Abgestürzter Airbus A400M Überlebender berichtet von Triebwerkschaden

Der in Spanien abgestürzte Militärtransporter A400M hatte mehrere Triebwerkschäden. Das berichtet ein überlebendes Besatzungsmitglied nach Informationen von SPIEGEL ONLINE. Airbus will die Testflüge dennoch fortsetzen.

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Rettungskräfte an A400M-Absturzstelle bei Sevilla: Multiple Triebwerkschäden
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Rettungskräfte an A400M-Absturzstelle bei Sevilla: Multiple Triebwerkschäden


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Bei dem in Spanien abgestürzten Airbus A400M haben offenbar kurz nach dem Start mehrere Triebwerke versagt. Das wurde am Rande eines Treffens der Verteidigungsminister Frankreichs, Deutschlands und Spaniens im französischen Lorient bekannt. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE berichtete einer der beiden überlebenden Airbus-Mitarbeiter den Behörden von dem Problem. Der Schwerverletzte, der aus der abgestürzten Maschine gerettet wurde, bevor sie ausbrannte, konnte bisher nur kurz befragt werden.

Die Verteidigungsminister, darunter auch Ursula von der Leyen, hatten sich am Sonntagmittag spontan am am Rande einer Gedenkveranstaltung zum Weltkriegsende im französischen Lorient zu einer kurzen Krisenrunde wegen des Absturzes zusammengesetzt, da alle drei Nationen mit dem A400M ihre Streitkräfte erneuern wollen. Bei dem Arbeitsmittagessen stand zunächst der aktuelle Stand der Suche nach der Unfallursache im Vordergrund, hieß es.

Die neuen Erkenntnisse deuten auf ein massives technisches Problem bei der Testmaschine hin: Der schwer verletzte Mitarbeiter von Airbus berichtete von einem multiplen Triebwerksversagen kurz nach dem Start. Wie es zu der Fehlfunktion kam, ist bisher noch unklar. Der spanische Verteidigungsminister Pedro Morenés kündigte eine genaue Untersuchung durch Airbus, die spanische Regierung und die militärischen sowie zivilen Luftaufsichtsbehörden an. Morenés bat um Geduld, bis ein eindeutiges Ergebnis vorliege.

Video: "Die Männer sprangen aus dem Fenster!"

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Von der Leyen bietet deutsche Hilfe an

Trotz des Hinweises auf Triebwerkschäden will Airbus am Dienstag einen A400M in Toulouse starten lassen. Die Testflüge mit dem Militärtransporter würden weiter wie geplant durchgeführt, solange es keine Erkenntnisse gebe, die ihren Stopp erzwingen, teilte ein Sprecher von Airbus am Sonntag mit. Mehrere Länder, darunter Großbritannien und die Türkei, hatten ihren Testbetrieb mit bereits ausgelieferten Flugzeugen vorerst gestoppt, bis die Unglücksursache geklärt ist.

Nach dem Treffen in Lorient bot von der Leyen Spanien und Airbus Unterstützung bei der Untersuchung an. "Wir bieten an, bei der Klärung der Unfallursache und der Lösung der Probleme all unseren Sachverstand mit einzubringen, denn es ist natürlich in unserem europäischen Interesse, die militärischen Transportfähigkeiten zu modernisieren", sagte von der Leyen. Die Ministerin sprach erneut von der "wichtigen Rolle", die das Militärflugzeug für die Erneuerung der Luftwaffe spiele.

Bei den Kunden des A400M, die in den nächsten Jahren die Auslieferung ihrer Maschinen erwarten, ist die Verunsicherung groß. Sicher scheint, dass der Absturz zu weiteren Verzögerungen führen wird, die sich schon vorher immer wieder durch Pannen und Qualitätsmängel in die Länge gezogen hatte. Deutschland hat damit viel Erfahrung. Die Einführung des A400M ist Jahre hinter dem Zeitplan, deswegen musste die Luftwaffe die Einsatzzeit alter Transportflugzeuge vom Typ Transall bis 2020 verlängern.

