Renditeziel verfehlt: Prognose-Patzer bringt Siemens-Chef in Bedrängnis

Für Siemens-Boss Peter Löscher wird es eng. Nachdem er erst im Mai die Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr korrigiert hatte, musste er nun auch noch das Renditeziel für 2014 zurücknehmen. Jetzt droht ihm Ärger im Aufsichtsrat.

Siemens-Chef Löscher: Nach unten, nicht nach oben Zur Großansicht
DPA

Siemens-Chef Löscher: Nach unten, nicht nach oben

München - Siemens-Chef Peter Löscher steht unter Druck: Der Top-Manager musste am Donnerstag einräumen, dass sein Konzern das Renditeziel für 2014 nicht erreichen wird. Eine operative Marge von zwölf Prozent sei "aufgrund geringerer Markterwartungen" bis dahin nicht erreichbar, teilte Siemens überraschend mit. Die Marge bezeichnet den Anteil des Gewinns am Umsatz.

Erst im Mai hatte Löscher die Gewinnprognose für 2013 gekappt. Seit seinem Amtsantritt 2007 lag er bereits sechs Mal daneben. Für den Österreicher dürfte es deshalb bei der Aufsichtsratssitzung am kommenden Mittwoch ungemütlich werden.

Eigentlich wollte Löscher den Technologiekonzern durch Stellenabbau und der Trennung von wenig rentablen Sparten bis 2014 wieder fit machen. Im Januar hatte er den Aktionären eine Rückkehr zum alten Glanz versprochen. "Weltklasse: Für diesen Anspruch stehen ich und der gesamte Vorstand ein", beteuerte er. Mit dem Mittelfeld würde sich Siemens niemals zufriedengeben.

Doch genau dort steht Siemens mittlerweile. Die Anleger reagierten am Donnerstag entsetzt auf die jüngste Warnung: Der Aktienkurs fiel zeitweise um mehr als sieben Prozent.

Finanzvorstand Kaeser gilt als potentieller Nachfolger

Löschers Karriere bei Siemens ist durchzogen von Pannen und Rückschlägen. Die Serie begann mit dem überteuerten Einkauf des Labordiagnostikgeschäfts, führte über die überhastete und letztendlich teure Trennung vom französischen Atom-Partner Areva und setzte sich mit technischen Problemen fort: Anschlüsse von Windparks in der Nordsee gingen schief. Der Liefertermin für neue ICE-Züge an die Deutsche Bahn wurde gerissen. Und in den USA brachen Windturbinen auseinander. Die Reparatur schlägt allein mit gut hundert Millionen Euro zu Buche.

Selbst mit Zukäufen hat Löscher wenig Glück. Das zusammengekaufte Solargeschäft erwies sich nach nur wenigen Jahren als Totalausfall, der verlustreiche Zweig wurde geschlossen.

Löscher war 2007 an die Unternehmensspitze geholt worden, um mit der Korruption aufräumen. Das gelang ihm ordentlich. Doch die Aktionäre sind von der Arbeit des 55-Jährigen zunehmend enttäuscht.

Viele Mitarbeiter und Manager berichten, Löscher sei danach in dem weitverzweigten Konzern nie wirklich angekommen, kenne sich bis heute zu wenig aus. Als eigentlicher Siemens-Chef gilt vielen der ausgebuffte Finanzvorstand Joe Kaeser, der auf Analystenveranstaltungen mit Detailwissen glänzt, während Löscher sich meist auf wenige strategische Aussagen beschränkt.

Ob die Aufsichtsräte am Mittwoch tatsächlich Löschers Sturz wagen, ist offen. Als möglicher Nachfolger ist immer wieder Kaeser im Gespräch. Doch es sind vor allem auch seine Stäbe gewesen, die an den falschen Einschätzungen mitrechneten. Die Zwischenbilanz für die Monate April bis Juni will Siemens am kommenden Donnerstag vorstellen.

stk/Reuters

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 26 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Kaeser!
robin66 25.07.2013
Ganz bestimmt wird nur ein Kaufmann es schaffen, die Probleme bei Siemens zu lösen. Denn nur Kaufleute verstehen etwas von Labordiagnostik, Windrädern und Hochgeschwindigkeitszügen. Lasst bloss keinen Ingenieur in den Vorstand!
2. Nicht gut
ks82 25.07.2013
Wenn ein Unternehmen weniger als 4,5 Milliarden Euro Gewinn macht, hat der Vorstand selbstverständlich versagt und muss gehen. Man muss sich fragen, ob bereits staatliche Hilfsgelder in Erwägung gezogen werden müssen. Es könnte auch helfen kurzfristig ein paar Mitarbeiter zu entlassen, damit könnte man das Steuer evtl. gerade noch mal rumreißen. Den Briefkasten hat man ja meines Wissens bereits in eine sonnigere Ecke dieser Erde verlegt um der tyrannischen Steuereintreibung in diesem Land zu entgehen - da besteht kein Optimierungspotenzial mehr.
3. Dauerverfehler Kaeser als Top-Nachfolgekandidat?
raber 25.07.2013
Wenn in den letzten Jahren die finanzielle Seite Siemens es nicht geschafft hat die Prognosen zu erreichen, dann hat der Finanzvorstand entweder immer daneben gelegen oder kein Durchsetzungsvermögen zur Korrektur gehabt; also versagt. Da kann er bei Analystenveranstaltungen noch mit Detailwissen glänzen, aber Siemens braucht ein ganzjähriges volles und gutes Engagement im Geschäft. Wie ein Herr Joe Kaeser nun der Top-Kandidat sein könnte erscheint mir nicht logisch.
4. Warum bringt der Prognose Patzer nicht Joe Kaeser in Bedrängnis?
wibo2 25.07.2013
Zitat von robin66Ganz bestimmt wird nur ein Kaufmann es schaffen, die Probleme bei Siemens zu lösen. Denn nur Kaufleute verstehen etwas von Labordiagnostik, Windrädern und Hochgeschwindigkeitszügen. Lasst bloss keinen Ingenieur in den Vorstand!
Es geht um Löscher und Kaeser. http://media0.faz.net/polopoly_fs/1.2162548!/image/426909069.jpg_gen/derivatives/width610x580/426909069.jpg Es ist schwierig, nachhaltig Gewinne zu erzielen, weil der Wettbewerb zu stark ist. Restrukturierung, Stellen Streichungen und Trennung von Geschäftsteilen ist angesagt. Weniger Ausgaben für Unternehmensberater und Informationstechnik. Damit die Ertragskraft stärker wird! Wird das funktionieren? Was wird aus dem Siemensaktienkurs? Wird Siemens den Weg der AEG gehen? Das ist jetzt die bange Frage!
5. warum muss
sitiwati 25.07.2013
man Topmanager sein, wenn man, um zu sanieren, Leute rausschmeist und unrentable Zweige , verkauft, das kann ich zur Not auch, solang noch immer die Familie Siemens vorne stand, gings immer noch, heute werden Manager aus aller Welt geholt, die kaum die deutsche Sprache beherrschten-man ging sogar soweit-english als Firmensprache einzuführen!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema Siemens
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 26 Kommentare
dpa
Siemens zählt zu den weltweit größten Industriekonzernen. Das Unternehmen ist in über 190 Ländern aktiv und beschäftigte Ende 2011 rund 360.000 Mitarbeiter, davon 116.000 in Deutschland. Gegründet wurde der Konzern 1847 von Werner von Siemens gemeinsam mit Johann Georg Halske in Berlin.