Urteil gegen russische Fluglinie Aeroflot muss Schlankheitsklausel streichen

Maximum Kleidergröße 48: Die Fluglinie Aeroflot steht in der Kritik, weil sie extrem auf das Aufsehen von Stewardessen achtet. Nun hat ein russisches Gericht ein Ende dieser Praxis angeordnet.

Aeroflot-Stewardessen
AP

Aeroflot-Stewardessen


Die russische Fluglinie Aeroflot hat einen Prozess wegen Diskriminierungsvorwürfen einer Stewardess verloren. Künftig darf die staatliche Airline ihren Flugbegleiterinnen nicht mehr vorschreiben, ausschließlich die Uniformgrößen 42 bis 48 zu tragen (entspricht den europäischen Größen 34 bis 42).

Das entschied ein Moskauer Gericht am Mittwoch und hob damit einen früheren Richterspruch vom April auf. Eine Flugbegleiterin hatte Aeroflot vorgeworfen, mit einer sogenannten Schlankheitsklausel zu dicke und zu große Frauen von bestimmten Flügen auszuschließen.

Die Klägerin hat Medienberichten zufolge selbst Kleidergröße 52. Das Gericht sprach ihr eine Zahlung von rund 300 Euro zu. Ein Aeroflot-Sprecher sagte der Nachrichtenagentur Tass zufolge, die Entscheidung werde geprüft, bevor die internen Regelungen geändert würden.

Aeroflot hatte zuvor auf einer Pressekonferenz bestätigt, Stewardessen nach dem Aussehen zu diskriminieren. "Aeroflot ist eine Premium-Airline, und unsere Fluggäste zahlen auch für gutes Aussehen unserer Mitarbeiter", sagte Aeroflot-Vertreter Pawel Danilin im April. Er berief sich darauf, dass angeblich "92 Prozent unserer Passagiere Stewardessen in gut sitzender Kleidung sehen wollen".

Ein weiterer Aeroflot-Vertreter, Nikita Kritschewski, wurde vom britischen "Guardian" mit den Worten zitiert, die Mitarbeiterinnen sollten sich freuen, dass das Unternehmen um die Gesundheit der Angestellten besorgt ist. Das niedrigere Einkommen sei ein Anreiz, Gewicht zu verlieren.

Laut "Guardian" sind etwa 600 Mitarbeiterinnen von der Praxis betroffen. Die 41 Jahre alte Jewgenia Magurina etwa gab an, ältere und nicht dem Idealmaß entsprechende Flugbegleiterinnen würden abgestraft. "Wir werden nur noch auf Inlandsflügen eingesetzt, und die werden schlechter bezahlt", sagte Magurina.

Auf den besser bezahlten Auslandsflügen würden nur noch junge Frauen eingesetzt. Seit Sommer 2016 soll Aeroflot seine Mitarbeiterinnen fotografieren, vermessen und teilweise sogar wiegen, so Magurina.

beb/dpa



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