Etihad-Chef James Hogan Der Gierige vom Golf

Etihad-Chef James Hogan ist auf rasantem Expansionskurs. Als Nächstes dürfte die Golf-Airline ihren Einfluss bei der Air Berlin ausweiten. Ein Anzeichen dafür: Die für diesen Donnerstag geplante Bilanzvorlage der deutschen Fluggesellschaft wurde bereits zum zweiten Mal verschoben.

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Viel Lob für die Wahlheimat: Etihad Chef James Hogan in Abu Dhabi
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Viel Lob für die Wahlheimat: Etihad Chef James Hogan in Abu Dhabi


Hamburg - Die Krawatte war verrutscht, der Geduldsfaden eher kurz: Als Etihad-Chef James Hogan im Herbst 2013 die neue Europa-Zentrale seiner Fluglinie am Potsdamer Platz eröffnete, fiel er den Journalisten oft schon während der Frage ins Wort. Auf wiederholtes Nachhaken wegen seiner deutschen Beteiligung erklärte Hogan schließlich: "Wir fühlen uns Air Berlin verpflichtet - daraus können Sie schlussfolgern, was sie wollen."

Am Donnerstag sollte es mit den Spekulationen vorbei sein. Dann wollte Air Berlin seine Jahresbilanz präsentieren, deren Vorstellung nun aber bereits zum zweiten Mal in letzter Minute verschoben wurde. Als Grund nannte das Unternehmen andauernde Gespräche zur Stärkung des Eigenkapitals.

Das facht Spekulationen an, wonach Etihad seinen Anteil an der zweitgrößten deutschen Airline von bislang fast 30 Prozent auf knapp 50 Prozent erhöhen will. Mittelfristig könnte Air Berlin dann von der Börse genommen und mit Alitalia verschmolzen werden, wo Etihad derzeit ebenfalls über einen Einstieg verhandelt.

Das Manöver würde zum bulligen Hogan passen, dessen Namensverwandschaft mit der Wrestling-Legende Hulk Hogan nicht ganz unpassend ist. Obwohl Etihad erst zehn Jahre alt ist, kaufte sich die Fluglinie neben Air Berlin in den vergangenen Jahren auch bei Air Serbia, der indischen Jet Airways, Air Seychelles und der Schweizer Regionalfluglinie Darwin Airlines ein. "Er hat gezielt das rasante Wachstum der nationalen Fluggesellschaft der Vereinten Arabischen Emirate vorangetrieben", lobt ein Firmenporträt Hogan.

Rasantes Wachstum ist freilich das Letzte, was man mit defizitären Fluglinien wie Air Berlin oder Alitalia verbindet. Die Berliner überstanden die letzten Jahre nur dank wiederholter Finanzspritzen von Etihad. Und so muss sich Hogan die Frage gefallen lassen, was am Ende seiner Einkaufstour stehen soll. Um es im Wrestling-Jargon zu sagen: Was ist der Finishing Move?

Flugziele, die keine westliche Airline ansteuert

Bisher war die Strategie der Golf-Airlines klar: Sie versuchten möglichst viele Passagiere zu ihren Drehkreuzen am Golf zu schleusen, um sie von dort aus in Richtung Asien und Afrika weiterzubefördern. Dabei kam ihnen zugute, dass sich die Verkehrsströme zunehmend in Schwellenländer verschieben, die westliche Fluglinien bislang ignorierten. "Wir fliegen an Orte, wo man niemals einen europäischen oder amerikanischen Anbieter sehen wird", wirbt Hogan.

Zukäufe in Europa sind in diesem Modell vor allem sinnvoll, wenn dadurch zusätzliche Passagiere an den Golf geholt werden. Weil der Zugang für ausländische Airlines streng reglementiert ist, kann Etihad derzeit nur vier deutsche Flughäfen direkt anfliegen. Deshalb könnten Fluglinien wie Air Berlin künftig zum Etihad-Zubringer für weitere Städte umgebaut werden.

Doch Hogans Pläne gehen weiter. Die zu einem Drittel übernommene Schweizer Darwin Airlines heißt künftig Etihad Regional und steht laut Hogan zufolge für eine "Neuausrichtung unserer Strategie". Künftig wollen die Araber verstärkt auch im innereuropäischen Flugverkehr mitmischen.

Die Aktion rief jedoch bereits die Schweizer Behörden auf den Plan. Sie prüfen derzeit, ob Etihad bei der kleinen Fluggesellschaft de facto die Kontrolle übernommen hat. Das wäre ihr als nicht-europäische Gesellschaft untersagt, auch von Air Berlin darf Etihad maximal knapp die Hälfte der Anteile übernehmen.

Luftfahrtexperten sehen den Vorstoß in Europas Regionalmarkt noch aus anderen Gründen skeptisch. "Mir erschließt sich der Sinn für das europäische Geschäft nicht", sagt Michael Santo von der Unternehmensberatung h&z. Schließlich ist das Wachstum in Europa im Gegensatz zu anderen Destinationen der Golf-Airlines äußerst bescheiden. Deshalb ist es nach Ansicht von Santo "deutlich konsequenter", wie Emirates ganz auf das Füttern der Drehkreuze am Golf zu setzen.

