Abkehr von München EADS will Zentrale in Toulouse ansiedeln

Es ist eine radikale Abkehr von der deutsch-französischen Balance: Der künftige EADS-Chef Tom Enders will Zeitungsberichten zufolge die Zentrale des Luftfahrtkonzerns nach Toulouse verlagern - zu Lasten der Standorte in München und Paris. 400 Mitarbeiter könnten betroffen sein.

Tom Enders: "Schwerer Schlag für den Technologiestandort Bayern"
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Tom Enders: "Schwerer Schlag für den Technologiestandort Bayern"


München - Tom Enders bricht mit den alten Regeln bei EADS: Der designierte Chef des Rüstungs- und Luftfahrtkonzerns will die Zentrale laut Zeitungsberichten künftig in Toulouse zusammenführen. Enders kündigte bei einem internen Führungskräftetreffen die Verlagerung der bisherigen Verwaltungssitze in München und Paris an, schreiben die "Süddeutsche Zeitung" und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" übereinstimmend.

Die derzeitige Doppelzentrale ist Teil der Balancestrategie zwischen Deutschland und Frankreich. Den Berichten zufolge sagte Enders in Madrid: "Lasst uns ein Hauptquartier haben." Er wolle den Konzern "schwerpunktmäßig" aus Toulouse führen. Dort sitzt die wichtigste EADS-Tochter Airbus. "Wir müssen uns von der Zwangsjacke der deutsch-französischen Balance endlich befreien", sagte Enders demnach. Das Ziel müsse "Chancengerechtigkeit unabhängig von Reisepässen" sein.

Ein EADS-Sprecher sagte am Freitagvormittag, "in internen Meetings gemachte Aussagen kommentieren wir nicht in der Öffentlichkeit". Vor Enders Amtsantritt am 1. Juni werde es dazu auch keine Stellungnahmen geben.

Von der Zusammenführung wären laut Branchenkreisen rund 400 Mitarbeiter betroffen. Die interne Zusammenarbeit aller Abteilungen solle durch den Schritt verbessert werden, hieß es.

Ein völliges Aus für die beiden bisherigen Standorte München und Paris stehe allerdings nicht an, sie verlören aber klar an Bedeutung, schreibt die "SZ". In München formiert sich bereits Widerstand. "Sollte Herr Enders solche Pläne wirklich umsetzen, wäre das ein schwerer Schlag für den Technologiestandort Bayern", sagte Landeswirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) der Zeitung. Noch vor wenigen Tagen habe das Unternehmen zugesichert, der Standort in Ottobrunn bei München sei sicher und werde weiter ausgebaut.

yes/dpa/dapd



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WILHHERDE 10.02.2012
1. So ist es
Die DM haben wir auch verloren und die BUBA ist nur noch sowas wie ein sterblicher Überrest der einst stolzen Beherrrscherin der DM, der einst zweitwichtigsten Weltwährung. Höchst hat sich ja auch nach Frankreich verlagert. Die Franzosen drängen ja auch darauf, die Marineausrüster zusammenzulegen. Die würden dann auch nach Frankreich abwandern. Bislang konnten sich die Deutschen dem französischen Ansinnen noch entziehen. Man muss aufpassen.
bmehrens 10.02.2012
2. Vive La France..
Zitat von WILHHERDEDie DM haben wir auch verloren und die BUBA ist nur noch sowas wie ein sterblicher Überrest der einst stolzen Beherrrscherin der DM, der einst zweitwichtigsten Weltwährung. Höchst hat sich ja auch nach Frankreich verlagert. Die Franzosen drängen ja auch darauf, die Marineausrüster zusammenzulegen. Die würden dann auch nach Frankreich abwandern. Bislang konnten sich die Deutschen dem französischen Ansinnen noch entziehen. Man muss aufpassen.
"Franz. Ansinnen" ist aber sehr zurückhaltend geschrieben.
hansmaus 10.02.2012
3. Titel
Zitat von WILHHERDEDie DM haben wir auch verloren und die BUBA ist nur noch sowas wie ein sterblicher Überrest der einst stolzen Beherrrscherin der DM, der einst zweitwichtigsten Weltwährung. Höchst hat sich ja auch nach Frankreich verlagert. Die Franzosen drängen ja auch darauf, die Marineausrüster zusammenzulegen. Die würden dann auch nach Frankreich abwandern. Bislang konnten sich die Deutschen dem französischen Ansinnen noch entziehen. Man muss aufpassen.
Man müsste aufpassen aber wir werden uns wie immer nach allen Regeln der Kunst verarschen und übern Tisch ziehen lassen, keine Sorge, Berlin macht das schon.
bmehrens 10.02.2012
4. dafür nennen sie ihn jetzt ..mon ami..
Zitat von sysopDPAEs ist eine radikale Abkehr von der deutsch-französischen Balance: Der künftige EADS-Chef Tom Enders will Zeitungsberichten zufolge die Zentrale des Luftfahrtkonzerns nach Toulouse verlagern - zu Lasten der Standorte in München und Paris. 400 Mitarbeiter könnten betroffen sein. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,814506,00.html
..und bekommt 1 Mio drauf.
beebo1 10.02.2012
5. Der Wasserkopf wird abgebaut
Die Zentralen in München und Paris dürften sich vor allem selbst verwalten, die Entscheidungen werden auch jetzt schon wohl in Toulouse getroffen. EADS will ja sparen, daher wird da nicht sehr viel zu machen sein. In München bleibt nur eine Lobbyvertretung, damit die Öffentlichen Gelder auch weiterhin kräftig fließen. Wenn Sarko gegen Hollande oder LePen verliert, wird es um die Arbeitsplätze noch härtere Verhandlungen geben. Man könnte sich dann auch auseinanderleben, und die Produktionsstandorte wieder Nationalisieren.
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