von einem Prozent - und das schon zum zweiten Mal.

Bei der ersten Aktion dieser Art hatte die EZB im Dezember bereits knapp eine halbe Billion Euro an mehr als 500 Banken verteilt. Während aber einigen Banken das Geld fehlt, das sie sich so besorgen, schwimmt der Rest im Geld - vergibt es aber nicht an Unternehmen: Viele Banken parken ihr Geld über Nacht auf den sicheren Konten der EZB - auf 481 Milliarden Euro ist diese "Angstkasse" wieder angeschwollen. Zwar gibt es erste Zeichen, dass die Banken das viele Geld nutzen, um wieder Staatsanleihen zu kaufen, das meiste Geld schwappt aber immer wieder zurück zur EZB.

Banken leiden unter scharfen Kreditvorgaben

Gleichzeitig haben einige Banken darunter zu leiden, dass die EZB die Vorgaben für ihre Kredite verschärft hat: Sie akzeptiert keine griechischen Staatsanleihen mehr als Sicherheiten. Mehrere Banken kämpfen deshalb offenbar ums Überleben und mussten auf sogenannte Notfall-Kredite der Zentralbank zurückgreifen: Die Menge ist laut EZB über Nacht um rund 450 Prozent im Vergleich zum Vortag angestiegen.

Insgesamt wurden 4,9 Milliarden Euro an Krediten abgerufen, die nur bis zur Eröffnung des Handels am Morgen laufen. Die EZB hatte auf die Notfall-Kredite als Ausweichlösung explizit hingewiesen.

Nach Ansicht der Rating-Agentur Fitch zögert die EZB mit ihren billigen Krediten den Zusammenbruch schwacher Banken lediglich hinaus. Zwar habe das erste Drei-Jahres-Kreditangebot zum Rekord-Niedrigzins von einem Prozent im Dezember das Vertrauen an den europäischen Finanzmärkten wieder etwas gestärkt, teilte Fitch am Dienstag mit.

Einige Banken vor allem aus Italien und Spanien hätten sich damit Zeit zur Bewältigung ihrer Probleme erkauft. "Aber bei anderen Banken mit einem schon niedrigen Rating schieben die lebenserhaltenden Maßnahmen der Langfrist-Refinanzierungsoperation das Ableben nur auf", schrieb Fitch.

Die Aussicht auf eine neue Runde billigen Geldes hatte die Anleger am Mittwoch zunächst an den Aktienmarkt gelockt: Am Vormittag kletterte der Dax Chart zeigen um knapp 0,9 Prozent, fiel nach Bekanntgabe der Zahlen aber und lag am Mittag ein halbes Prozent im Plus bei 6923 Punkten.

