AIIB Deutschland soll Spitzenposition in Chinas Entwicklungsbank erhalten

Ein erfahrener Deutscher soll die Geschäfte der neuen asiatischen Entwicklungsbank führen. Damit waren die Bemühungen der Briten um einen Spitzenposten offenbar vergebens.

AIIB-Präsident Jin Liqun:
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AIIB-Präsident Jin Liqun:


Deutschland soll eine Spitzenposition in der neuen Asiatischen Infrastruktur Investitionsbank (AIIB) übernehmen. Der bisherige deutsche Weltbankvertreter Joachim von Amsberg wird voraussichtlich den Posten des geschäftsführenden Vizepräsidenten erhalten, berichtete die Deutsche Presse-Agentur ohne Nennung von Quellen. Am Dienstag wird die Postenverteilung offiziell verkündet.

Deutschland ist nach China, Indien und Russland der viertgrößte Geldgeber und das wichtigste Mitgliedsland außerhalb Asiens. Mit der Führungsposition setzt sich Deutschland gegen Großbritannien durch, das China schon lange umwirbt, aber nun trotzdem nur den Vizepräsidenten für Kommunikation stellen dürfte. Großbritannien hatte als erstes westliches Land - und gegen den anfänglichen Widerstand der USA - eine Beteiligung an der chinesisch geführten Entwicklungsbank angekündigt. Laut "Financial Times" war Peking unzufrieden, dass London nur einen vergleichsweise unerfahrenen Ex-Politiker als AIIB-Vertreter nominiert hatte.

So will der britische Finanzminister George Osborne seinen früheren Stellvertreter Sir Danny Alexander nach Peking schicken und sorgte damit auch in London selbst für Kritik. Der 43-Jährige hatte 2015 seinen Parlamentssitz verloren. Eigentlich gelten 20 Jahre Erfahrung in einer multinationalen Entwicklungsbank oder im internationalen Finanzwesen als Voraussetzung für die Aufgabe. Auch wurde AIIB-Präsident Jin Liqun nicht müde zu betonen, nur hochqualifizierte Führungspersönlichkeiten einstellen zu wollen.

Mehr Einfluss für asiatische Staaten

Die AIIB soll ergänzend zu Weltbank und Asiatischer Entwicklungsbank (ADB) tätig sein und Infrastrukturmaßnahmen in Asien finanzieren. Insgesamt 57 Staaten machen in der neuen Bank mit, die seit Januar ihren Betrieb aufgenommen hat. Die USA und Japan beteiligen sich nicht an der Bank.

Indien, Südkorea und Indonesien sollen auch jeweils einen der insgesamt fünf Vizepräsidenten stellen, womit asiatische Staaten ein größeres Gewicht als in bestehenden Entwicklungsbanken haben, wie die Hongkonger "South China Morning Post" berichtet. Russland und Frankreich werden demnach voraussichtlich keine Spitzenpositionen einnehmen.

China besitzt mit 26,06 Prozent der Stimmrechte praktisch eine Sperrminorität. Für asiatische Mitglieder sind drei Viertel der Stimmrechte reserviert. Indien hält 7,5 Prozent und Russland 5,9. Deutschland verfügt über 4,1 Prozent der Stimmrechte und zahlt 900 Millionen US-Dollar (824 Millionen Euro) ins Gründungskapital.

asc/dpa



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