Frist abgelaufen Mindestens sechs Kaufgebote für Air Berlin

Die Bieterfrist für die insolvente Fluglinie Air Berlin ist abgelaufen - und offenbar haben mehrere Interessenten ihre Angebote eingereicht. Entschieden werden soll nun erst nach der Bundestagswahl.

Air-Berlin-Maschinen am Flughafen Tegel
REUTERS

Air-Berlin-Maschinen am Flughafen Tegel


Im Rennen um die insolvente Air Berlin ist die erste Etappe beendet. Bis zum Fristende am Freitag gingen mindestens sechs Angebote für die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft ein. Bieter für Teile der Airline sind die Lufthansa, Easyjet, Niki Lauda gemeinsam mit Condor sowie der Berliner Logistiker Zeitfracht. Der Unternehmer Utz Claassen bietet für die ganze Fluggesellschaft - ebenso wie Hans-Rudolf Wöhrl, der nach eigenen Angaben bereits Anfang der Woche ein Angebot über 500 Millionen eingereicht hatte.

Air Berlin sprach nur von mehreren Bietern und nannte keine Namen. "Das rege Investoreninteresse spricht für Air Berlin", teilte Vorstandschef Thomas Winkelmann mit.

Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet, nachdem der Großaktionär Etihad weitere Finanzspritzen für die defizitäre Airline ausgeschlossen hatte. Das Unternehmen betont stets, den Verkauf möglichst schnell abschließen zu wollen. Denn der Flugbetrieb wird nur noch durch den Kredit des Bundes aufrechterhalten, der bis zu 150 Millionen Euro umfasst.

Entscheidung auf den 25. September verschoben

"Wir werden nun bei der Prüfung der Angebote darauf achten, die bestmöglichen Lösungen für das Unternehmen und die Mitarbeiter zu erreichen", kündigte Winkelmann an. "Unser Ziel ist und bleibt, so viele Arbeitsplätze wie möglich in einen sicheren Hafen zu führen." Die Gläubiger sollen am 21. September beraten, vier Tage später soll der Aufsichtsrat über die Zukunft der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft sowie ihrer mehr als 8000 Beschäftigten entscheiden.

Die Gewerkschaft Ver.di kritisierte es als verantwortungslos, dass die Entscheidung nun erst am Tag nach der Bundestagswahl fallen soll. Bis vor Kurzem hatte Air Berlin Lösungen im Gläubigerausschuss für den 21. September angekündigt. Ver.di vermutet, dass schlechte Nachrichten vor dem Wahltermin vermieden werden sollen - zum Beispiel, dass ein Kredit des Bundes für die Airline nicht zurückgezahlt werden könne oder dass mögliche Käufer die Beschäftigten nicht übernähmen.

In den vergangenen Wochen waren öffentlich mehr als ein halbes Dutzend Interessenten gehandelt worden. Lufthansa und Niki Lauda bestätigten am Freitag, dass sie zu den Bietern zählen, nannten aber keine Details. Beide interessieren sich für Teile der Fluggesellschaft, darunter die Tochter Niki. Lauda hatte am Donnerstag 100 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Easyjet teilte mit, Teile des Kurzstreckenangebots übernehmen zu wollen.

Der frühere EnBW-Chef Claassen bietet gemeinsam mit weiteren Investoren 100 Millionen Euro für die komplette Air Berlin und will bis zu 600 Millionen Euro in die Airline stecken. Entsprechende Informationen des "Handelsblatts" wurden in Verhandlungskreisen bestätigt.

Zeitfracht hat es auf die Tochter Leisure Cargo abgesehen, die Frachtraum anderer Airlines vermarktet. Zudem will der Berliner Mittelständler Regionalflugzeuge und die Air-Berlin-Technik übernehmen. Damit würden rund 1000 Air-Berlin-Arbeitsplätze gesichert, heißt es in einem Brief an die Zeitfracht-Mitarbeiter vom Freitag.

Der Geschäftsführer der chinesischen Betreibergesellschaft des Flughafens Parchim, Jonathan Pang, bat um Zeit für ein Angebot bis zum 22. September. Ein Air-Berlin-Sprecher sagte dazu jedoch: "Es gelten für alle die gleichen Regeln."

Mehr über die Pläne der Bieter erfahren Sie hier.

insgesamt 7 Beiträge
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Braveheart Jr. 15.09.2017
1. Das bei Air Berlin ...
... hinter den Kulissen kräftig gezerrt wird, ist wohl jedem klar. Daß die Entscheidung erst nach der Bundestagswahl verkündet wird, deutet in der Tat auf schlechte Nachrichten hin - für die Beschäftigten und für den Steuerzahler. Aber was hindert uns, Mutti & Co. einfach mal so einen Denkzettel zu verpassen? Also: DIE LINKE wählen und die CDU unter 30% drücken (die SPD wird es wohl auch so schaffen, die 20% Marke nach unten zu reißen). Damit wird die FDP und die AfD verhindert. Beide haben im Bundestag nichts zu suchen!
bauigel 15.09.2017
2. 50 oder 500 Millionen??
Trauriges Beispiel von Journalismus. Immer wiedr werden aus den versprochenen 50 Mio + weiteren bis zu 450 Millionen - aber nur bei entsprechenden Gewinnen in der Zukunft - einfach 500 Mio gemacht. Da dieses nicht garantiert ist, muss man von 50 Mio sprechen und nicht von 500 Mio. Oder man miss den entsprechenden Zusatz hinzufügen. Von 500 Mio zu sprechen ist faktisch einfach falsch.
i.dietz 15.09.2017
3. Entschieden wird am 25.09. -
also ein Tag nach der Wahl ! Ich muß verdammt höflich bleiben um meinen Ärger wegen der "Feigheit" der verantwortlichen Politiker, Manager, usw. nicht Luft zu machen !
paradoxewelt 16.09.2017
4. Schlechter Witz
Was soll das mit "nach der Bundestagswahl"? War vermutlich eh schon alles zu Gunsten Lufthansa entschieden. Alles Mauschelei. Fing doch damit an, dass die Scheichs von unserer Regierung hebeten wurden, bis zur Bundestagswahl weiter zu zahlen.... und dann kam dieser tolle Kredit von der Regierung... Traurig!
mat76 16.09.2017
5.
Mit der Bekanntgabe am 25. ist klar, dass das ganz übel wird für die Beschäftigten. Verwaltung war klar, dass diese leer ausgehen, aber nun scheinbar auch die Techniker. Ein großteil der Piloten werden vermutlich ebenfalls über die Klinge springen dürfen und vom Kabinenpersonal bekommen nur die einen Sklavenvertrag, die in München oder Düsseldorf sitzen. Widerlich, was da hinter den Kulissen passiert und ich kann Poster #1 nur zustimmen. FDP und AfD MÜSSEN verhindert werden, CDU wäre gut, wenn sie endlich auf den Boden der Realität aufkommen würden, die SPD schafft das ganz alleine. Man kann nur Grün und Links wählen
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