Insolvenz Lufthansa-Chef kämpfte für Air-Berlin-Rettung

Die Lufthansa soll die Insolvenz von Air Berlin aktiv befördert haben. Recherchen des SPIEGEL belegen das Gegenteil: Lufthansa-Chef Carsten Spohr versuchte sogar, die Pleite des Konkurrenten zu verhindern.

AFP

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Die Lufthansa spielte im Vorfeld der Insolvenz von Deutschlands zweitgrößter Fluglinie Air Berlin vor knapp einem Jahr eine weitaus wichtigere Rolle als bislang bekannt. Demnach versuchte Konzernchef Carsten Spohr sogar bis zum letzten Moment, den kleineren Konkurrenten zu retten.

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In den vergangenen Monaten war in der Öffentlichkeit immer wieder die Rede davon, die Air-Berlin-Pleite sei ein von der Lufthansa betriebenes "abgekartetes Spiel" gewesen. SPIEGEL-Recherchen belegen das Gegenteil. Demnach rechnete Lufthansa nicht mit einem plötzlichen Stopp der Finanzierung von Air Berlin durch den Großaktionär Etihad. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Vielmehr telefonierte der Lufthansa-Chef noch am Samstag, dem 12. August 2017 und damit drei Tage vor der Insolvenz am 15. August, mit dem stellvertretenden Verwaltungsratsvorsitzenden des Air-Berlin-Großaktionärs Etihad, Ahmad Ali Al Sayegh. In dem Gespräch soll Spohr den Kontrolleur der arabischen Fluglinie ermahnt haben, Air Berlin nicht fallen zu lassen. Andernfalls, so soll der Lufthansa-Chef Al Sayegh gewarnt haben, leide der Ruf des Emirats Abu Dhabi als Eigner von Etihad.

Carsten Spohr
REUTERS

Carsten Spohr

Nach SPIEGEL-Informationen soll Al Sayegh, der zu diesem Zeitpunkt auf einer Yacht im Mittelmeer unterwegs war, Spohr zuvor per SMS um die Unterredung gebeten und den Lufthansa-Chef seinerseits bedrängt haben, Air Berlin finanziell zu unterstützen. Sowohl Spohr, als auch Al Sayegh wollten die Darstellung nicht kommentieren.

Am Wochenende vor der Insolvenzanmeldung gab es noch direkte Kontakte zwischen den Regierungen in Berlin und Abu Dhabi. Doch auch dieser letzte Rettungsversuch konnte die Pleite nicht mehr verhindern.

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insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
TimeDice 03.08.2018
1.
"Lufthansa-Chef kämpfte für Air-Berlin-Rettung". Genauso macht man das ja mit Konkurrenten - für sie kämpfen. Der Spiegel hat Marktwirtschaft verstanden. Spohr wollte mehr Zeit, um die Air Berlin geschmeidig einzusacken. So musste alles ganz schnell und holprig gehen.
brooklyner 03.08.2018
2.
hahahaha!!! Wie bitte????? Also jetzt bin ich baff. Ich hatte immer auf eine investigative Recherche vom Spiegel zur Rolle der Lufthansa bei den Dauerverschiebungen der BER Eröffnung gehofft, in der haarklein aufgezeigt wird, wie perfide die Lufthansa er bewerkstelligt hat, das Oneworld Drehkreuz in Berlin als Konkurrenz zur Staralliance mit allen Mitteln zu verhindern. Und dazu natürlich noch den liebenswürdigen Konkurrenten Airberlin galant zu übernehmen, was ja wenigstens die EU verhindert hat, auch wenn das Zypries und Co mit ihren HON Karten ärgerte. Und jetzt das? Habt Ihr getrunken? Meine Güte, redet mit Leuten, die in höheren Anstellungen bei Airberlin gearbeitet haben, die würden Euch solch einen Quatsch zurecht um die Ohren schlagen.
brutus972 03.08.2018
3. Auf Englisch heisst das "Thinkste!"
Das System, einen CEO von der Konkurrenz im Übernahmebetrieb zu installieren, war schon das Modell bei der Treuhand, für den "Hold Up" der VEB's! Bei Austrian und Swiss hatte LH schon geübt! Bei AB haben sich Hansens übernommen. Mit Amateuren im Verkehrsministerium + Selbstüberschätzung ging das in die Hose!
martin_mueller 03.08.2018
4.
Zitat von brutus972Das System, einen CEO von der Konkurrenz im Übernahmebetrieb zu installieren, war schon das Modell bei der Treuhand, für den "Hold Up" der VEB's! Bei Austrian und Swiss hatte LH schon geübt! Bei AB haben sich Hansens übernommen. Mit Amateuren im Verkehrsministerium + Selbstüberschätzung ging das in die Hose!
Lieber brutus972, wir beschreiben in unserem Report, wie Thomas Winkelmann CEO von Air Berlin wurde. Sie finden das vollständige Stück hier: http://www.spiegel.de/plus/air-berlin-warum-die-rettung-der-fluglinie-misslang-a-00000000-0002-0001-0000-000158730563 Herzliche Grüße!
hugahuga 03.08.2018
5.
Das Letzte was ich glauben mag - nämlich dass der Lufthansa Chef für den Erhalt von Air Berlin gekämpft hätte. Ich erinnere mich an die 60er Jahre, wo die Lufthansa in trauter Verbundenheit mit dem BVM (Bundesverkehrsministerium) alles getan hat, um die Fluggesellschaft "Südflug" platt zu machen. Sinn - Stärkung der eigenen Tochter Condor. Damals hat es funktioniert und heute hat es funktioniert. Die Zeiten ändern sich - die Sitten bleiben.
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