Emirates führt mit großem Abstand

Hogan steht unter Wachstumsdruck. Bislang ist Etihad nur die Nummer drei am Golf hinter Emirates und Qatar. Schwarze Zahlen schrieb das Unternehmen erstmals 2011. Seitdem vervielfachte sich zwar der Nettogewinn. Mit zuletzt 62 Millionen Dollar lag er aber noch weit hinter den 845 Millionen Dollar, die Emirates im Geschäftsjahr 2012/13 verdiente.

Hinzu kommt, dass Hogan in seiner bisherigen Karriere keine durchschlagenden Erfolge präsentieren konnte. Nach Stationen beim Autovermieter Hertz und der inzwischen aufgelösten Fluglinie British Midlands International hatte der Australier seinen bislang einzigen Chefposten bei der Fluglinie Gulf Air. Die musste mittlerweile vom Besitzer Bahrain durch eine Finanzspritze gerettet werden.

Bislang aber scheint Hogan mit seinem Wachstumskurs die Herrscherfamilie in Abu Dhabi zu überzeugen. Den Vorwurf, dass die Araber ihre Airline unfair subventionieren, weist Hogan ebenso routiniert zurück wie er die Vorzüge seiner Wahlheimat preist. Abu Dhabi sei "der einzige Ort, an dem ich jemals gearbeitet habe, wo das Land wie ein Unternehmen funktioniert". Dass ihm dabei auch die kaum vorhandenen Arbeitnehmerrechte entgegenkommen, verhehlt der Australier nicht. Bei British Midlands, klagt Hogan, habe er allein die Hälfte seiner Zeit in Verhandlungen mit Gewerkschaften verbracht.

Was aber will Hogan wirklich in Europa - nur Passagiere abgreifen oder doch den Regionalmarkt aufmischen? So unklar das vor einigen Monaten am Potsdamer Platz blieb, so deutlich machte Hogan, dass sich seine emotionale Verbindung zum alten Kontinent in Grenzen hält. Junge Araber müsste für ihre Bildung heute nicht mehr nach Europa ziehen, sagte er. Schließlich hätten die Sorbonne, das Guggenheim-Museum und der Louvre längst Filialen in Abu Dhabi eröffnet.

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Onkel.d. 27.03.2014
1. Qatar, Etihad, Emirates
Tolle Airlines und Spielzeuge ihrer Eigentümer welche mit ihrem unfassbaren persönlichen Reichtum die Welt der Luftfahrt aufmischen. 10 Jahre lang wurden Multimilliarden investiert, bis Fluggesellschaften in die Knie gegangen sind, die von dem Leben müssen, was sie verdienen. Nun kauft man sie und nennt das "strategische Beteiligungen". Momentan kommt das den Flugreisenden zugute, denn die Preise sind niedrig und die Sitzabstände groß. Aber das bleibt nicht so, denn wenn die Konkurrenz niedergerungen ist, wird man erklären, dass nun die Zeit gekommen ist die Milliarden wieder in die (Porto-)Kasse zu schaufeln, die man in den vorangegangenen Jahrzehnten dort entnommen hatte. Raubtierkapitalismus auf internationalem Niveau.
RadfahrerHH 27.03.2014
2. Insolvenz vor der Tür?
Air Berlin ist hoch verschuldet und die erneute Verschiebung wird u.a. mit den Gesprächen mit "Finanzierungspartnern" begründet. Genau das lasen wir bei den anderen Mittelstandspleitebuden auch. Siehe Rena, HKW, Solarworld, ATU, Windreich. Da kommt Sitzverlegung nach London und eine "prepackaged bankruptcy".
helle_birne 27.03.2014
3. Wer mit Etihad und Air Berlin fliegt,
muß also wissen, daß er einen skrupellosen Turbokapitalisten und eine autokratische Herrscherfamilie unterstützt. Wohl bekommt's!
kuschl 27.03.2014
4. Managementsöldner
Managementsöldner nennt man solche Typen, die im eigenen Land verbrannt sind, weil sie ständig Stress mit dem Personal haben. Während sie selbst Millionenverträge fordern, sollen alle anderen umsonst arbeiten. Da kommt die gewerkschaftslose Ecke am Golf gerade recht. Aber auch ein ehemaliges Vorstandsmitglied der Lufthansa hat sich dorthin verkauft. Man prostituiert sich ja gerade auf dieser Ebene, auch wenn man immer von Firmenethik herumschwurbelt.
privado 27.03.2014
5. Verstehe das Gejammer...
...nicht. Wir in Deutschland befördern und begrüßen doch seit geraumer Zeit den reinen Kapitalismus und warum wird hier ein Vertreter desselben diffamiert? Air Berlin würde ohne Etihad heute vielleicht gar nicht mehr existieren. Also erstmal abwarten, was Hogan daraus macht. Lieber ein größerer Einfluß von Etihad, als ein Konkurs.
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