Pleiteflieger Air-Berlin-Piloten bekommen Insolvenzgeld-Zuschlag

Die Piloten und Manager bei Air Berlin müssen nach SPIEGEL-Informationen auch in Krisenzeiten nicht verzichten. Sie lassen ihr Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit aufstocken - teils um bis zu 10.000 Euro im Monat.

Flugzeug der Fluggesellschaft Air Berlin
DPA

Flugzeug der Fluggesellschaft Air Berlin


Unter dem Begriff "Aufstocker" versteht man in der Regel Menschen, die eher zu den Geringverdienern gehören. Sie verdienen so wenig, dass es kaum zum Leben reicht und sie ihre Einkünfte durch Hartz IV aufbessern müssen. Im Zuge der Air-Berlin-Insolvenz wird nun bekannt, dass es auch eine ganz andere Gruppe von Aufstockern gibt: Besserverdiener, die in Krisenzeiten nicht verzichten wollen, und sei es indirekt zu Lasten der Steuerzahler. Das sorgt für Unmut, vor allem beim Bodenpersonal von Air Berlin. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

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Heft 38/2017
Eine Gebrauchsanweisung

Die deutlich schlechter bezahlten Mitarbeiter bei der Abfertigung und der Technik haben geringere Chancen auf eine Übernahme durch Interessenten wie Lufthansa oder Easyjet. Trotzdem verhielten sie sich vergangene Woche erstaunlich ruhig, als sich rund 200 Flugzeugführer überraschend krankmeldeten und so die Verkaufsbemühungen der Air-Berlin-Führung gefährdeten.

Doch das könnte sich schon bald ändern. Am Rande der Gespräche sickerte durch, dass zwar alle Mitarbeiter seit Anmeldung der Insolvenz Mitte August ihr Gehalt von der Bundesagentur für Arbeit (BA) erhalten, die Piloten und Manager der Airline allerdings nur zum Teil. Weil das maximal mögliche Gehalt dort nämlich bei 6350 Euro gedeckelt ist, bekommen die Gutverdiener ihr Gehalt bis auf die alte, gewohnte Höhe aufgestockt - zu Lasten der Masse und des von der Bundesregierung bewilligten Rettungskredits in Höhe von 150 Millionen Euro.

Der Aufschlag, der in Einzelfällen mehr als 10.000 Euro pro Monat betragen kann, sei nötig, heißt es bei Air Berlin, damit die Leistungsträger nicht abwandern. Außerdem handele es sich nur um einen siebenstelligen Betrag. Aus dem Umfeld des Gläubigerausschusses heißt es dagegen, pro Monat würden rund zehn Millionen Euro fällig.

In einem ähnlichen Fall, der Pleite des katholischen Weltbild-Verlags im Jahr 2014, hatte der Betriebsrat die Gehaltsaufstockung scharf gerügt. Es könne doch nicht sein, kritisierten die Arbeitnehmervertreter damals, dass ausgerechnet die, die maßgeblich mit zur Schieflage beigetragen hätten, sich nun die Taschen vollschaufelten.

Bei Air Berlin endet an diesem Freitag um 14 Uhr die Frist für Angebote der Kaufinteressenten. Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft verhandelt seit Wochen mit der Lufthansa und weiteren Interessenten über den Verkauf von Unternehmensteilen (Hier ein Überblick über die Bieter). Eine Entscheidung soll an diesem Freitag jedoch nicht fallen. Dafür war zunächst der 21. September anvisiert worden, nun ist es der 25. September, der Tag nach der Bundestagswahl.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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