Nach Flugzeugabsturz Boeing setzt Auslieferung der 737 Max aus

Nach dem Absturz einer Ethiopian-Airlines-Maschine will der US-Flugzeugbauer Boeing vorerst keine Maschinen vom Typ 737 Max mehr ausliefern. Die Produktion sei jedoch noch nicht gestoppt.

Boeing 737 Max 9 im Bau
AFP

Boeing 737 Max 9 im Bau


Nach dem Startverbot von Flugzeugen der Boeing-737-Max-Reihe setzt der US-Luftfahrtkonzern Chart zeigen die Auslieferung der Maschinen aus. Dies gelte, "bis wir eine Lösung finden", sagte ein Boeing-Sprecher. Die Produktion werde aber trotz der "Lieferpause" fortgesetzt.

Eine Boeing 737 Max 8 war am Sonntag in Äthiopien abgestürzt, alle 157 Menschen an Bord kamen dabei ums Leben. Die Absturzursache ist noch unklar. Experten vermuten aber ein technisches Problem bei der Maschine. Die "New York Times" berichtete, der Pilot habe bereits wenige Minuten nach dem Start die ersten Notsignale gefunkt - und darum gebeten, eine Notlandung einleiten zu dürfen. Die Fluglotsen hätten außerdem einen starken Wellenflug der Maschine registriert.

Erst im Oktober war in Indonesien eine Maschine des gleichen Typs der Gesellschaft Lion Air wenige Minuten nach dem Start abgestürzt. Satellitendaten zeigen, dass es Ähnlichkeiten beim Flugverlauf der beiden Unglücksmaschinen gab.

Die Maschinen des Typs werden wohl Monate lang am Boden bleiben müssen. Nach dem Unglück in Äthiopien verhängten zahlreiche Länder ein Flugverbot für den Flugzeugtyp. Auch die USA untersagten Starts der Flugzeuge vom Typ Boeing 737 Max 8 und 9. Die US-Luftaufsichtsbehörde FAA begründete ihr Flugverbot ebenfalls mit Ähnlichkeiten der beiden Abstürze. Auch Boeing selbst empfahl daraufhin ein weltweites Startverbot für alle 371 bislang ausgelieferten Maschinen.

Auswertung der Flugschreiber soll heute beginnen

Das Grounding hat weitreichende Folgen für die Fluggesellschaften. Die angeschlagene Norwegian Airlines hat bereits hohe Schadensersatzforderungen angekündigt. Lesen Sie hier ein Interview mit dem Luftfahrtexperten Heinrich Großbongardt: "Die Verunsicherung der Passagiere ist verständlich."

Die Flugschreiber der Unglücksmaschine aus Äthiopien wurden derweil am Donnerstag zur Auswertung nach Frankreich gebracht. Die französische Luftsicherheitsbehörde BEA bestätigte den Erhalt der bei dem Absturz beschädigten Blackboxes, die Auswertung der Daten soll heute beginnen.

Die Boeing 737 Max ist erst seit Mai 2017 in Betrieb. Weltweit sind rund 450 Maschinen des Typs registriert. Wegen des geringen Spritverbrauchs war das Flugzeug bislang sehr begehrt. Nach Angaben auf der Homepage des Konzerns haben mehr als hundert Kunden insgesamt rund 5000 der Flugzeuge bestellt.

Für Boeing ist der Absturz ein schwerer Imageschaden, der den Konzern teuer zu stehen kommen könnte, denn 78 Prozent der Bestellungen in den Auftragsbüchern betreffen die Max-Familie. Der Aktienkurs des US-Flugzeugbauers fiel in den Tagen nach dem Absturz in Äthiopien bereits um zwölf Prozent.

apr/dpa/AFP



insgesamt 44 Beiträge
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ctreber 15.03.2019
1. Sieht nach Software aus
An der Aerodynamik und Mechanik wird nichts falsch sein, daher wohl auch kein Stop der Produktion. Auch beim letzten Absturz ist die Rede von einem "Wellenflug" - das klingt leider danach, als ob Software und Pilot im Wettstreit miteinander lagen (Pilot zieht, Software senkt, weil sie einen vermeintlichen Stall vermeiden will). Bin gespannt, was bei der Untersuchung herauskommt: gleicher Fehler wie zuvor (der eine (!) Sensor gibt falsche Info, die Piloten wissen nicht, was sie dagegen tun können)?
Nutzer ohne Namen 15.03.2019
2. @1
wenn aber durch die größeren Triebwerke eine veränderte Anströmung der Tragflächen bei der MAX erfolgt, was wiederum einen stall eher begünstigt als vergleichbare Konstruktionen, muss da unbedingt nachgebessert werden. Boeing hat ja nicht aus Langeweile mcas entwickelt und eingebaut.
spon-facebook-10000012354 15.03.2019
3. Hoffentlich
Das Flugzeug wird dringend benötigt. Allerdings: Wenn man sich durch die Artikel und die Kommentare gelesen hat dann kommt man langsam zu der folgenden Einschätzung: Das System ist erforderlich um die Trimmung des Flugzeuges zu erhalten, die durch die neuen Triebwerke massiv verschoben ist. Offenbar ist dieses System nicht an den Autopiloten gekoppelt, sondern läuft auch bei einer manuellen Steuerung des Systems. Dieses System ist auch nicht mit Redundanzen angelegt, sondern stützt sich auf einen Sensor. Wenn dieser gestört ist, dann versucht es automatisch die Fluglage zu stabilisieren und zieht das Flugzeug nach unten. Dieses System ist zumindest anfänglich den Piloten nicht bekannt gewesen. Inzwischen ist bekannt, dass man es durch zwei Schalter deaktivieren kann. Allerdings soll das Flugzeug ohne dieses System nicht einfach zu fliegen sein. Mann erwartet also von den Piloten, dass sie in einer sehr kurzen Zeit (z.B. beim Start) die Störung des Systems erkennen, es deaktivieren und dann das Flugzeug trotz seiner Probleme im Bereich der Trimmung manuell stabilisieren. Wenn dies so ist, dann ist dies nur noch unglaublich und muss umgehend modifiziert werden. So einfach scheint dies nicht zu sein, denn sonst hätte Boeing dieses System in den Autopiloten integriert oder komplett abgeschaltet. Die grundlegende Konzeption des Flugzeugs lässt sich jetzt nicht mehr ändern.
twocents 15.03.2019
4. Spekulation
Möglicherweise kämpfe gar nicht der Pilot gegen die Software, sondern es war viel schlimmer: die eine Software (MACS) kämpfte gegen die andere Software (Autopilot), und der Pilot war ratlos, was hier vor sich geht. Einerseits liest man, das MACS sei nur im manuellen Mode aktiv, an anderer Stelle heißt es, nach Einschalten des Autopiloten habe sich die Nase des Flugzeugs nach unten gesenkt. Dafür wird ja wohl kaum der Pilot verantwortlich gewesen sein. Sieht eher so aus, also ob das MACS nicht mitbekommen hat, dass es gefälligst dem Autopiloten den Vorrang zu lassen hat. Wenn man z.B. an den Absturz der Ariane 5 denkt, so scheint bei Software nichts unmöglich ...
ma_fer 15.03.2019
5.
Amerikaner haben schon einen besonderen Humor. Es wäre auch eine besondere Herausforderung, ein Flugzeug, das fast nirgendwo auf der Welt noch fliegen, starten oder landen darf, an Kunden auszuliefern.
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