ACS-Offerte Hochtief-Beschäftigte protestieren gegen feindliche Übernahme

Die Abwehrschlacht bei Hochtief hat begonnen: Der Aufsichtsrat des Baukonzerns berät in einer außerordentlichen Sitzung über Maßnahmen gegen die Übernahmeofferte der spanischen ACS - flankiert von einem Protestmarsch der Beschäftigten. Die Essener hoffen nun auf politische Unterstützung.


Essen - Konzernführung und Beschäftigte von Hochtief Chart zeigen formieren sich: Rund 500 Mitarbeiter des größten deutschen Baukonzerns haben am Montag in Essen gegen die Übernahmepläne des spanischen Konkurrenten ACS protestiert. Parallel dazu beriet der Aufsichtsrat in einer außerordentlichen Sitzung über Maßnahmen.

Betriebsratschef Siegfried Müller appellierte an die Bundesregierung, dem Baukonzern bei seinem Abwehrkampf zu helfen. Schließlich sei der Konzern "das letzte große deutsche Bauunternehmen mit Kompetenzen von Tunnelbau bis zur Errichtung von Kernkraftwerken". Auch Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter hatte zuvor gesagt, dass er auf ein Einschalten der Bundesregierung hofft.

Von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) zumindest können die Hochtief-Vertreter keine Hilfe erwarten - er will sich nicht in den Übernahmekampf einmischen. Brüderle gehe davon aus, dass Hochtief und ACS vernünftige und faire Gespräche führen würden, sagte ein Sprecher am Montag in Berlin.

Der Hochtief-Großaktionär ACS hatte kürzlich angekündigt, die Mehrheit an dem Baukonzern möglicherweise übernehmen zu wollen. Die Beschäftigten in Deutschland befürchten, dass der spanische Konkurrent das Essener Traditionsunternehmen nach einer Übernahme zerschlagen und die Filetstücke verkaufen könnte, um die eigenen leeren Kassen zu füllen, erklärte Betriebsratschef Müller. Die Folge sei dann womöglich ein "massiver Arbeitsplatzabbau in Deutschland".

Der Betriebsrat will die Proteste auf Berlin ausweiten

Die Beschäftigten wollen es nicht bei der Veranstaltung am Montag belassen. Mehrere hundert Mitarbeiter würden nach Berlin fahren, um das Gespräch mit Bundespolitikern zu suchen und in der spanischen Botschaft eine Resolution gegen die ACS-Pläne zu übergeben, kündigte Müller an. Hilfe erhoffen sich die Beschäftigten nicht zuletzt von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), die sich ja auch im Fall Karstadt für die Interessen der Beschäftigten eingesetzt habe, erklärte Müller.

Für die beiden ACS-Vertreter im Kontrollgremium wurde es bereits vor der Aufsichtsratssitzung am Montag ungemütlich. Die demonstrierenden Beschäftigten begrüßten sie im Innenhof der Hochtief-Verwaltung mit Buhrufen und einem ohrenbetäubenden Pfeifkonzert. Auf Plakaten hieß es in Deutsch und Spanisch: "Wir lassen uns nicht ausplündern" und "ACS Nein".

yes/AFP



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cris0010 04.10.2010
1. Deutsches Kapital für Real Madrid
ACS kauft HochTief; zerschlägt es dann; und ACS hat dann wieder Geld für RealMadrid. Florentino Perez ist ein Ausbeuter. Man kann den deutschen Bauleuten nur wünschen das ACS es nicht schafft HochTief zu übernehmen. Saludos desde España
MarkH, 04.10.2010
2. ooo
Zitat von sysopDie Abwehrschlacht bei Hochtief hat begonnen: Der Aufsichtsrat des Baukonzerns berät in einer außerordentlichen Sitzung über Maßnahmen gegen die Übernahmeofferte der spanischen ACS - flankiert von einem Protestmarsch der Beschäftigten. Die Essener hoffen nun auf politische Unterstützung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,721057,00.html
Das ist eben der Preis für die Wiedervereinigung Die Deutschen Konzerne können nun allesamt übernommen werden Aber warum sollte man nun einen Baukonzern auch nur eine Träne nachheulen ? DIe eigene Bevölkerung schrumpft stark .. da braucht man keine Baukonzerne mehr
Systemrelevanter 04.10.2010
3. So soll das sein..
Ein durch Korruption aufgeblähtes Unternehmen frisst sich die Konkurrenten weg. Wie wäre es denn, wenn ACS zur Sanierung des spanischen Aushalts beiträgt, damit dieses Land der EU nicht auf der Tasche liegt, ehvor es zur Shopping-Tour aufbricht? Das Gleiche passierte ja bereits mit der Spanischen Telefonica, die - jahrelang vom Pleitestaat hoch subventioniert wurde - sich auf Europäische Shopping-Tour begeben hat und gesunde Unternehmen weggekauft hat, nur um nun mit hunderten Millionen Euro Schulden auf Marktprimat zu machen. Ungalublich, dass diese Viehmarkt-Wirtschaft hier Fuß fassen kann.
der_pfau 04.10.2010
4. ACS-Offerte: Hochtief-Beschäftigte protestieren gegen feindliche Übernahme
Der Ausverkauf (oder Abverkauf) geht weiter. Wahrscheinlich schon bald in die Endphase. Jetzt brauchen unsere europäischen Nachbarn wenigstens keine Angst mehr zu haben, dass die deutsche Wirtschaft den europäischen Markt dominiert. Dies kann man dann durch Konzernsteuerung lenken. mit schönen Grüßen an alle "global player"
lauterbachheiner 04.10.2010
5. Die Spanier...
Als sich der deutsche Energiekonzern E.on bei den Spaniern von Endesa engagieren wollten war das Geschrei der Spanier groß und es wurden eiligst Gesetze geschmiedet um eine Übernahme zu verhindern. Warum das anders herum nicht geht mag nicht einleuchten. Wir Deutschen müssen wohl immer den Fairplayer geben, auch wenn wir dabei vor die Hunde gehen. Finster. Das Spiel lassen wir uns also nicht nur von den Asiaten aufzwingen. Schönen Dank Herr Brüderle. Auch eine Art von Auslegung des Amtes: Erfüllung durch nichts tun. Wozu man eigentlich einen Wirtschaftsminister braucht der von der FDP gestellt wird ist mir eh unklar. Deren Prinzipien besagen doch gerade das der Staat da nicht eingreifen soll... Ist ja nicht die einzige Fehlbesetzung im aktuellen Kabinet. Frohes Schaff... ääähhh Nichtstun noch ;-)
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