Rettung vor Gericht AIG-Aktionäre fordern Geld von US-Regierung zurück

Die wohl spektakulärste Rettungsaktion der Finanzkrise: Im Herbst 2008 stützte die US-Regierung den Versicherungskonzern AIG mit insgesamt 182 Milliarden Dollar. Nun steht sie dafür vor Gericht - Ex-Manager fühlen sich betrogen.

Versicherungskonzern AIG: Die größte Rettungsaktion in der Finanzkrise
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Versicherungskonzern AIG: Die größte Rettungsaktion in der Finanzkrise


New York- Sechs Jahre nach dem Höhepunkt der Finanzkrise hat in New York der Prozess um die Rettung des Versicherungskonzerns American International Group (AIG) begonnen. In den kommenden eineinhalb Monaten geht es unter anderem um die Frage, ob die US-Regierung mit ihrer Aktion gegen das Recht verstieß und Aktionären Schadensersatz zahlen muss.

AIG war im September 2008 ins Wanken geraten und von der Regierung mit einem Kredit über 85 Milliarden Dollar gerettet worden. Insgesamt flossen 182 Milliarden Dollar Staatsgelder in den Finanzkonzern. Im Gegenzug übernahm der Staat rund 80 Prozent an dem Unternehmen. Im Dezember 2012 verkaufte das US-Finanzministerium seine letzten Anteile wieder und machte mit der Rettungsaktion unterm Strich einen Gewinn von rund 23 Milliarden Dollar.

Hinter der Klage steht der frühere AIG-Chef Maurice "Hank" Greenberg, der sich von der Regierung enteignet fühlt. Greenbergs Anwalt David Boies argumentierte zum Prozessauftakt, dass es "keine Rechtfertigung" für die weitgehende staatliche Übernahme gegeben habe. AIG sei der einzige während der Finanzkrise gerettete Konzern, bei dem die Aktionäre den Großteil ihres Kapitals eingebüßt hätten. Das damalige Vorgehen der Regierung habe an "Erpressung" gegrenzt, die für die Rettungsgelder verlangten Zinsen seien viel zu hoch gewesen. "Sie haben versucht, AIG zu dämonisieren und zu suggerieren, dass AIG ein Paradebeispiel für die Probleme der Finanzkrise sei", sagte Boies.

Die Regierung hielt dagegen, dass die Pleite des Versicherers katastrophale Folgen gehabt hätte. "Das Ziel war nicht, AIG zu retten. Das Ziel war, die Welt vor AIG zu retten", hieß es im Eröffnungsplädoyer. Der Konzern sei damals faktisch zahlungsunfähig gewesen und habe selbst um Staatshilfen gebeten. Dafür habe die Regierung dann Unternehmensanteile als "Sicherheit" gehalten.

Auch die Deutsche Bank profitierte von der Rettungsaktion

Zwischenzeitlich hatte auch die aktuelle AIG-Führung überlegt, sich an der Klage zu beteiligen. Nach ersten öffentlichen Empörungen nahm sie davon aber wieder Abstand.

Nun steht Greenberg im Fokus. Der heute 89-Jährige stand bis 2005 an der Spitze des Unternehmens und war 2008 über seine Firma Starr International der größte AIG-Einzelaktionär. Er wirft der Regierung schon länger vor, mit der Rettungsaktion eigentlich Wall-Street-Banken wie Goldman Sachs geholfen zu haben. Denn die Institute hatten bei AIG Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps) im Wert von Hunderten Milliarden Dollar abgeschlossen, von denen viele fällig waren. Bei einer AIG-Pleite wären sie auf Forderungen sitzengeblieben. Auch ausländische Institute profitierten davon, dass der Konzern nicht unterging. So bekam die Deutsche Bank dank der US-Steuerzahler fast zwölf Milliarden Dollar.

Bei der jetzigen Verhandlung stellen sich zwei wichtige Fragen. Zunächst geht es darum, ob sich die Regierung AIG-Aktien im Wert von 35 Milliarden Dollar aneignen durfte, obwohl sie dafür nur 500.000 Dollar zahlte. Denn nach der US-Verfassung ist Privateigentum vor dem Zugriff der öffentlichen Hand geschützt, sofern es keine faire Entschädigung gibt.

Die zweite Frage ist, ob die Regierung ihren Kredit über 85 Milliarden Dollar an die Bedingung knüpfen durfte, Anteilseigner zu werden. Greenbergs Anwälte argumentieren, dass dies nach dem Gesetz über die US-Notenbank verboten sei. Boies sagte, die später ebenfalls gerettete Citigroup habe zum Beispiel niedrigere Zinsen bezahlt und keine Firmenanteile als Sicherheit abgeben müssen, obwohl die Regierung dem Institut später Betrug bei Hypothekengeschäften vorgeworfen habe.

stk/AFP/Reuters



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insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
TS_Alien 30.09.2014
1.
Man sollte solche Manager vor Gericht stellen, weil sie Versicherungen gegen einen Zahlungsausfall verkauft haben, hinter denen keine Sicherheiten gestanden haben. Für diese Leistung ohne Gegenleistung haben sie sich jahrelang sehr gut bezahlen lassen. Das nicht funktionierende Geschäftsmodell von AIG dürfte nichts anderes als Betrug sein.
Emil Peisker 30.09.2014
2. Sprungfehler?
Der Autor konnte sich wohl nicht zwischen Anhöhrungen und Empörungen entscheiden. Verbal kommen solche Sprungfehler häufig vor.
European 30.09.2014
3. Das die US Regierung einen Gewinn gemacht hat ist Zufall
Tatsache ist, das Greenberg in dem Lader diktatorisch gewaltet hat (AIG=All is Greenberg, so ein firmeninternen Witz) und mit zahlosen krummen Geschäften den Laden an die Wand gefahren hat. Greenberg gehört in den Bau und Schlüssel weg.
chagall1985 30.09.2014
4. Das ist wie Alice im Wunderland
Die dreistigkeit dieser Spitzenmanager kennt echt keine Grenzen. Dem Eröffnungsplädoyer der Regierung ist imGrunde nichts hinzu zu fügen. Zitat: Mann wollte nicht AIG retten sonder die Welt vor AIG retten....... Und das war dringend nötig! Dagegen waren Enron Musterknaben.
berndine 30.09.2014
5. Eine Firma,...
Eine Firma, die kurz vor der Pleite ist, ist wenn überhaupt noch den 1 symbolischen euro wert. Einfach hopps gehen lassen den ganzen Laden.
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