Unterlegene Air-Berlin-Bieter "Ich bin entsetzt, was in diesem Land möglich ist"

Im Kampf um die Überreste der insolventen Fluglinie Air Berlin scheint die Lufthansa zu gewinnen. Unterlegene Bieter wie Hans Rudolf Wöhrl zeigen sich empört. Utz Claassen erwägt gar eine Klage.

Hans Rudolf Wöhrl
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Hans Rudolf Wöhrl


Die unterlegenen Bieter für Air Berlin kritisieren die Vorentscheidung zugunsten der Lufthansa und werfen der Bundesregierung Parteilichkeit vor. Der Luftfahrtunternehmer Hans Rudolf Wöhrl schrieb in einer Mitteilung, er sei "persönlich entsetzt", was in diesem Land möglich sei. Wöhrl selbst hatte ein Angebot vorgelegt, mit dem er eine Zerschlagung verhindern wollte. Doch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) und Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) "haben von Anfang an alles andere als eine Lufthansa-Lösung als nicht machbar abgetan", schrieb Wöhrl.

Der Unternehmer und Ex-Rennfahrer Niki Lauda, der für die von ihm einst gegründete Air-Berlin-Tochter Niki geboten hatte, sprach von einem abgekarteten Spiel. "Ich finde es wirklich unglaublich, dass die deutsche Politik die Lufthansa derart unterstützt, dass sie 150 Millionen (Euro) öffentliches Geld zur Verfügung stellt, damit die Air Berlin weiterfliegen kann, damit nachher ein hundertprozentiges Monopol geschaffen wird", sagte Lauda dem ORF.

Auch der Ex-Energiemanager Utz Claassen zeigte sich über die "politischen Interventionen zugunsten bestimmter Anbieter verstört". Die Braut Air Berlin sei nicht geschmückt, sondern offensichtlich sogar Stück für Stück hässlich gemacht worden. "So entstellt und verstümmelt droht sie jetzt offenbar noch vor der Hochzeit geschlachtet zu werden", sagte Claassen. Laut seinem Sprecher erwägt der Unternehmer gar eine Klage: "Wenn das gefingert war, wird es eine gewaschene Kartellklage geben", sagte der Sprecher.

Air Berlin hatte am Donnerstagabend erklärt, sie wolle bis zum 12. Oktober mit Lufthansa und dem britischen Billigflieger Easyjet über den Verkauf ihrer Lufttransport-Bereiche weiterverhandeln. Hinsichtlich der sonstigen Teilbereiche der Gruppe würden die Verkaufsverhandlungen mit weiteren Bietern fortgesetzt. Insidern zufolge könnte es auch noch Verhandlungen mit Thomas Cook und dessen Airline Condor geben.

Die Gewerkschaft Ver.di bezeichnete derweil Lufthansa, Easyjet und Condor, die "offenbar als Käufer im Gespräch sind", als Unternehmen mit guten Tarifverträgen und einer guten Mitbestimmungskultur. Man erwarte, dass die Firmen nun "Verantwortung für die Beschäftigten von Air Berlin übernehmen und ihnen gute Zukunftsperspektiven bieten", sagte Ver.di-Bundesvorstand Christine Behle. Es müssten möglichst viele Jobs mit fairen Arbeitsbedingungen erhalten werden. Darüber wolle die Gewerkschaft mit den Firmen reden.

hej/Reuters/dpa/AFP



insgesamt 29 Beiträge
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Tharsonius 22.09.2017
1. Hmm?
Lobbyisten sind entsetzt das die Bundesregierung der Lufthansa-Lobby zuarbeitet? Kann ich nun garnicht "verstehen". :>
Aberlour A ' Bunadh 22.09.2017
2. Monopolistischer Wettbewerb
Dobrindt und Zypries. Da haben sich ja die beiden Richtigen zusammengetan. Der eine beweist tagtäglich, dass das bayerische Abitur doch nicht so gut sein kann wie gemeinhin immer behauptet. Und die andere, ja, was soll man sagen, beweist immer wieder, dass es eigentlich von Rechts wegen Gesetze gegen ehemalige DKP-nahe Jusos geben müsste, die im fortgeschrittenen Erwachsenenalter zu Rechtsauslegern in der SPD mutiert sind.
rathals 22.09.2017
3. Herrn Wöhrl,
als CSU Mitglied, sollten doch derartige Spielchen bestens bekannt sein. Nur wenn man selbst der Betroffene ist, wird Empörung gezeigt.
peterpan123 22.09.2017
4.
Dann hätte er einfach mal ein besseres Angebot abgeben sollen...
hansulrich47 22.09.2017
5. Lächerlich!
Das "Angebot" von Wöhrl, Air Berlin "komplett" zu übernehmen, ergibt im Ansatz keinen Sinn. Air Berlin schreibt seit Jahren rote Zahlen. Alle Versuche, das zu ändern, waren ohne Effekt. Air Berlin "als Ganzes" ist tot!!! Es ist eine Missgeburt, deren "Überleben" von Emirates finanziert wurde. Wer behauptet, er hätte eine Lösung für die komplette bankrotte Air Berlin, ist ein Traumtänzer. Das Gebilde kann man nur zerteilen. Das, was brauchbar ist, lebt weiter. Das "Angebot" von Ryan Air war wohl auch nur ein fake news. Wem die Piloten davon rennen, hat wohl keine solide Basis zum Wachsen. Da muss O'Leary wohl erst mal lernen, wie man in Mitteleuropa mit Mitarbeitern umgeht!
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