Agrarspekulation: Deutsche Bank lässt Rohstoffgeschäft durchleuchten

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Gibt die Deutsche Bank ihr Geschäft mit Agrarrohstoffen auf? Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen hat Josef Ackermann eine Arbeitsgruppe beauftragt, die Folgen der Spekulation für die Armen der Welt zu prüfen. Im Januar will der Konzernchef dann Konsequenzen ziehen.

Josef Ackermann: "Kein Geschäft ist es wert, den guten Ruf der Bank aufs Spiel zu setzen" Zur Großansicht
dapd

Josef Ackermann: "Kein Geschäft ist es wert, den guten Ruf der Bank aufs Spiel zu setzen"

Hamburg - Für die Bundesbürger ist die Sache klar: 84 Prozent der Deutschen finden es laut einer Studie nicht akzeptabel, dass Banken mit Agrarrohstoffen wie Weizen oder Mais spekulieren. Zwei Drittel der Befragten fordern gar, dass die Deutsche Bank und andere Kreditinstitute aus diesem Geschäft aussteigen, weil es die Probleme der Ärmsten der Welt verschärft. Das ist das Ergebnis einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Verbraucherorganisation Foodwatch.

Die Studie basiert auf einem Bericht, den Foodwatch Mitte Oktober präsentierte. Darin zeigt der Autor Harald Schumann, dass die Wetten an den globalen Rohstoffbörsen die Preise in die Höhe treiben - und die Banken deshalb eine Mitschuld am weltweiten Hungerproblem tragen. Die Kampagne der Verbraucherschützer richtet sich konkret gegen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, auch wenn Großbanken wie Goldman Sachs oder Morgan Stanley ähnlich agieren. Auch andere deutsche Banken wie die Commerzbank sind im Rohstoffgeschäft aktiv.

Ursprünglich waren Rohstoffwetten dafür gedacht, Händler gegen Preisschwankungen abzusichern. Doch mittlerweile sind sich die meisten Experten einig, dass die Zocker sich von Angebot und Nachfrage entkoppelt haben - und auf Kosten der Ärmsten Profite machen.

Anders als die US-Konkurrenten reagierte Ackermann auf die Kritik: Er versprach, die Vorwürfe zu prüfen und sagte, kein Geschäft sei es "wert, den guten Ruf der Deutschen Bank aufs Spiel zu setzen".

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE prüft eine Internationale Arbeitsgruppe derzeit die Vorwürfe aus dem Foodwatch-Report. Bis Ende des Jahres soll die Prüfung abgeschlossen sein, dann werden die Ergebnisse dem Vorstand der Deutschen Bank präsentiert - samt Empfehlung, wie damit umgegangen werden soll. Ende Januar will die Spitze der Bank dann mitteilen, welche Konsequenzen sie zieht. Am Ende könnte eine Reduktion des Rohstoffgeschäfts stehen, oder sogar die komplette Abkehr.

Ackermann bastelt an seinem Image

Foodwatch-Chef Thilo Bode begrüßte die Nachricht, bekräftigte aber zugleich seine Kritik an der Finanzbranche: "Das Wetten auf steigende Preise von Lebensmitteln zeigt besonders drastisch, wie rücksichtslos Banken heute das Allgemeinwohl schädigen."

Ackermann stehe als oberster Bankenlobbyist nun besonders in der Pflicht. "Die Deutsche Bank muss alle Anlagen aus ihrem Portfolio streichen, bei denen Geld für Wetten auf Nahrungsmittelpreise eingesetzt wird", sagte Bode. "Egal, ob es Herrn Ackermann um hungerleidende Menschen oder um den Ruf der Deutschen Bank geht."

Die Einsicht von Ackermann kommt auf den ersten Blick überraschend, klar ist aber, dass der Konzernchef wenige Monate vor seinem Abgang aus dem Amt ein perfektes Bild abgeben möchte. Am Montag gab die Deutsche Bank bekannt, dass der Vorstandschef anders als geplant nicht in den Aufsichtsrat wechseln wird. Mit einer Abkehr von der umstrittenen Agrarspekulation könnte er sein Image aufbessern. Und um mögliche Einbußen braucht er sich kaum zu scheren - damit hätte schließlich sein Nachfolger zu tun.

Jeder Zweite würde Rohstoffanlagen kündigen

Foodwatch bemüht sich, den Druck auf den Manager hoch zu halten. Bisher haben bereits mehr als 30.000 Internetnutzer an der Kampagne der Organisation teilgenommen. Am Dienstag veröffentlichte Bode die Umfrage, für die das Institut Forsa am 7. und 8. November 1001 Menschen befragt hat. Gerade mal elf Prozent halten es demnach für legitim, dass die Deutsche Bank Anlagen anbietet, bei denen auf Preise für Nahrungsmittel gewettet wird.

