A380-Sicherheitsproblem: Airbus-Image leidet unter Triebwerksschäden
Fehlerhafte Triebwerke sind ein großes Sicherheitsproblem für den Riesenjumbo A380 - das hat eine Untersuchung der australischen Flugsicherheitsbehörde gezeigt. Der Fehler liegt beim Triebwerkbauer Rolls-Royce. Doch beim Image leidet vor allem Airbus.
Beschädigtes A380-Triebwerk: "Klar fällt das auf Airbus zurück"
Hamburg - Am Mittwoch konnte Airbus noch gute Nachrichten vermelden: Der Militärtransporter A400M, Prototyp "Grizzley 3", bestand auf dem Betriebsgelände in Finkenwerder einen ersten Kältetest; zudem soll das Erfolgsmodell A320 künftig in einer neuen Version mit spritsparenden Triebwerken angeboten werden. 4000 Exemplare des "A320Neo" könnten nach Ansicht des Konzerns innerhalb der kommenden 20 Jahre verkauft werden - ein Umsatz von mehreren hundert Milliarden Dollar wäre zu erwarten.
Einen Tag später war es mit den guten Nachrichten vorbei.
Die australische Luftsicherheitsbehörde warnte vor einem Herstellungsfehler bei Triebwerken des Riesenjumbos A380. Ein potentieller Defekt an einer Ölschlauchverbindung könnte Brüche aus Materialermüdung, Öllecks und möglicherweise Triebwerksversagen zur Folge haben, hieß es in einer Stellungnahme der Behörde. Sie bestätigte damit die Einschätzung des Triebwerkbauers Rolls-Royce, dass ein fehlerhaftes Bauteil für den schweren Triebwerksschaden verantwortlich war, der Anfang November einen A380 der Fluggesellschaft Qantas in Singapur zur Notlandung zwang.
Die Empfehlung? Rolls-Royce müsse die nötigen Schritte vornehmen, um die Sicherheit aller Flüge mit dem Triebwerk vom Typ Trent 900 zu gewährleisten. Das britische Unternehmen hatte das Problem nach eigengen Untersuchungen schon zuvor erkannt und verschärfte Kontrollen sowie den Austausch einzelner Triebwerksteile angeordnet.
Doch längst geht es nicht mehr nur um eine Panne eines britischen Zulieferers. Längst sind die Triebwerksprobleme zum Problem für Airbus geworden. Konzernchef Thomas Enders rechnete bereits Mitte November mit Verzögerungen bei der A380-Auslieferung im kommenden Jahr.
Ohne Schrammen am Image kommt Airbus nicht davon
Natürlich liegt der Fehler in diesem Fall nicht bei Airbus, sondern bei Rolls-Royce. Doch weil das Prestigeobjekt A380 betroffen ist, das größte Passagierflugzeug der Welt, schauen alle ganz besonders genau hin. "Klar fällt das auf Airbus zurück", sagt Dietmar Plath, früher Sprecher des Konzerns und heute Chefredakteur des Magazins "Aero International". Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt sagt: "Das trägt sicher nicht dazu bei, das Vertrauen in den A380 zu stärken." Ohne Schrammen am Image komme Airbus nicht davon.
Hinzu kommt: Es ist bei weitem nicht das erste Mal, dass der A380 ins Gerede kommt. Immer wieder hatte es beim Bau des Superjumbos Verzögerungen gegeben. Im März des vergangenen Jahres beschwerte sich die Fluggesellschaft Emirates über das häufige Vorkommen kleinerer Pannen. Ein halbes Jahr später musste eine Maschine der Singapore Airlines wegen eines Triebwerkschadens in Paris notlanden. Im März 2010 platzten bei der Landung eines Qantas-Fliegers in Sydney zwei Reifen.
A380-Maschinen mit Trent-900-Triebwerken sind bei drei Fluggesellschaften im Einsatz: Neben Qantas bei der deutschen Lufthansa und bei Singapore Airlines. Die Lufthansa gab an diesem Donnerstag bekannt, dass in ihrer Flotte nur ein Triebwerk betroffen sei - es soll nun in der Nacht auf Freitag ausgetauscht werden. Der betroffene A380 - einer von insgesamt vier Superjumbos in Diensten der Lufthansa - stehe derzeit am Boden auf dem Flughafen Frankfurt und warte auf ein neues Triebwerk von Rolls-Royce. Flugausfälle werde es nicht geben.
