Ärger über Pannenserie: Bahn wechselt Fernverkehrschef aus

Achsenprobleme beim ICE, Probleme im Winter, die Hitzepannen im Sommer - der Ruf der Bahn hat schwer gelitten. Nun wird nach Zeitungs- und Agenturberichten Tabula rasa gemacht: Fernverkehrschef Nikolaus Breuel soll abgelöst werden, zusammen mit zwei weiteren Spitzenmanagern.

Nikolaus Breuel: Pannenserie im Fernverkehr hat Ansehen geschadet Zur Großansicht
dpa

Nikolaus Breuel: Pannenserie im Fernverkehr hat Ansehen geschadet

Berlin - Die Deutsche Bahn (DB) wird sich von Personenfernverkehrschef Nikolaus Breuel trennen, berichten übereinstimmend die Nachrichtenagenturen dapd und dpa und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Auch zwei der drei weiteren Vorstandsmitglieder der DB Fernverkehr müssen demnach gehen. Als Grund sei Unzufriedenheit mit der Arbeit des Vorstands angegeben worden.

Für Freitag sei zu einer außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsrats der DB Fernverkehr eingeladen worden, hieß es weiter. Auf der Tagesordnung stünden diese Personalien. Sie seien unumkehrbar. Als einziges Vorstandsmitglied der Tochtergesellschaft bleibe Wolfgang Heinrichs im Amt.

Ein Bahn-Sprecher sagte auf Anfrage von dpa ausweichend, es gebe noch keinerlei Beschlüsse. Die Fernverkehr AG ist eine Tochter von DB Mobility and Logistics, in der für den gesamten Personenverkehr Vorstandsmitglied Ulrich Homburg zuständig ist. Darüber kommt die eigentliche Deutsche Bahn mit ihrem Vorstandschef Rüdiger Grube.

Die Neubesetzung der Posten sei schon festgelegt, berichtet dapd, ohne Namen zu nennen. Hintergrund der Aktion sei Bahn-Insidern zufolge auch, dass es zwischen Grube und Breuel "erhebliche Dissonanzen" gab. Breuel wurden vor anderthalb Jahren, als Grubes Vorgänger Hartmut Mehdorn wegen einer Bespitzelungs-Affäre in die Kritik geriet, selbst Ambitionen auf den Chefposten nachgesagt. Dem Sohn von Ex-Treuhand-Chefin Birgit Breuel werden laut "FAZ" jedoch auch gute Leistungen attestiert - unter ihm habe der Fernverkehr immerhin wieder Gewinne erzielt.

Inhaltlich habe es seit Wochen heftige Auseinandersetzungen um das Qualitätsprogramm gegeben, mit dem im Winter Ausfälle von Fernverkehrszügen vermieden werden sollen, schreibt dapd. Breuel habe den Standpunkt vertreten, dass ein höheres Qualitätsniveau nur mit einer Einschränkung des Angebots gehalten werden könne. Das wäre aber auf Kosten der Einnahmen gegangen, also letztlich des Ergebnisses. Zurzeit fährt der ICE- und IC-Betrieb wegen häufiger Radsatzuntersuchungen ohne Reserven. Darum würden immer wieder Züge mit kleinen, nicht sicherheitsrelevanten Fehlern auf den Weg geschickt. Grube und Homburg haben angekündigt, Züge ausländischer Bahnen anzumieten, um die Engpässe wenigstens teilweise auszugleichen.

Schon vor einigen Wochen war den Berichten zufolge im Aufsichtsrat inoffiziell davon die Rede, dass Homburg mit Breuel unzufrieden sei. Ihm wurde unter anderem mangelhaftes Handling der Pannenserie bei den ICE-Zügen angelastet.

