Abgasskandal VW verteilt 1000-Dollar-Gutscheine an 120.000 Amerikaner

Als Wiedergutmachung für den Abgasskandal hat Volkswagen betroffenen Kunden in den USA Einkaufsgutscheine im Wert von 1000 Dollar angeboten. Eine Sammelklage droht dem Konzern nun auch aus Australien.

Von Journalisten bedrängt: VW-USA-Chef Michael Horn in Los Angeles
AP/dpa

Von Journalisten bedrängt: VW-USA-Chef Michael Horn in Los Angeles


Rund 120.000 Amerikaner haben von Volkswagen als Zeichen der Wiedergutmachung für den Abgasskandal Einkaufsgutscheine im Wert von 1000 Dollar erhalten. Das Paket besteht aus einer Visa-Prepaid-Kreditkarte im Wert von 500 Dollar, einem 500-Dollar-Gutschein für Reparaturen in einer VW-Werkstatt und drei Jahren gratis Pannenhilfe. Eine Teilnahme an dem Programm bedeute nicht, dass die Kunden auf ihr Klagerecht verzichten müssten, so Volkswagen.

Bundesverbraucherschutzminister Heiko Maas (SPD) fordert, dass die betroffenen deutschen VW-Kunden dieselben Hilfen vom Konzern bekommen wie in den USA. VW-Markenchef Herbert Diess kündigte an, es werde "für jeden Markt ein individuelles Maßnahmenpaket" sowie "speziell zugeschnittene Lösungen" geben. Es sei aber noch zu früh, um über Details zu sprechen.

Verbraucherschützer pochen darauf, dass VW alle Arten von Kosten übernimmt, die für Autofahrer durch den Abgasskandal anfallen. Wie Sie als betroffener VW-Kunde Ihre Rechte sichern, lesen Sie hier.

Am Freitag läuft für VW in den USA eine erste Frist aus, innerhalb derer der deutsche Autobauer den US-Regulierern Vorschläge für einen Rückruf von knapp 500.000 Dieselfahrzeugen unterbreiten muss. VW hatte im September zugegeben, weltweit bis zu elf Millionen Dieselfahrzeuge mit einem Computerprogramm ausgestattet zu haben, mit dem Abgaswerte bei Tests manipuliert werden können.

"Wenn sie keinen Plan vorlegen, der für uns akzeptabel ist, dann stehen uns Strafen zur Verfügung. Es geht nicht ewig so weiter, es gibt eine Deadline", sagte Mary Nichols, Chefin der kalifornischen Umweltbehörde Carb, am Rand der Los Angeles Auto Show.

VW-USA-Chef Michael Horn erhielt dort einen kühlen Empfang. "Das mit dem Applaus werden wir noch mal üben müssen", sagte er zur Begrüßung. Horn, der von zahlreichen Journalisten bedrängt wurde, entschuldigte sich abermals und erklärte: "Nichts ist für mich persönlich wichtiger als die Zufriedenheit der Kunden und es wieder gut zu machen für alle, die über die Jahre Vertrauen in Volkswagen hatten."

Horn bestätigte, dass VW-Vertreter sich am Freitag zu Gesprächen mit den US-Behörden treffen werden, wollte aber noch keine Details zum Rückrufplan verraten.

In den USA droht dem Konzern eine milliardenschwere Strafe. Anwälte sammeln zudem Munition für Schadensersatzklagen. Und auch in Australien fordern VW-Besitzer wegen des Abgasskandals Schadenersatz in Millionenhöhe. Die Anwaltskanzlei Maurice Blackburn kündigte am Donnerstag eine Sammelklage gegen Volkswagen an, in der sie für jeden Betroffenen umgerechnet etwa 6700 Euro Entschädigung fordere. Nach Angaben der Kanzlei sind in Australien mehr als 90.000 Fahrzeuge betroffen.

vet/Reuters/dpa



insgesamt 19 Beiträge
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thomas.d. 19.11.2015
1. Ach ja?
Für jeden Markt die passende Lösung, heißt : Für den US Markt beschriebene 1000 Dollar, für den deutschen Markt nen stinkenden Wunderbaum zum an den Spiegel hängen. Der deutsche Verbraucherschutz ist ein ( schlechter) Witz!
wakaba 19.11.2015
2.
VAG verschleudert die Ware in den USA. Irre Leasingkonditionen und 6000 USD Rabatt. Ein gut ausgestatteter Golf kostet so weniger als 12 000 Euro. Marktaustritt? Ja. 2Mia weniger Gewinn...20 Mia Busse. Ich glaub den Michels beim Spiegel ist der Ernst der Lage nicht ganz klar...was Piech und Winterkorn angerichtet haben.
eunegin 19.11.2015
3. schön für die Amerikaner...
nur sind wir hier VW ja auch auf den PR-Leim gegangen. In den USA sind VWs sowieso günstiger als in Deutschland. Und jetzt auch noch Geld hinterherwerfen? Davon können wir lange träumen. Meine Frau hat einen VW, eigentlich ganz gut. Zu teuer für das, was er bietet, aber was soll's. War aber der letzte, wenn ich mir diese Firma so ansehe. Man kommt sich ja schon veräppelt vor.
analyse 19.11.2015
4. Immer wieder hört man von Fachleuten,die meisten
Autohersteller würden tricksen,da die Abgasnormen unrealistisch seien .Ist da was dran ? Würden die Verbraucherschützer sich auch so ins Zeug legen,wenn es sich um einen amerikanischen Konzern handelt ?Wären die von deutschen Gerichten geforderten Strafen dann ähnlich hoch ?
elizar 19.11.2015
5. Na toll ...
Also ich finde einen Gutschein ganz schön frech. Wenn ich irgendwo einkaufe und dort mit falschen Versprechungen betrogen werde, dann will ich keinen Gutschein. Ich will mein Geld zurück und dort nicht mehr einkaufen. Als ob ich bereit wäre nochmal Geld an jemand zu geben, der mich verar***t. Naja was soll´s. Glücklicherweise habe ich keinen dieser Motoren. Allen anderen: mein Beileid :(
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