Abgasskandal US-Justiz klagt fünf weitere VW-Manager an

VW hat sich im Abgasskandal vor der US-Justiz schuldig bekannt und eine Milliardenstrafe akzeptiert. Der Konzernvorstand wird vorerst verschont, dafür verklagt das US-Justizministerium fünf weitere Top-Manager.

US-Justizministerin Loretta Lynch
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US-Justizministerin Loretta Lynch


Volkswagens lange erwartete Einigung mit der US-Justiz im Dieselskandal kostet rund vier Milliarden Euro. Die amerikanischen Behörden richten allerdings vorerst keine Beschuldigungen gegen den Konzernvorstand. VW bekannte sich der am Mittwoch in Washington veröffentlichten Vereinbarung zufolge schuldig, mit Abgasangaben Behörden und Kunden betrogen, Umweltrecht verletzt und die Justiz behindert zu haben. Doch verantwortlich gemacht dafür werden Manager unterhalb des Konzernvorstands.

Das Justizministerium klagt fünf weitere ranghohe Führungskräfte neben dem bereits inhaftierten früheren VW-Umweltmanager in den USA wegen Betruges an. Die fünf sollen sich in Deutschland aufhalten. Es handelt sich um einen ehemaligen VW-Entwicklungschef, zwei leitende Motorenentwickler und zwei Qualitätsmanager. "Es sind keine multinationalen Unternehmen ohne Gesicht, die Verbrechen begehen, sondern Menschen aus Fleisch und Blut", sagte die stellvertretende Generalstaatsanwältin Sally Yates.

Ob alle Konzernvorstandsmitglieder wie der zurückgetretene VW-Chef Martin Winterkorn nun aufatmen können, bleibt offen. Justizministerin Loretta Lynch betonte, die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen. "Wir werden die Verantwortlichen, die diese schädliche Verschwörung orchestriert haben, weiter verfolgen."

VW-Chef Müller bedauert "zutiefst und aufrichtig"

Der stellvertretende FBI-Chef Andrew McCabe sagte, dass man zwar keine Firmen ins Gefängnis bringen, jedoch die Mitarbeiter persönlich zur Verantwortung ziehen könne. "Wir können Konzerne dazu zwingen, heftige Strafen zu zahlen", erklärte er. Die Geldstrafe von 4,3 Milliarden Dollar für VW ist die höchste, die die US-Behörden jemals einem Autokonzern aufgebrummt haben.

VW-Chef Matthias Müller erklärte: "Volkswagen bedauert die Handlungen, die zur Dieselkrise geführt haben, zutiefst und aufrichtig." Die Vereinbarungen zeigten, dass VW entschlossen gegen Fehlverhalten vorgehen wolle. "Sie sind ein wichtiger Schritt nach vorne für unser Unternehmen und alle Mitarbeiter."

Das US-Justizministerium hatte den Wolfsburger Konzern vor einem Jahr verklagt wegen des Verstoßes gegen das Luftreinhaltegesetz. Volkswagen hatte im September 2015 die Manipulation von elf Millionen Autos weltweit zugegeben, darunter knapp eine halbe Million Fahrzeuge in den USA. Dort war der Skandal auch aufgedeckt worden. Eine illegale Software sorgte dafür, dass Grenzwerte für gesundheitsschädliches Stickoxid nur auf dem Prüfstand eingehalten werden. Im normalen Straßenverkehr liegen sie um ein Vielfaches höher.

Der Vergleich sieht vor, dass der Autobauer seine Schuld nach US-Strafrecht anerkennt. Nach VW-Angaben ist er aber keine Grundlage für Rechtsstreitigkeiten außerhalb der Vereinigten Staaten. Der Konzern muss außerdem sein internes Kontrollsystem zur Einhaltung von Vorschriften verbessern und sich für drei Jahre einer unabhängigen Aufsicht unterwerfen. Dafür entsenden die USA einen Aufpasser, der Zugang zu VWs Dokumenten haben und die Bemühungen des Konzerns zur Einhaltung der Umweltgesetze bewerten soll.

An der Börse sorgte das Ende der strafrechtlichen Auseinandersetzung mit der US-Regierung für Erleichterung. VW-Aktien Chart zeigen legten um mehr als vier Prozent zu und waren damit Spitzenreiter im Leitindex Dax Chart zeigen.

nck/Reuters

insgesamt 90 Beiträge
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chickenrun1 12.01.2017
1. Maßlos
Es ist richtig, dass VW für das Fehlverhalten bestraft wird. Es ist falsch und sprengt jeglichen vernünftigen Rahmen in welcher Höhe die Strafzahlungen darauf abzielen den Konzern nachhältig zu beschädigen. Das ist mindestens genauso skandalös.
Spiegelleserin57 12.01.2017
2. Warum nur VW??
Es ist bekannt dass viele andere Firmen genauso behandelt haben! Wann werden die Weiteren verklagt? Was ist denn mit den amerikanischen Autohäusern? Wurden diese Autos nicht überprüft? Davon liest man gar nichts. Diese Fragen wurden in keinem Artikel je beantwortet. Soll VW als weltgroesster Autobauer gezielt zerstört werden. Es hört sich nach einer gezielten Kampagne an. Kann die USA diese Konkurrenz nicht ertragen? Es scheint so!
echoanswer 12.01.2017
3. Bedauern? Aufrichtig?
Lächerlich ist das schon. Zumal die gesamte juristische Aufarbeitung ausschließlich in den USA stattfindet und in Europa nichts passiert.
th.diebels 12.01.2017
4.
Zitat von chickenrun1Es ist richtig, dass VW für das Fehlverhalten bestraft wird. Es ist falsch und sprengt jeglichen vernünftigen Rahmen in welcher Höhe die Strafzahlungen darauf abzielen den Konzern nachhältig zu beschädigen. Das ist mindestens genauso skandalös.
Leider müssen am Ende die Arbeitnehmerschaft die Zeche zahlen !
swissit 12.01.2017
5. nein die Strafe ist angemessen
und entspricht den Milliardenbussen die amerikanische und europäische Banken zahlen für Schwarzgeldschieberei. Wer jahrelang vorsätzlich international BETRÜGT und sich Marktvorteile verschafft gehört drastisch bestraft
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