Berlin - Als Bahn-Chef war Hartmut Mehdorn für seine Wutausbrüche berüchtigt. Nun hat er, der mittlerweile an der Spitze von Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft Air Berlin steht, mal wieder zugelangt. Grund ist der neue Hauptstadtflughafen, dessen Inbetriebnahme sich immer wieder verzögert. Für Mehdorn ist das eine "Katastrophe". "Es fängt bei der Blamage an und endet mit einem wirtschaftlichen Schaden, den wir und viele andere erleiden", sagte Mehdorn in Berlin. "Wir sind tief enttäuscht, dass sich da überhaupt gar kein Schuldbewusstsein einstellt."
Es sei ein Trauerspiel, dass Air Berlin zur Schadensersatzklage gezwungen werde. "An sich müssten wir einen guten Dialog mit dem Flughafen haben, wo wir die Dinge so regeln, wie sich das unter Geschäftspartnern gehört", sagte Mehdorn. Aber auf Seiten des Betreibers habe es "null Bewegung, null Verständnis" gegeben. Gesellschafter des Flughafens sind die Länder Berlin und Brandenburg sowie der Bund.
Air Berlin hat Anspruch auf Schadensersatz gegen die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH angemeldet. Durch die wiederholte Verschiebung des Eröffnungstermins des Airports seien bisher Schäden in einem "großen zweistelligen Millionenbetrag" entstanden, sagte Mehdorn. Den endgültigen Schaden könne man noch nicht beziffern.
Die Deutsche Bahn, die am Flughafen einen Bahnhof gebaut hat, hält dagegen laut internen Papieren eine Klage für wenig aussichtsreich. Schadensersatz durchzusetzen sei nur "eingeschränkt rechtlich begründbar", heißt es dort. Als Eröffnungstermin für den neuen Flughafen gilt derzeit der 27. Oktober 2013, trotz öffentlich geäußerter Zweifel auch an diesem Zeitpunkt.
Bei einer Gesellschafterversammlung der Anteilseigner Berlin, Brandenburg und Bund wurden nach Angaben aus Teilnehmerkreisen keine neuen Entscheidungen zum Termin oder zur Geschäftsführung der Flughafengesellschaft erwartet. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hat öffentlich erklärt, kein Vertrauen mehr in den Chef Rainer Schwarz zu haben. Er wird aber noch von Berlin und Brandenburg gestützt. Der Bund dringt jetzt zunächst darauf, die rechtliche Verantwortung der Geschäftsführung für die verspätete Eröffnung juristisch prüfen zu lassen.
cte/Reuters
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