Frankreich stärkt Airbus den Rücken

Frankreich stärkte Airbus nach dem Absturz symbolisch den Rücken. Der französische Verteidigungsminister sagte, er sehe keinen Grund für eine Einstellung des Flugbetriebs. Die französische Armee habe bereits 1700 Flugstunden mit den A400M-Modellen absolviert, bisher habe es keinerlei Probleme gegeben. Frankreich ist wie Deutschland eine der Leitnationen bei Airbus. Der A400M ist auch für die französische Armee strategisch wichtig.

Die Luftwaffe will die Untersuchungen der Absturzursache genau beobachten, am liebsten würde man sogar deutsche Experten nach Spanien entsenden, um möglichst nah bei den Recherchen dabei zu sein. Derzeit laufen bereits Gespräche mit Airbus, wie die Ermittlungen weitergehen. Luftfahrtexperten sagten SPIEGEL ONLINE schon vor den Äußerungen des Überlebenden, die bisherigen Erkenntnisse wiesen auf ein massives technisches Problem direkt nach dem Start hin.

Das Ausmaß des Desasters ließ sich schon kurz nach den ersten Meldungen über den Absturz auf Internetseiten wie "Flightradar24" beobachten, die den Flugverkehr genau beobachten. Gut eine Minute nach dem Start gegen 13 Uhr, die Maschine hatte gerade 1700 Fuß und 173 Knoten erreicht, knicken alle Werte massiv ein, der A400M flog dann noch zwei steile Linkskurven. Vermutlich, so die Deutung von Flugexperten, seien die Piloten wegen der Triebwerkschäden umgedreht, um zum Flughafen zurückkehren oder eine Notlandung zu versuchen.

Kurz darauf streifte der A400M noch eine Hochspannungsleitung und stürzte ab. Vier Crew-Mitglieder starben, zwei überlebten schwer verletzt. Die gesamte Crew bestand aus Airbus-Technikern, die das Flugzeug vor der Auslieferung an die Türkei noch einmal prüften.

Spanischen Medien zufolge setzte die Crew kurz nach dem Start noch einen Notruf ab. Ob die Piloten dabei auch ein konkretes Problem meldeten, ist bisher nicht bekannt. Nach einem multiplen Triebwerksschaden wäre der A400M nach Meinung von Experten kaum noch zu fliegen.

"Sie wussten schon kurz nach dem Start, dass sie nicht in der Luft bleiben konnten", sagte ein Luftwaffen-Offizier.


Zusammengefasst: Beim in Spanien abgestürzten Militärtransporter A400M sind kurz nach dem Start offenbar mehrere Triebwerke ausgefallen. Das hat ein überlebendes Besatzungsmitglied den spanischen Ermittlern erzählt. Bundesverteidigungsministerin von der Leyen bietet Spanien Unterstützung bei der Suche nach der Unfallursache an. Airbus will weiterhin Testflüge durchführen.

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Seite 1
schlaueralsschlau 10.05.2015
1.
Das mit dem Überlebenden muss ich bisher wohl immer überlesen haben. Wenn ich mir Bilder von der Absturzstelle anschaue, grenzt es an ein Wunder.
panzertom 10.05.2015
2. Vergessen zu tanken?
Sehr ungewöhnlich, so ein mehrfaches Triebwerk-versagen. Die Triebwerke werden in all ihren Systemen streng autonom ausgelegt, damit bei einem einzelnen Triebwerkversagen die anderen Triebwerke die Lage retten. Das ist die wichtigste Begründung für die in der Fliegerei mittlerweile recht ungewöhnliche Zahl von vier Triebwerken. Hat da vielleicht einer vergessen zu tanken?
h.klinge-klinge 10.05.2015
3.
Bleibt zu hoffen dass nicht noch ein A400M vom Himmel fällt...
adama. 10.05.2015
4. Technisches Versagen?
Früher sind solche Unfälle öfters passiert, wenn die Besatzung von einem vollen auf einen leeren Tank umgeschaltet hat. Diesmal könnte sich nicht der Mensch, sondern ein Computer geirrt haben?
vox veritas 10.05.2015
5.
Du meine Güte! Wenn diese ganze Waffensysteme, die die Bundeswehr aktuell beschafft, schon im Friedensbetrieb nicht funktionieren, wie soll das dann im Einsatz erst klappen? Das ist alles viel zu techniküberladen und dadurch nicht robust genug.
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