Ärger mit Stresstest: Ackermann kritisiert Banken-Aufseher

Josef Ackermann schimpft über die europäische Bankenaufsicht: Die Kontrolleure hätten beim Blitz-Stresstest willkürlich die Methodik verändert, sagt der Deutsche-Bank-Chef. Im schlimmsten Fall drohe eine Kreditklemme.

Berlin - Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat den jüngsten "Blitz-Stresstest" der europäischen Bankenaufsichtsbehörde EBA scharf kritisiert. Die EBA habe mitten im Prozess willkürlich die Methodik verändert, sagte Ackermann in Berlin: "Das ist nicht geeignet, Vertrauen herzustellen."

Die EBA hatte in dem Test sechs Banken in Deutschland einen Kapitalbedarf von 13,1 Milliarden Euro bescheinigt. Sie müssen ihre Kapitaldecke vergrößern, um wie von den Regulierern gefordert bis Ende Juni 2012 auf eine Kernkapitalquote von neun Prozent zu kommen. Der Deutschen Bank fehlen danach 3,2 Milliarden Euro.

Ziel des Stresstests soll es sein, die Banken besser gegen mögliche Folgen der Schuldenkrise in Europa zu wappnen. Ackermann kritisierte, die zunehmende Regulierung des Sektors bestimme immer mehr die Geschäftsmodelle der Banken. Zudem kritisierte er die Einbeziehung privater Gläubiger bei der Stabilisierung Griechenlands durch einen Schuldenschnitt. Dies habe zu einer großen Verunsicherung der Investoren geführt. Der enorme Refinanzierungsbedarf von Spanien und Italien dürfte deshalb schwerer zu decken sein.

Im schlimmsten Fall könne es sogar zu einer Kreditklemme kommen, sagte Ackermann. "Das spitzt sich jetzt zu." In den nächsten Monaten müssten etwa 500 Milliarden Euro an Bankschulden refinanziert werden und etwa 700 Milliarden Euro an Staatsrisiken.

"Die Frage ist natürlich, woher das Angebot kommen soll", sagte Ackermann. "Ich glaube einfach nicht, dass die Finanzmärkte und Investoren dazu bereit sind zu diesen Konditionen, wenn die Gefahr besteht, dass es irgendwann zu Haircuts kommt."

Für viele Banken sei der Zugang zu den Refinanzierungsmärkten bereits ausgefallen. Die Staatsanleihe sei keine risikofreie Anlage mehr, und das "wird uns noch über viele Jahre beschäftigen", so Ackermann.

cte/Reuters/dapd

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insgesamt 7 Beiträge
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1. Ackermann und die Kritik
Kalaharry 15.12.2011
Zitat von sysopJosef Ackermann schimpft über die europäische Bankenaufsicht: Die Kontrolleure hätten beim Blitz-Stresstest willkürlich die Methodik verändert, sagt der Deutsche-Bank-Chef. Die zunehmende Regulierung bestimme immer mehr die Geschäftsmodelle der Geldhäuser. Ärger mit Stresstest: Ackermann kritisiert Banken-Aufseher - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,804017,00.html)
Wenn Ackermann die Bankenaufseher kritisiert, dann haben die auf jeden Fall nichts falsch gemacht. Weiter so!
2.
Stäffelesrutscher 15.12.2011
»Die EBA habe mitten im Prozess willkürlich die Methodik verändert, sagte Ackermann in Berlin: "Das ist nicht geeignet, Vertrauen herzustellen."« Aha.Hat noch nie eine Bank willkürlich die Konditionen des Kontos verändert (Gebühren, Dispozinsen usw.)?
3. Fakt
f.a.g. 15.12.2011
Zitat von KalaharryWenn Ackermann die Bankenaufseher kritisiert, dann haben die auf jeden Fall nichts falsch gemacht. Weiter so!
ist dass Hr Ackermann recht hat. Die Banken tragen an der Eurokrise doch die geringste Schuld sondern vielmehr ,die laxe oder schon verbrecherische Haushaltsmoral der einzelnen Eurostaaten im Verbund mit den untätigen Aufsehern in Brüssel .
4. Völlig abwegig
eckawol 15.12.2011
Zitat von Stäffelesrutscher»Die EBA habe mitten im Prozess willkürlich die Methodik verändert, sagte Ackermann in Berlin: "Das ist nicht geeignet, Vertrauen herzustellen."« Aha.Hat noch nie eine Bank willkürlich die Konditionen des Kontos verändert (Gebühren, Dispozinsen usw.)?
Die Banken verändern ihre Konditionen nach Maßgabe der Allgemeinen Geschäftbedingungen, die jedem Kunden bekannt sind. Der Kunde kann stets die Bank wechseln, wenn er mit den Konditionen seiner Bank nicht mehr einverstanden ist Wenn hingegen die EBA die Methodik zur Risikobewertung willkürlich ändert, obgleich die Banken den bisherigen Methoden gefolgt sind, so können diese sich nicht der EBA entledigen und zu einer anderen Aufsichtsinstitution wechseln.
5. Titel
sirraucheinviel 16.12.2011
Zitat von eckawolDie Banken verändern ihre Konditionen nach Maßgabe der Allgemeinen Geschäftbedingungen, die jedem Kunden bekannt sind. Der Kunde kann stets die Bank wechseln, wenn er mit den Konditionen seiner Bank nicht mehr einverstanden ist Wenn hingegen die EBA die Methodik zur Risikobewertung willkürlich ändert, obgleich die Banken den bisherigen Methoden gefolgt sind, so können diese sich nicht der EBA entledigen und zu einer anderen Aufsichtsinstitution wechseln.
Jaja ... der Bürger kann sich stets entscheiden sein Geld einfach nicht mehr auf die Bank zu bringen. So ein Geschwätz. Banken leben davon sich Geld von Staat zu leihen und teurer weiterzuverleihen. Wieso sollte man da Mitleid haben, wenn die durch geänderte Maßgaben bezüglich Ihrer Rücklagenbildung "gestresst" werden ? Ernsthaft, ich sehe da kein Problem drin, die Manager, die Ende des Jahres Ihre Millionenboni haben wollen allerdings ..... so what ?
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