nck/Reuters/dpa/dapd

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sgift 29.02.2012
1.
Zitat von sysopREUTERSDie Europäische Zentralbank stillt den Durst der Finanzmärkte: Sie borgt den Banken rund 530 Milliarden Euro für einen Niedrigzins von einem Prozent. Die Rating-Agentur Fitch warnt allerdings, die EZB verzögere damit nur den Zusammenbruch schwacher Institute. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,818328,00.html
Bereicherung der Banken auf Kosten der Allgemeinheit - die Banken leihen sich das Geld fuer 1% bei der EZB und parken es entweder irgendwo zu niedrigen Zinsen (mehr als 1% ist nicht schwer) oder geben es quasi risikolos fuer xx% weiter. Als normaler Buerger wuerde ich mir auch gern Geld fuer 1% leihen. Ich verspreche auch es weiterzugeben an Unternehmen fuer laecherliche 4-5%. Und wenn die mal nicht zahlen muss Angela auch viel weniger Geld ausgeben, um mich zu retten, als bei einer durchschnittlichen Bank.
anderton 29.02.2012
2. Geld für die Banken...
Zitat von sysopREUTERSDie Europäische Zentralbank stillt den Durst der Finanzmärkte: Sie borgt den Banken rund 530 Milliarden Euro für einen Niedrigzins von einem Prozent. Die Rating-Agentur Fitch warnt allerdings, die EZB verzögere damit nur den Zusammenbruch schwacher Institute. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,818328,00.html
Man kann wirklich nur noch mit dem Kopf schütteln. Und natürlich beäugt die Presse das nicht kritisch, ganz im Gegenteil, man erwähnt dabei gleich noch, dass der DAX und andere Papiere an der Börse stiegen. Also alles gut, oder? Das hat man vor zehn Jahren auch so gemacht, als sich die Banken untereinander von der Realwirtschaft abgekoppelt haben. Im Endeffekt weiß man doch was mit dem Geld passiert. Erstens werden davon Staatsanleihen gekauft, um die Zinsen der Südstaaten auf einem angenehmen Niveau zu halten und zweitens, verschwindet die Kohle im Interbankenmarkt bzw. im Derivatengeschäft. Wir wissen doch alle, dass sich die Institute auf ihrem eigenen geschlossenen Interbankenmarkt nicht mehr trauen, weil sie alle Schrott in den Händen halten. Wer sich untereinander Unmengen an Geld leiht und diese Schulden dann zusätzlich auch noch in Form von "Wertpapieren" in aller Banken-Welt zirkulieren lässt, braucht sich nicht zu wundern, wenn in einer Krise die Kunden (nur andere Banken) wegbleiben. Schließlich weiss man ja was man unter die Geschäftspartner gebracht hat. Es braucht wohl noch ein paar Geldspritzen um dort die Kuh vom Eis zu bekommen. Was das für die Realwirtschaft - bei durchschnittlich ca. 20% Eigenkapital der Firmen - bedeutet, wenn diese keine Kredite mehr bekommen kann man sich ausrechnen. Bin gespannt wie das weitergeht…
Adele 29.02.2012
3. Europäische NOT(en)BANK
Europäische Notenbank wird bald zur europäischen Notbank.
idealist100 29.02.2012
4. Suchen
Zitat von sysopREUTERSDie Europäische Zentralbank stillt den Durst der Finanzmärkte: Sie borgt den Banken rund 530 Milliarden Euro für einen Niedrigzins von einem Prozent. Die Rating-Agentur Fitch warnt allerdings, die EZB verzögere damit nur den Zusammenbruch schwacher Institute. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,818328,00.html
Dann lasst uns einmal suchen wo die bis dato gefluteteten 1,5 Billionen Euronen 1.500.000.000.000.-€ geblieben sind. Wer sammelt die wieder ein und wer zahlt dafür die Zinsen. Ich meine nicht das 1%.
silverhair 29.02.2012
5.
Zitat von sgiftBereicherung der Banken auf Kosten der Allgemeinheit - die Banken leihen sich das Geld fuer 1% bei der EZB und parken es entweder irgendwo zu niedrigen Zinsen (mehr als 1% ist nicht schwer) oder geben es quasi risikolos fuer xx% weiter. Als normaler Buerger wuerde ich mir auch gern Geld fuer 1% leihen. Ich verspreche auch es weiterzugeben an Unternehmen fuer laecherliche 4-5%. Und wenn die mal nicht zahlen muss Angela auch viel weniger Geld ausgeben, um mich zu retten, als bei einer durchschnittlichen Bank.
Bei einem Geldsystem was nur noch wenigen Abzockern dient sollte man mit dem "Geld-Stimmzettel abstimmen" - Konto gegen Barauszahlung auflösen, und anderswo anlegen, den auf eine vernünftige Geldwirtschaft sollte sich dann keiner mehr verlassen, wo nur noch die Zocker das Spiel machen dürfen, da wird es auch keine Realen Gewinne mehr geben, das ist dann nur noch ein Schneeballsystem ala Maddoff , den letzten beissen sie Hunde!
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