Viele Bankkunden würden auch persönliche Konsequenzen ziehen, wenn sie erfahren, dass sich ihre Bank an solchen Geschäften beteiligt: Jeder Zweite würde der Umfrage zufolge alle Anlagen kündigen, bei denen Geld in die Rohstoffspekulation fließt. 43 Prozent würden Bekannten von einer solchen Bank abraten, 49 Prozent gaben an, darüber nachzudenken, ihr Konto zu kündigen und zu einem anderen Institut zu wechseln.

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insgesamt 27 Beiträge
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1. Recht gehabt!
mannilli 15.11.2011
Das hatte hier Sahra Wagenknecht doch schon angemahnt: http://www.youtube.com/watch?v=HIgzn-DPGaE Einfach mal anschauen ;-)
2. Die brauchen gar nicht mehr spekulieren
dasistdiezukunft 15.11.2011
Zucker wurde im Einzelhanel Anfang Oktober um 30 % teurer, vorletzte Woche Mehl um 80 %. Den Banken das Spekulieren auf Nahrungsmittel zu verbieten ist eh ein Witz. - Die trachten nämlich danach das Ackerland zu besitzen, das man zum Anbau braucht. - Wer das hat, hat die eingentliche Macht.
3. ...
Hubatz 15.11.2011
Was gibs denn da zu prüfen? Natürlich lassen Spekulationen auf Agrarrohstoffe die Preise steigen. Grade in armen Ländern. Aber ich wette, Ackermanns Aufklärungsteam kommt auf ein anderes Ergebnis und dann kann Ackermann sagen: "Es geht uns nicht am Arsch vorbei, wir haben es ja untersucht und sind zu dem Schluss gekommen..."
4. Ich wußte es...
fatherted98 15.11.2011
...der Herr Ackermann ist ein ganz netter. Letztens im Ersten als er sein Interview gab, war er schon so sympathisch und jetzt will er auch noch die Spekulation überdenken...toll der Mann. Die Deutsche Bank ist schon ein Bankhaus mit Gewissen und man kann sich darauf verlassen das die Führungsspitze auch ethische Regeln ganz klar in Ihren Entscheidungsprozess mit aufnimmt. Wußte doch schon immer dass das alles nur Rufmord war mit den ganzen Spekulationsgeschäften...
5. Üble Nachrede
Spekulant 15.11.2011
Zitat von sysopGibt die Deutsche Bank*ihr Geschäft mit Agrarrohstoffen auf? Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen hat Josef Ackermann eine Arbeitsgruppe beauftragt,*die Folgen der Spekulation*für die Armen der Welt zu prüfen. Im Januar will der Konzernchef dann Konsequenzen ziehen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,797680,00.html
Wenn man etwas in die DB hineinschaut, erhält man den Eindruck, dass die sowieso das Deutschlandgeschäft völlig zurückgefahren haben und nur noch Sparkonten, Riester und ähnlichen Quark in den Vordergrund stellen. Das ganze Investmentbanking geht nach London, Asien und die USA. Dem wird man als Investor natürlich folgen, und die hiesigen Banken mit Geschäftsentzug bedienen. Andere freuen sich auf die Volumina. Ich bin aber empört darüber, wie mit unbewiesenen Behauptungen hier Stimmung gemacht werden kann. Alle Studien, weder die DIE LINKE Studie der UNCTAD (schlecht gemacht) noch die des Bremer Profs Brass u.a. sind geeignet, einen Zusammenhang nachzweisen. Da die Absicht der Spekulation in jedem Augenblick aus einer realwirtschaftlichen Position erwachsen kann (z.B. man erhält die Lieferung von Dritter Seite hat aber einen Lieferkaufkontrakt offen) und umgekehrt, und aus der Tatsache, dass kein großer Nahrungsmittelzwischenhändler ungehedged ist, aber einfach die Preisvorteile nicht weiter gibt, ergibt sich schon die unlautere Vorgehensweise der Kritiker. Selbst die US Behörden können nur vermuten. Umso mehr sind die Anwürfe wie "Hungermacher" etc. kriminell, denn sie verstoßen gegen unser StGb in dem üble Nachrede strafwürdig ist. Sind die Preise hoch - Spekulanten sind schuld - sind die Preise niedrig, Spekulanten sind schuld. Auf jeden Fall werden wir unsere Spendentätigkeit an die Propagandaorganisationen einstellen und da man doch als Anlagegesellschaft substantielle Vermögenswerte bewegt, hoffe ich, dass es richtig schmerzt.
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