Abgastests an Affen Spitzenforscher könnte Bundesverdienstkreuz verlieren

Helmut Greim war Chef im Forschungsbeirat der Lobbygruppe EUGT, die Abgasversuche an Affen finanzierte. Nun prüft das Umweltministerium, was er wusste - und droht laut einem Medienbericht mit Konsequenzen.


Das Bundesumweltministerium prüft die Rolle von Helmut Greim bei Abgasversuchen an Affen. Greim war Vorsitzender des Forschungsbeirats der Lobbygruppe EUGT (Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor). Volkswagen, Daimler, BMW und Bosch hatten die Lobbyorganisation 2007 gegründet, sie bestand bis 2017.

Die EUGT hatte die umstrittenen Experimente an Affen finanziert, bei denen die Tiere Abgasen ausgesetzt wurden. Darüber hinaus förderte die Initiative eine Studie der Universität Aachen, bei der sich 25 Probanden an einem Institut der Uniklinik RWTH Aachen dem Reizgas Stickstoffoxid aussetzten. Die Studie wurde von der Ethikkommission der Universität genehmigt, die verwendeten Dosen waren nach Angaben eines Sprechers unbedenklich. Ein direkter Zusammenhang mit dem Dieselskandal kann bislang nicht eindeutig hergestellt werden.

Wegen der Vorwürfe gegen die EUGT will das Bundesumweltministerium nun klären, welche Rolle Greim bei den Tests gespielt hat, berichtet "Die Welt". In einem Brief von Staatssekretär Jochen Flasbarth an Greim heißt es demnach: "Vor dem Hintergrund Ihrer langjährigen Tätigkeit in zahlreichen nationalen wie europäischen wissenschaftlichen Beratungsgremien sowie zuletzt 2017 als Sachverständiger im Rahmen der Anhörung des Abgas-Untersuchungsausschusses des Deutschen Bundestags bitte ich um Auskunft darüber, ob und inwieweit Sie als Leiter des Forschungsbeirats der EUGT in die Konzeption der Studien einbezogen waren."

Und schon wieder fassungslos

Zitate starten: Klicken Sie auf den Pfeil

Zudem will das Ministerium prüfen, wie es sich zu Greims Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz positionieren will, berichtet "Die Welt" und beruft sich auf einen Sprecher des Ministeriums. Das Ergebnis hängt demnach von Greims Antwort ab.

Er hatte die Auszeichnung 2015 für sein langjähriges wissenschaftliches Engagement auf dem Gebiet der Toxikologie und Umwelttoxikologie erhalten. Die Laudatio hielt Bundesumweltministerin Barbara Hendricks. Greim ist bei Umweltschützern seit Langem umstritten. So betont er beispielsweise, die aus seiner Sicht niedrigen Stickoxid-Grenzwerte in Deutschland seien aus toxikologischer Sicht nicht plausibel.

Nach Bekanntwerden der aktuellen Vorwürfe hatte Greim betont, die Autohersteller hätten von den Tests an Affen und menschlichen Probanden gewusst. "Die jetzige Reaktion der Autovorstände ist für mich daher nicht nachvollziehbar", sagte Greim.

"Affenstudien werden überall gemacht"

Der mit Vertretern der drei Autokonzerne besetzte EUGT-Vorstand habe "an fast allen Sitzungen des wissenschaftlichen Beirats teilgenommen". Auch ein anderes ehemaliges Beiratsmitglied bestätigte dies. Alles sei "vorbildlich abgelaufen".

Greim hält die Experimente für unproblematisch. "Es klingt für Laien vielleicht absonderlich, aber Affenstudien werden überall gemacht. Für bestimmte Fragestellungen sind solche Versuche sehr relevant und aussagefähig."

