"Offensichtliches Komplott" Ryanair verzichtet auf Angebot für Air Berlin

So nicht: Mit dieser Botschaft kündigt Ryanair-Chef O'Leary an, nicht für die insolvente Air Berlin zu bieten. Er wiederholt seinen Vorwurf, ein Verkauf der insolventen Fluglinie an die Lufthansa sei längst beschlossen.

Michael O'Leary in Berlin
AFP

Michael O'Leary in Berlin


Die irische Billigfluglinie Ryanair wird kein Angebot für die insolvente Air Berlin abgeben. Konzernchef Michael O'Leary begründete dies mit dem bereits in der Vergangenheit geäußerten Vorwurf, bei dem Verfahren handele es sich um ein "abgekartetes Spiel". Nur wenn es ein offenes und transparentes Insolvenzverfahren gäbe, würde er für Air Berlin bieten - sowohl als Ganzes als auch für Teile der Airline.

Durch ein "offensichtliches Komplott" von Regierung, Lufthansa Chart zeigen und Air Berlin Chart zeigen werde gegen die Wettbewerbsregeln in Deutschland und der EU verstoßen, so O'Leary weiter. Ryanair Chart zeigen habe das Bundeskartellamt und die EU-Wettbewerbsbehörde aufgefordert, diese "künstlich erzeugte Insolvenz" zu untersuchen. Der Zeitpunkt sei gewählt worden, um vor der Bundestagswahl am 24. September Druck auf die Politik auszuüben.

O'Leary sagte, er habe keinen Kontakt zu Air Berlin, dem Sachwalter oder der Bundesregierung. Auch habe er bisher nicht den Datenraum besucht, wo Geschäftsunterlagen zur Lage der Fluglinie einsehen können. "Wir werden keine Zeit verschwenden mit dem Verfahren." Denn der Ausgang sei bereits vorgezeichnet.

Der Ryanair-Chef hatte bereits vor zwei Wochen seine Einwände schriftlich an die Kartellwächter verschickt. "Die Beschwerde von Ryanair liegt uns vor. Es gibt keinen neuen Stand", sagte ein Sprecher des Bundeskartellamts. Die Eingabe löst bei der Bonner Behörde allerdings kein formelles Verfahren aus. Sie dient nur dazu, Kartellwächter auf etwas aufmerksam zu machen. Air Berlin will bis zum 15. September Angebote von Investoren einsammeln.

dab/dpa/Reuters

insgesamt 43 Beiträge
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INGXXL 30.08.2017
1. Glaube Ryanair hatte nie ein interessantes
Angebot für Air Berlin. Flugzeugpark passt nicht das Personal will er sowieso nicht
mocodelpavo 30.08.2017
2. Für unmoralisch...
...habe ich den Mann schon immer gehalten. Jetzt kommt auch noch dumm dazu. Natürlich ist die Entscheidung gegen Ryanair schon gefallen, wenn Ryanair es nicht mal schafft, ein Angebot oder wenigsten einen Letter of Intent vorzulegen. Offenbar versucht Herr O'Leary mal wieder, dass Behörden und Staat für ihn kostenfrei bzw. -günstig sein moralisch fragwürdiges Geschäftsmodell retten. Bei der Nutzung billiger Slots in subventionierten und defizitären Flughäfen hat das ja bisher auch immer geklappt.
DJ Doena 30.08.2017
3.
Er hat ja wahrscheinlich auch recht. Die Sache ist bereits abgekartet. Wozu also Zeit und Geld in ein Angebot investieren, aus dem nichts rauskommen kann?
Weltbürger-EU 30.08.2017
4. Es hat nicht gereicht...
Was deutsche Steuerzahler in seine Fluggesellschaften gesteckt haben!!! Hatte wohl erwartet das auch AirBerlin an ihn verschenkt wird... PS Piloten zum Steuerhinterziehung anstifften ist hier (leider) kein Thema.
brooklyner 30.08.2017
5.
Herrlich, wie O'Leary die steifen deutschen Oberlippen als korrupte Truppe vorführt. dass er (dessen Geschäftsmodell ich übrigens verachte) mit seinen Vorwürfen 100%ig richtig liegt, daran zweifle ich keine Sekunde. Auch das Gespräch auf Welt.de vor ein paar Tagen mit einem Airberlin Mitarbeiter legte das nahe. Schon drollig, wie sich Seehofer, Zypries und die ganzen anderen Gestalten aus der Senator Lounge mit geschwollener Brust für die in Sachen Service intenational nicht konkurrenzfähige Lufthansa ins Zeug legen. Das stinkt sowas von zum Himmel. Aber wieder einmal verkennt man, dass der in Deutschland funktionierende Lobbyismus einfach nicht professionell genug ist, um auf internationalem Parkett eine Chance zu haben. Das funktionierte noch, als man die Chinesen als Bieter auf Opel einfach nicht anhörte, bei Wöhrl versucht man es ja auch gerade. Als aber die Japaner, denen die deutsche Lobby ziemlich egal sein kann, plötzlich mit einer ganzen Palette an Hybridautos aufwarten konnten, während man diese Entwicklung hierzulande erfolgreich verhindern konnte, machte man bei den Autokonzernen lange Gesichter. Nur Kleingärtner an den Schalthebeln, was ich z.B. von der BASF ganz gut kenne. Der deutsche Bürger ist zum Glück nicht korrupt und ähnelt da sehr den skandinavischen Nachbarn, was Werte angeht, die deutschen Emporkömmlinge, BWLer, Politiker, Manager allerdings sind korrupt bis über beide Ohren, haben aber leider nicht den angelsächsischen Schneid und ihnen fehlt einfach die Professionalität. Dass das zunehmend gemerkt wird, bekommen diese Hurratüten wohl als letztes mit. Es wird Zeit, in diesem Land aufzuräumen.
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