Airbus steckt in einer unglücklichen Position. Für die fehlerhaften Triebwerke kann der Flugzeughersteller nichts. Doch für die Beschwerden der Airlines ist das Unternehmen die erste Adresse. "Es ist damit zu rechnen, dass kritische Fragen kommen werden", sagt Großbongardt. "Der A380 kommt nicht ganz ungeschoren davon."
"Der Name A380 leidet"
Qantas kündigte nach dem Bericht der australischen Flugsicherheit an, die Triebwerke nochmals zu prüfen. Derzeit lässt die Airline zwei ihrer insgesamt sechs A380 wieder starten. Die übrigen Maschinen bleiben nach der dramatischen Notlandung von Singapur am Boden.
"Der Name A380 leidet auf den ersten Blick darunter", sagt Analyst Zafer Rüzgar von Independent Research. Gravierende Auswirkungen auf den Aktienkurs des Airbus-Mutterkonzerns EADS seien langfristig aber eher nicht zu erwarten. Auch Airbus bemühte sich um Gelassenheit. Trotz der Probleme mit den Rolls-Royce-Triebwerken wolle man im kommenden Jahr 24 oder 25 Maschinen ausliefern. Das Programm sei "auf gutem Wege", sagte Verkaufschef John Leahy am Mittwoch. 2011 sollen pro Monat zwei A380 ausgeliefert werden.
Richtig teuer könnte das Triebwerk-Debakel für Rolls-Royce werden. Qantas hat beim Bundesgericht in Sydney erste Schritte eingeleitet, um gegen den britischen Konzern vor Gericht ziehen zu können, falls eine Einigung scheitert. Die Höhe des finanziellen Schadens sei noch nicht errechnet, teilte Qantas mit. Nach Schätzungen von UBS dürften sie aber rund 60 Millionen Dollar betragen.
Mit Material von dpa und Reuters
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- Donnerstag, 02.12.2010 – 18:08 Uhr
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15. März 2009: Emirates beschwert sich über Mängel an ihren A380: Kleinere Pannen würden im Schnitt alle zwei Tage vorkommen, häufig müssten die Maschinen am Boden bleiben. Die Mängel: angeschmorte Stromkabel, abgerissene Verkleidungsbleche, defekte Teile an Triebwerken.
Beide Hersteller beziehen Teile von anderen Firmen. Mit der Übergabe an die jeweilige Fluggesellschaft endet die Verantwortung laut Airbus die Verantwortung des Flugzeugbauers für die Wartung der Triebwerke.
Der Jumbo ist 72,7 Meter lang, hat eine Spannweite von 79,8 Metern und ein maximales Startgewicht von 569 Tonnen. Innen gibt es zwei Etagen, wo in der Basisversion 555 Fluggäste Platz finden (Lufthansa-Ausführung: 526 Passagiere).
Das vierstrahlige Flugzeug kann 15.400 Kilometer ohne Zwischenlandung zurücklegen - also nonstop Verbindungen zwischen den wichtigsten Drehkreuzen in Europa, Nordamerika und Asien bewältigen. Laut Airbus kann er 40 Prozent mehr Passagiere transportieren als der Boeing-Jumbo B747 und ist dabei nur etwa halb so laut.
Flugverbindungen: von Singapur nach London, Paris, Zürich, Sydney, Melbourne, Hongkong und Tokio.
Sitzplätze: 471; davon 399 in der Economy, 60 in der Business und 12 in der First Class.
Erstauslieferung: 15. Oktober 2007
Flugverbindungen: Von Dubai nach Paris, London, Manchester (ab 1. September), Toronto, Bangkok, Sydney, Seoul, Auckland, Dschidda.
Sitzplätze: 489; davon 399 in der Economy, 76 in der Business und 14 in der First Class - zusätzlich sind für Regionalflüge Maschinen mit 604 Plätzen im Einsatz.
Erstauslieferung: 28. Juli 2008
Flugverbindungen: von Sydney und Melbourne über Singapur nach London; von Sydney und Melbourne nach Los Angeles.
Sitzplätze: 450; davon 332 in der Economy, 32 in der "Premium Economy", 72 in der Business und 14 in der First Class.
Erstauslieferung: 19. September 2008
Flugverbindungen: von Paris nach New York und Johannesburg.
Sitzplätze: 538; davon 449 in der Economy, 80 in der Business und 9 in der First Class.
Erstauslieferung: 30. Oktober 2009
Flugverbindungen: zunächst von Frankfurt nach Tokio, dann außerdem nach Peking und Johannesburg.
Sitzplätze: 526; davon 420 in der Economy, 98 in der Business Class und 9 in der First Class.
Erstauslieferung: 19. Mai 2010
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