Die Grünen fordern laut "Welt" bereits, dass Greim das Bundesverdienstkreuz aberkannt wird. "Bei den jüngst bekannt gewordenen Versuchen an Affen war Greim auch da, nämlich Beirats-Vorsitzender des Autolobbyvereins EUGT. Dass er zum Dank auch noch das Bundesverdienstkreuz aus den Händen der Bundesumweltministerin Hendricks verliehen bekam, setzt dem die Krone auf", sagte Vizefraktionschef Oliver Krischer. Es werde Zeit, Greim aus dem Kreis der Bundesverdienstkreuzträger zu entfernen.

koe



insgesamt 30 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Chilango 02.02.2018
1. Er hat natürlich nichts gewusst
Aufsichtsräte und Vorstände sind nur für Erfolge zuständig. Fehlverhalten geschieht grundsätzlich immer hinter ihrem Rücken. Der Betreffende wird dann mit vollen Bezügen oder eine saftigen Abfindung entlassen
Andre V 02.02.2018
2.
Na ja. Sind wir ehrlich: Hat nicht Wolke Hegenbarth auch ein Bundesverdienstkreuz? Nach 30 Jahren im Gemeinderat bekommt man eines, nach 5 Jahren im Bundestag - wahrscheinlich gibt es weniger Menschen in Deutschland, die keines haben, als Menschen, die eines haben.
joejoejoe 02.02.2018
3. Spitzenforscher könnte Bundesverdienstkreuz verlieren???
Wer sagt, dass Greim ein Spitzenforscher ist? Kennen Sie eine bahnbrechende Veröffentlichung von ihm? In welcher relevanten wissenschaftlichrn Zeitschrift?
tanriverdi 02.02.2018
4. Ich war entsetzt ….
... als ich das mit den Affen gelesen hatte, die für Forschungszwecke von Deutschen mit Diesel-Abgasen vergast wurden. Hat dieses Volk denn nichts gelernt? Es waren Deutsche, die früher sogenannte Gas-Wagen erfanden und mit Diesel Abgasen Menschen töteten. Es waren nicht ominöse Nazis, es waren Deutsche. Und es waren Deutsche, die Menschen in Concentration Camps für wissenschaftliche Forschung quälten. Und jetzt sind wir wieder so nahe dran. Mit Affen machen sie es bereits wieder. Was haben die Deutschen bloß für ein Mörder-Gen in sich? Ich schäme mich, Deutscher zu sein. Lasst bloß Millionen Einwanderer hier rein, damit dieses Volk endlich aufgelöst wird.
Velociped 03.02.2018
5. Verlogen
Die Kritik an den Versuchen könnte verlogener nicht sein. Vielleicht waren die Versuche nur dazu da, die Autoindustrie reinzuwaschen. Aber die Regierung lügt und betrügt fortwährend um genau das gleiche zu tun. Dennoch ist weder ein Minister noch eine Kanzlerin zurückgetreten, die alles tun, dass der Großversuch an Menschen in Deutschland ungestört weitergehen kann - obwohl dies gegen EU-Recht und natürlich auch deutsches Recht verstößt. Statt aber die Schuldigen in der Regierung zur Rechenschaft zu ziehen, soll jemand bestraft werden, der die geltenden Standards angewandt hat. Im Prinzip ist es sinnvoll, besser zu wissen, wie Abgase auf lebendige Organismen wirken. Dass der Auftraggeber hier einen Persilschein wollte, ist kein Argument, welches bei der ethischen Genehmigung berücksichtigt wird, da davon ausgegangen wird, dass die Forschung neutral und nicht geleitet durch den Forschungsauftrag stattfinden würde. Hier reiht sich SPON in die moralisch verlogene Presse ein. Nicht weil SPON falsche Tatsachen behaupten würde, sondern weil sich SPON zum Büttel der verlogenen Doppelmoral macht. Dabei würde mich gar nicht wundern, wenn die ersten Ergebnisse der Forschung so dramatisch waren, dass deshalb die Forschung abgebrochen wurde und die moralischen Bedenken jetzt nur vorgeschoben sind.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.