Spekulation mit Nahrungsmitteln: Aigner lobt Entscheidung der DZ Bank

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Gerstenfeld: "Wer keinen Unterschied macht, handelt verantwortungslos"

Die DZ Bank steigt aus der Spekulation mit Nahrungsmitteln aus, und Bundesagrarministerin Ilse Aigner begrüßt die Entscheidung. Zugleich erhöht die CSU-Politikerin den Druck auf die anderen Banken. Wer hemmungslos auf Rohstoffpreise wette, handele verantwortungslos.

Hamburg - Agrarministerin Ilse Aigner hat die Entscheidung der DZ Bank gelobt, aus der Nahrungsmittelspekulation auszusteigen. "Die Entscheidung ist zu begrüßen und setzt ein klares Signal", teilte ein Sprecher des Ministeriums mit. Es müsse ein klarer Trennstrich gezogen werden "zwischen verantwortungsvollen Investitionen, die hilfreich sind im Kampf gegen den Hunger, und Transaktionen, die Preisschwankungen verstärken können". Letztere hätten auf den Agrarrohstoffmärkten nichts zu suchen. "Wer als großes Geldinstitut angesichts von fast 900 Millionen hungernden Menschen auf der Welt hier keinen Unterschied macht, handelt verantwortungslos."

Die Kritik dürfte sich an die Deutsche Bank richten. Aigner hatte bereits im Januar die Entscheidung des größten deutschen Geldhauses, an dem Geschäft festzuhalten, scharf kritisiert. Die DZ Bank als Dachorganisation von mehr als 900 Volks- und Raiffeisenbanken zieht sich komplett aus der Spekulation mit Agrarrohstoffen zurück.

Aigners Sprecher ergänzte, es habe in den vergangenen Jahren alarmierende Achterbahnfahrten auf den Agrarmärkten gegeben. Dadurch seien Grundnahrungsmittel in Entwicklungsländern zeitweise unbezahlbar geworden. Dafür gebe es mehrere Gründe, wie etwa das enorme Bevölkerungswachstum, der fortschreitende Klimawandel, schwere Unwetter oder fehlende Investitionen in die Landwirtschaft. Hinzu komme aber ein Mangel an Transparenz sowohl bei der Verfügbarkeit von Agrarrohstoffen als auch beim Handel damit auf den Finanzmärkten.

Dies könne Spekulationen mit Nahrungsmitteln anheizen und Preisschwankungen verursachen. "Deswegen haben wir uns auf Ebene der G-20 erfolgreich für mehr Transparenz auf den Rohstoffmärkten eingesetzt." Unter dem Dach der Uno-Welternährungsorganisation FAO werde ein Agrarmarkt-Informationssystem (AMIS) aufgebaut, das einen weltweiten Überblick über Angebot, Nachfrage und Lagerhaltung an den wichtigsten Agrarmärkten liefern wird. "Weitere Schritte wie eine verschärfte Regulierung der Finanzmärkte, etwa über verbindliche Positionslimits als Obergrenzen für Finanzinvestoren, müssen jetzt folgen."

Der Bankenverband teilte mit, es sei die Entscheidung jedes einzelnen Instituts, "ob und in welchem Umfang es Geschäfte in diesem Bereich macht". Das Thema werde sehr emotional diskutiert. Bisher käme aber alle wesentlichen Untersuchungen zu dem Ergebnis, "dass das Vorhandensein und der verstärkte Einsatz von Absicherungsinstrumenten nur marginalen Einfluss auf die Rohstoffpreise habe".

