Umfrage Fast 70 Prozent der Deutschen gegen Staatshilfe für Air Berlin

Air Berlin steckt in der Krise - und bemüht sich um eine Staatsbürgschaft. Die meisten Bürger sind laut einer Umfrage für SPIEGEL ONLINE dagegen.

Air-Berlin-Flugzeuge
DPA

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Die Politik diskutiert über eine mögliche Bürgschaft für die finanziell angeschlagene Fluggesellschaft Air Berlin - doch beliebt würde sie sich damit wohl nicht machen. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für SPIEGEL ONLINE.

Demnach sind insgesamt 69 Prozent der Befragten der Meinung, Air Berlin sollte nicht mit einer staatlichen Bürgschaft vor der Pleite gerettet werden. 31,8 Prozent antworteten dabei mit "Eher nein", 37,2 Prozent sogar mit "Nein, auf keinen Fall". Nur 20,2 Prozent gaben dagegen "Ja, auf jeden Fall" oder "Eher ja" an.

Air Berlin hatte am Donnerstag mitgeteilt, bei den Landesregierungen von Berlin und Nordrhein-Westfalen eine Voranfrage auf Prüfung eines Bürgschaftsantrags gestellt zu haben. Offen blieb, um welche Summe es dabei gehen könnte. Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums sagte am Freitag, man werde die Anfragen gemeinsam mit den Ländern prüfen. Ein "tragfähiges Zukunftskonzept" sei jedoch die Mindestvoraussetzung für die Gewährung einer solchen Hilfe.

Air Berlin steckt seit Jahren in der Krise - zuletzt hat sich die Situation allerdings deutlich verschlimmert. Seit Wochen häufen sich die Beschwerden von Kunden über Flugausfälle und Verspätungen. In der vergangenen Woche platzte zudem der Plan, die Unternehmenstochter Niki in eine gemeinsame Ferienfluggesellschaft mit Tuifly einzubringen.

Die arabische Fluggesellschaft Etihad, die 29,2 Prozent an Air Berlin hält, will diese Beteiligung angeblich loswerden. Als möglicher Interessent gilt die Lufthansa. Zur Überbrückung könnte Air Berlin aber möglicherweise trotzdem noch Staatsbürgschaften benötigen.

Laut der Civey-Umfrage sind Anhänger der FDP besonders deutlich gegen eine solche Hilfe der Politik. 79,5 Prozent stimmten insgesamt mit Nein, 13,6 Prozent mit Ja. Auch unter den Grünen-Anhängern findet eine Staatsbürgschaft sehr wenig Unterstützung: Nur 12,8 Prozent sagten hier Ja, 71 Prozent Nein. Am meisten Jastimmen bekam die Staatsbürgschaft bei den Anhängern von CDU/CSU (23,5 Prozent) und SPD (22,4 Prozent).

Anmerkung zur Methodik: Für die repräsentative Umfragen hat Civey vom 9.6.2017 bis 10.6.2017 5020 Menschen befragt. Die Unsicherheit liegt beim Gesamtergebnis bei 2,5 Prozentpunkten, bei der Aufschlüsselung nach Parteien bei 7 Prozentpunkten.


In Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey befragt SPIEGEL ONLINE regelmäßig Leserinnen und Leser zu politischen und wirtschaftlichen Themen:


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pirx64 11.06.2017
1. nur?
Nur fast 70% 100 müssten es sein. Okay, 99,x, die Beschäftigten natürlich nicht.
ctwalt 11.06.2017
2. Systemrelevant?
mir als Unternehmer stinkt es langsam, dass ständig irgendjemand Steuermillionen abgreift, weil er ein nicht tragfähiges Geschäftsmodell betreibt.
dupidup 11.06.2017
3. Logisch
Wieso sollte der Durchschnittsdeutsche auch Interesse am Fortbestand einer Fluggesellschaft mit deutschen Arbeitsverträgen haben ? Der monatliche Mallorca Flug ist mit osteuropäischen Leiharbeitern einer irischen Personalagentur, Verzeihung, Billigfluglinie wesentlich günstiger. Wenn die AB erstmal von ihrem Chef, einem (nicht-ex) Lufthanseaten und Duz-Freund des Kranich CEOs heruntergewirtschaftet ist, wird das Personal bestimmt zu fairen Konditionen bei der noch-Konkurrenz unterkommen. Piloten und Saftschubsen verdienen eh viel zu viel :-|
kraftmeier2000 11.06.2017
4. Mein letzter Flug mit Air Berlin alias Alitalia nach Wien
alias Alitalia nach Wien wird mir wie auch schon andere nicht in Guter Erinnerung bleiben, hatte diese Gesellschaft auch nur ausgewählt, weil diese relativ früh abgehen sollet, daraus wurde natürlich nichts, denn die Logistiker bei Air Berlin sind einfach nur unfähig einen Flieger pünktlich bereit zu stellen. Heißt die Maschine und dann noch Alitalia kam schon verspätet in TXL an, und dann dauert es eben, auch wegen dem doch mehr als langsamen Bodenpersonal, welches man da beobachten konnte. Einfach nur eine Zumutung das ganze, und es wäre sicher (außer für die Angestellten) besser dieses unfähige Unternehmen verschwindet von der Bildfläche, und das alles nur weil die oberen Etagen in diesem Unternehmen scheinbar (ich bin mir fast sicher) nur von sogenannten "Nieten in Nadelstreifen" geführt wird, anders kann ich mir den Niedergang nicht erklären.
hausfeen 11.06.2017
5. Es gibt doch keinen Grund, eine arabische Airline zu unterstützen.
Ethihad soll das bitte alleine schultern oder abwickeln.
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