Air-Berlin-Zerschlagung Lufthansa-Billigtochter schreibt bereits Stellen für neue Crews aus

Eurowings bereitet die Übernahme von Air-Berlin-Maschinen und ihren Crews vor - zu deutlich schlechteren Konditionen. Nach SPIEGEL-Informationen wirbt die Führung der Lufthansa-Tochter bei Mitarbeitern für die geplante Expansion.

Eurowings-Flugzeug am Flughafen München
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Eurowings-Flugzeug am Flughafen München


Die Führung der Lufthansa-Billigtochter Eurowings stellt schon jetzt die Weichen für eine Übernahme von mehreren Dutzend Jets des insolventen Wettbewerbers Air Berlin - obwohl sie offiziell noch gar nicht den Zuschlag bekommen hat. Das geht nach SPIEGEL-Informationen aus einer internen Mitarbeiterinfo von Matthias Spohr hervor, dem jüngeren Bruder von Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Er leitet den Flugbetrieb von Eurowings.

In dem Schreiben wirbt der Manager um Verständnis, dass die Firma bereits Stellenausschreibungen für zusätzliche Crews veröffentlicht hat, auf die sich von Arbeitslosigkeit bedrohte Air-Berlin-Kollegen bewerben können - in der Regel allerdings zu deutlich schlechteren Konditionen. In einer ersten Phase sollen nach SPIEGEL-Informationen zunächst 200 Piloten und 400 Flugbegleiter eingestellt werden.

Der Stammbelegschaft, versichert Spohr, drohten durch die geplante Aufstockung "keine negativen Auswirkungen", stattdessen würden sich die Aufstiegschancen für alle verbessern. Zudem sei die Eröffnung von "neuen deutschen Standorten" möglich, wie zum Beispiel "die Wiedereröffnung unserer Station München". Voraussetzung sei allerdings, dass die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) Entgegenkommen zeige.

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Die Gewerkschaft hält bei dem geplanten Ausbau von Eurowings mit Jets und Angestellten von Air Berlin in Deutschland einen Trumpf in der Hand. Nach einem bereits vor längerer Zeit abgeschlossenen Tarifvertrag darf der deutsche Eurowings-Ableger nur maximal 23 Maschinen betreiben. Diese Schwelle würde durch die Eingliederung von Teilen der Air Berlin-Flotte deutlich überschritten - und kann nur mit Zustimmung der VC angehoben werden.

Spohr geht offenbar davon aus, dass der Deal daran nicht scheitern wird. "Wir sind in konstruktiven Gesprächen", versichert er der Belegschaft, "und hoffen, in Kürze die Grundlagen für das avisierte kurzfristige Wachstum unseres Flugbetriebs schaffen zu können."

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philemajo 24.08.2017
1. Was ist die Alternative?
Egal ob Wöhrl, Lauda oder O'Leary. Kritiker gibt es viele, die hier alle eine Begünstigung der Lufthansa vermuten. Aber außer Gemaule waren konstruktive Alternativpläne bisher nicht zu vernehmen. Dass die Konditionen bei Eurowings schlechter sein dürften, ist bisher mit Fakten nicht belegt und dürfte längst nicht für alle gelten. Denn wer in den letzten Jahren bei AB angefangen hat, hat meist so miese Verträge, dass es bei EW nicht schlechter wird. In die glücklichen Alten haben ihre Luxuskonditionen oft noch aus Zeiten der alten LTU, die Wöhrl wohlwissend an AB abgestoßen hat. Dass er nun als weißer Engel wieder in Erscheinung treten will, ist absurd. Gibt es keine Einigung mit Lufthansa heißt die wahrscheinlichste Alternative Ryanair oder Arbeitsagentur. Gehe nicht davon aus, dass das die favorisierte Lösung von VC ist.
Nordstadtbewohner 24.08.2017
2. Angebot und Nachfrage
Auch wenn die neuen Konditionen nicht so attraktiv wie die des alten Arbeitgebers sind, so sind sie dennoch besser als ein (dauerhafter) Schritt in die Arbeitslosigkeit. Ich denke, die Offerte der Lufthansatochter dürfte trotzdem gut sein, da Piloten auch bei anderen Fluggesellschaften nicht schlecht bezahlt werden.
sail118 24.08.2017
3. Natürlich
Kann Eurowings AB-Mitarbeiter nur zu Eurowingskonditionen übernehmen, wenn man keinen Krieg mit der vorhandenen Belegschaft will. Ryan-Air würde sicher ganz viel mehr bezahlen...... Was soll also der wieder mal tendenziöse Artikel. Wäre Arbeitslosigkeit für die AB-Mitarbeite besser?
mwroer 24.08.2017
4.
Zitat von NordstadtbewohnerAuch wenn die neuen Konditionen nicht so attraktiv wie die des alten Arbeitgebers sind, so sind sie dennoch besser als ein (dauerhafter) Schritt in die Arbeitslosigkeit. Ich denke, die Offerte der Lufthansatochter dürfte trotzdem gut sein, da Piloten auch bei anderen Fluggesellschaften nicht schlecht bezahlt werden.
Ja wenn man nur einen Piloten bräuchte um so einen Flieger in die Luft und Leute von A nach B zu bringen ... aber auch mir als Amateur schwant das da erheblich mehr Leute dran beteiligt sind :) Das jetzt schon ausgeschrieben wird ist allerdings keine Nachricht wert - das ist logisch. Der Betrieb muss möglichst nahtlos weitergehen. Supermärkte schreiben zum Teil auch schon Stellen aus bevor der Mietvertrag für den neuen Standort explizit unterschrieben ist. Da reicht die Stufe 'kriegen wir aller Voraussicht nach'. Das die Konditionen schlechter sein würden wurde ja schon vermutet - da bleibt abzuwarten was verhandelt werden kann.
aussieman 24.08.2017
5. Retter Eurowings?
Jetzt stellt sich die Eurowings/Lufthansa als Retter für von Arbeitlosigkeit bedrohten Flugpersonal hin. Wieso stellen sie nicht einfach die von der LH selbst ausgebildeten Piloten, die nur auf einen Job warten ein? Die LH betreibt hier doch nur Lohndrückerei, sie verlagert Geschäft von ihrer Kernmarke auf die Eurowings und auf Arbeitsplätze in Österreich, um dem deutschen Mitbestimmungs- und Tarifrecht zu entgehen und erpresst nun die AirBerlin Belegschaft mit Arbeitslosigkeit, wenn sie nicht die Billiglohnbedingungen der Eurowings akzeptieren. Fakt ist, LH hätte nicht so ein Personalbedarf, wenn sie anständige deutsche Arbeitsverträge anbieten würde. Zu deren aktuellen Konditionen, will sonst niemand arbeiten, wenn er nicht direkt von Arbeitslosigkeit bedroht wird. Möchte man als Passagier wirklich in Flugzeuge einsteigen, das von in persönlicher wirtschaftlicher Not befindlichen Piloten und Flugbegleitern operiert wird?
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