cte

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insgesamt 15 Beiträge
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1. ...
vhe 27.05.2013
Zitat von sysopDPA/ClaasDie DZ Bank steigt aus der Spekulation mit Nahrungsmitteln aus, und Bundesagrarministerin Ilse Aigner begrüßt die Entscheidung. Zugleich erhöht die CDU-Politikerin den Druck auf die anderen Banken. Wer hemmungslos auf Rohstoffpreise wette, handle verantwortungslos. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/agrarspekulation-aigner-lobt-entscheidung-der-dz-bank-a-902110.html
Hm. Hab mir grad grad den Halbjahresbericht von einem dieser Fonds (UniCommodities) angeguckt, aber Swap-Derivate haben mit den drunterliegenden Rohstoffpreisen nun wirklich nix zu tun. Sieht für mich nach 'ner reinen Marketing-Aktion aus.
2. Hört - Hört, Quoten-Ministerin hat sich......
rambo-1950 27.05.2013
für mehr Transparenz eingesetzt! Aigner-Ministerium eignet sich hervorragend als Archiv! Wann immer Änderungen etc längst überfällig, dringendst notwendig sind tritt Aigner vor die Kameras, um Ihre "frommen" altgedienten Floskeln zu verkünden. In all den Jahren ihrerer Amtszeiten hat sie nichts bewegt, Ausnahme der Kombi-Stuhl auf dem sie schläft und auch mal sitzt..........
3.
Pless1 27.05.2013
Zitat von sysopDPA/ClaasDie DZ Bank steigt aus der Spekulation mit Nahrungsmitteln aus, und Bundesagrarministerin Ilse Aigner begrüßt die Entscheidung. Zugleich erhöht die CDU-Politikerin den Druck auf die anderen Banken. Wer hemmungslos auf Rohstoffpreise wette, handle verantwortungslos. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/agrarspekulation-aigner-lobt-entscheidung-der-dz-bank-a-902110.html
Bevor man pauschal auf "die bösen Spekulanten" eindrischt sollte man bedenken, dass die Marktteilnehmer - also z.B Getreidebauern oder Weiterverarbeiter - Kurssicherungsinstrumente benötigen, um überhaupt in die Produktion investieren zu können. DA bedarf es jeweils eines Vertragskontrahenten. Von daher sehe ich die aktuelle Entwicklung durchaus kritisch, zumal gerade die Volksbanken bei den Bauern die Hausbank Nr. 1 sind.
4. Seehofers Wind-Fähnchen-Propeller Nachfolge lobt indirekt Foodwatch und Dr. Bode
Roßtäuscher 27.05.2013
Mit dem sie ständig im Clinch steht. Ist das eine Lachnummer. Diese Frau soll aus der Bundespolitik genommen werden, wo sie seit dem 04.11.2008 als Verbraucherministerin in Seehofers Vorgängerspuren eine glatte Nullnummer hinterlässt. Sie soll das neue Zugpferd in Bayerns am Boden liegender CSU werden und die sinkenden Umfragewerte aufpeppen??? Findet man über so viel Einfältigkeit überhaupt noch einen einzigen Ton??? Die DZ-Bank für ihren Nahrungsmittel-Spekulations-Austritt loben, dafür hätte sie sich einsetzen müssen *und nicht die schmutzige Spekulation über die Jahre dulden, indem sie schwieg.* Für was bezieht die Bad Aiblingerin eigentlich ihre Abgeordneten-Gelder? Agrarspekulation: Aigner lobt Entscheidung der DZ Bank - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/agrarspekulation-aigner-lobt-entscheidung-der-dz-bank-a-902110.html)
5. 3
jacksparrow12345 27.05.2013
Zitat von vheHm. Hab mir grad grad den Halbjahresbericht von einem dieser Fonds (UniCommodities) angeguckt, aber Swap-Derivate haben mit den drunterliegenden Rohstoffpreisen nun wirklich nix zu tun. Sieht für mich nach 'ner reinen Marketing-Aktion aus.
Bei den Metallen sagt man recht offen das verschiedene Kursausschläge durch große Fonds verstärkt werden u im Gegensatz zu früher der Markt unberechenbarer geworden ist und nurnoch wenig mit Angebot u Nachfrage zutun hat warum sollte das bei Nahrungsmitteln anders sein?
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