Die Passagiere im Fernverkehr haben seit rund anderthalb Jahren unter der Knappheit an Zügen durch die Materialfehler an Achsen der ICE-3-Züge zu leiden. Dazu kamen Empfindlichkeiten der Triebfahrzeuge durch Schnee im Winter sowie der spektakuläre Ausfall von Klimaanlagen im Sommer. All das hat dem Image des Fernverkehrs der Bahn schwer geschadet.

luk/dapd

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1. Wenns nützt
quabah 09.11.2010
Also die letztn 2 Wochen mit der Bahn waren eine Zumutung, wärend des Streiks hatte ich zwischen Ruhrgebiet und Bergischem Land weniger Verspätungen. Bei Mehdorn war das Meiste besser!
2. Die Bahn leidet auch darunter...
theorie 09.11.2010
das z.B. die Leitstellen unsinnige Entscheidungen treffen. Da werden IC/EC hinter Nahverkehrszügen im Blockverkehr fahren gelassen, dadurch entstehen Verspätungen, deshalb entfallen Halte(stellen). Fazit: Zug mit 10 min. Verspätung hat dann 25 min. Verspätung, mit erzwungenem Umsteigen (weil Haltestelle entfällt) 50 min. Verspätung am Zielbahnhof. BRAVO DB AG!
3. dabei ...
hnoi 09.11.2010
hat heute auf der Fahrt von Frankfurt/Main nach Schweinfurt und zurück alles perfekt funktioniert, keine Verspätung, direkter Anschluss, freundliche Mitarbeiter, ich war seit langem mal richtig zufrieden mit der Bahn :) Als Berufspendler bin ich anderes gewöhnt ..., ich würde den Nahverkehrschef auswechseln *fg*
4. Techniker
Achim 09.11.2010
Ob man jetzt mal echte Bahner ranlässt? Also Techniker und keine Buchhalter?
5. Eine Deppenelite
plattenputzer 10.11.2010
"Hintergrund der Aktion sei Bahn-Insidern zufolge auch, dass es zwischen Grube und Breuel "erhebliche Dissonanzen" gab." darf ich im Artikel lesen. Inzwischen gibt es erhebliche Dissonanzen zwischen Grube und dem Rest der Bevölkerung. Infrastrukturen zu zerstören, gehört für den Grube zum Arbeitsauftrag. Es mag schon sein, dass Basisdemokratie Fehler und Risiken beinhaltet. Das "Grubenunglück" ist ein Beispiel dafür, dass unser jetziges System größere Fehler, Risiken und Ars..... hervorbringt.
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Klimaanlagen-Pannen: Deutsche Bahn unter Druck

Deutsche Bahn
Der Konzern
dpa
Mit einem Umsatz von 39,3 Milliarden Euro und weltweit 285.000 Mitarbeitern ist die Deutsche Bahn einer der größten Konzerne des Landes. 2012 machte die Bahn einen Gewinn von 1,5 Milliarden Euro. Jedes Jahr transportiert die Bahn weltweit fast zwei Milliarden Reisende im Fern- und Nahverkehr.
Die Geschäftsfelder
Die Deutsche Bahn bietet neben dem Personenverkehr auch andere Transport- und Logistikdienstleistungen (DB Schenker) an. Gut ein Drittel des Umsatzes erzielt das Unternehmen mit dem Fern- und Nahverkehr und dem Betrieb von Bussen im Stadtverkehr. Der Bereich DB Schenker, in dem unter anderem der Schiengüterverkehr gebündelt ist, trägt rund die Hälfte zum Gesamtumsatz bei.
Der Chef
REUTERS
Rüdiger Grube ist seit Mai 2009 Chef der Deutschen Bahn. Der Top-Manager hat sich von der Hauptschule über eine Berufsausbildung und ein Studium bis an die Spitze des Logistikkonzerns hochgearbeitet. Vor seinem Wechsel zum Staatsunternehmen war er im Vorstand des Autobauers Daimler für die Konzernentwicklung zuständig. Davor arbeitete Grube mehrere Jahre bei der Daimler-Benz Aerospace (DASA), die später im Luft- und Raumfahrtkonzern EADS aufging.