55-Milliarden-Euro-Fehler Rechnungsprüfern droht Verfahren

Die Milliardenschlamperei bei der Bad Bank der HRE bleibt nicht ohne Folgen: Nach SPIEGEL-Informationen wird die Wirtschaftsprüferkammer ein berufsrechtliches Verfahren gegen die Abschlussprüfer von PwC einleiten. Denen war ein 55 Milliarden Euro schwerer Fehler unterlaufen.

Deutsche Pfandbriefbank in Unterschleißheim: Konsequenzen für die Prüfer
DPA

Deutsche Pfandbriefbank in Unterschleißheim: Konsequenzen für die Prüfer


Hamburg - Die Wirtschaftsprüferkammer hat nach SPIEGEL-Informationen ein berufsrechtliches Verfahren gegen die Abschlussprüfer der FMS Wertmanagement eingeleitet. Die FMS Wertmanagement ist die Bad Bank der Hypo Real Estate.

Den Prüfern von PricewaterhouseCoopers (PwC), die den Jahresabschluss 2010 der FMSW testiert hatten, war ein Buchungsfehler über 55,5 Milliarden Euro nicht aufgefallen. "Die Geschehnisse in München sind ein Super-GAU für die Wirtschaftsprüfer", sagte Michael Gschrei, der Präsident der Wirtschaftsprüferkammer, dem SPIEGEL. Deshalb will die berufsständische Organisation der 21.000 Wirtschaftsprüfer nun schnell die Hintergründe aufklären und bei Fehlverhalten berufsrechtliche Maßnahmen gegen die Prüfer von PwC ergreifen.

Ende Oktober war bekannt geworden, dass es bei der Bad Bank der früheren Hypo Real Estate Fehlbuchungen in Höhe von 55 Milliarden Euro gegeben hat. Beim Handel mit riskanten Derivaten wurde versäumt, Forderungen, sprich Guthaben, mit den Schulden zu verrechnen.

Dieser Rechenfehler, vermutlich der größte Buchungsfehler der Wirtschaftsgeschichte, ist höchst peinlich für die Bundesregierung. Immerhin stellt sich die Frage, wie es möglich sein kann, dass der Staat sich um 55 Milliarden Euro verrechnet. Finanzminister Wolfgang Schäuble dementiert allerdings, frühzeitig von der Panne gewusst zu haben.



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insgesamt 48 Beiträge
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Gordis 06.11.2011
1. Kapitän
Wenn ein Kapitän einen Fehler macht und seinen Schiff etwas passiert, wird ihm sein Patent entzogen. Genau so sollten die Manager behandelt werden. Fehlt nur noch, das einer sagt, er hjat die 55 Milliarden gefunden und beantragt Finderlohn.
crocodil 06.11.2011
2. 55
...wenn die sich auch mal bei meiner Rente - zu meinen Gunsten - verrechnen??
chb_74 06.11.2011
3. Fehler in Serie
Es ist ja nicht das erste Mal, dass von Wirtschaftsprüfern testierte Bilanzen sich hinterher als grob fehlerhaft herausgestellt haben - das hat es in den letzten Jahren bei diversen bekannten Unternehmen gegeben. Ich frage mich bei sowas immer, ob die Wirtschaftsprüfer wirklich die notwendige Unabhängigkeit und auch Kompetenz besitzen, oder ob da mehr nach dem Motto "wird schon stimmen, Stempel drunter, Schampus trinken" gearbeitet wird. Auf jeden Fall sollte denjenigen, die die Unterschrift unter diesen Bericht gesetzt haben, die berufsrechtliche Zulassung wegen erwiesener Inkompetenz dauerhaft entzogen werden. Solche Leute sind eine Gefahr für unsere Wirtschaftsordnung und müssen von wichtigen Stellen entfernt werden, wie in anderen Branchen auch. Ein grob pfuschender Arzt oder Apotheker kann auch seine Approbation verlieren.
pudel_ohne_mütze 06.11.2011
4. und wann ermittelt ein Staatsanwalt wegen
Zitat von sysopDie Milliarden-Schlamperei bei der Bad Bank der HRE bleibt nicht ohne Folgen: Nach SPIEGEL-Informationen wird die Wirtschaftsprüferkammer ein berufsrechtliches Verfahren gegen die Abschlussprüfer von PwC einleiten. Denen war ein 55 Milliarden Euro schwerer Fehler unterlaufen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,796152,00.html
Bilanzfälschung in besonders schwerem Fall ??
autocrator 06.11.2011
5. nie
Zitat von pudel_ohne_mützeBilanzfälschung in besonders schwerem Fall ??
einfach Antwort: Nie. Wer auch nur den blassesten Schimmer von der in Deutschland üblichen doppelten Buchführung hat, weiss, dass da absichtvolles kriminelles Handeln dahinter steckt. Und zwar nicht der kleinen Buchhalterin, sondern eines ganzen Filzes von Leuten, die - was wunder, erstaunlicherweise allesamt untereinander per Du sind. Und die sind auch wieder allesamt mit politikern und den ministeriums- und aufsichtsbehörden-oberen per Du .... und die Staatsanwaltschaft ist politisch weisungsgebunden. Und von seinem Evokationsrecht wird der neue Generalbundesanwalt mit sicherheit auch keinen gebrauch machen ... Seien Sie also still und bezahlen gefälligst mit Ihren Steuern die Zinsen, die für diese 55 Mrd. € geflossen sind! Und wehe Sie äußern den Verdacht, da habe sich jemand bereichert!
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