Air Berlin Politiker prangern Millionengarantie für Airline-Chef an

Mit dem Versprechen eines garantierten Millionengehalts lockte Air Berlin Thomas Winkelmann auf den Chefsessel. Angesichts der Insolvenz der Airline greifen Politiker von CDU und SPD die Zusage nun an.

Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann
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Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann


Tausenden Air-Berlin-Mitarbeitern droht der Verlust ihres Jobs, seit die Berliner Airline in die Insolvenz gerutscht ist. Empört reagieren Politikern wie die Belegschaft daher darauf, dass die Fluggesellschaft dem Firmenchef Thomas Winkelmann durch eine besondere Vertragsklausel ein millionenhohes Gehalt garantiert hat - geschützt offenbar auch vor dem Zugriff von Gläubigern.

"Es hat mit sozialer Marktwirtschaft rein gar nichts zu tun, wenn für Spitzenmanager im Insolvenzfall Riesengehälter abgesichert werden und Beschäftigte und Steuerzahler dafür auch noch die Zeche zahlen müssen", sagte der SPD-Bundesvize Ralf Stegner dem "Handelsblatt". Er bezeichnete die Zahlungen als Auswüchse, die "konsequent unterbunden" werden müssten.

Auch von Unionsseite kam heftige Kritik: "Die Gehaltgarantie muss vor Beendigung des Insolvenzverfahrens einer Prüfung unterzogen werden, da sie offensichtlich für den Fall der Insolvenz getroffen wurde", sagte der Bundesvize der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Christian Bäumler, der Zeitung. Gegebenenfalls müssten durch den Gesetzgeber Rückforderungsrechte im Falle einer Insolvenz verschärft werden.

Brisanz durch Diskussion um Transfergesellschaft

Das abgesicherte Gehalt Winkelmanns gewinnt gerade jetzt an Brisanz, da über eine Beteiligung der Bundesländer Berlin, Nordrhein-Westfalen und Bayern am Aufbau einer Transfergesellschaft für Beschäftigte der insolventen Airline beraten wird. Auch Air Berlin soll sich offen dafür zeigen, sich bei einer solchen Lösung trotz Insolvenz finanziell zu beteiligen. Doch ohne die Landesbeteiligung wäre die Gesellschaft nicht möglich, die nicht übernommenen Air-Berlin-Mitarbeitern helfen könnte. Großteils müsste die Bundesagentur für Arbeit sie finanzieren.

Denn während um die Zukunft der Belegschaft der Fluggesellschaft gerungen wird, hat Air Berlins Aufsichtsrat Winkelmann eine hohe Vergütung gesichert - und ist dafür sogar von der eigentlichen Vergütungsrichtlinie abgewichen. Dies sei nötig gewesen, um den Manager "in dieser kritischen Zeit zu gewinnen", hatte der frühere Aufsichtsratschef Hand-Joachim Körber im Geschäftsbericht für das Jahr 2016 erklärt. Körber hatte Winkelmann für einen Start als Vorstandschef im Februar 2017 von der Lufthansa abgeworben, als es für die Fluggesellschaft bereits kritisch wurde.

Bankgarantie für bis zu 4,5 Millionen Euro

Winkelmann erhält demnach eine Einmalzahlung von 300.000 Euro, die durch den Jobantritt bei Air Berlin entgangene Pensionsansprüche ausgleichen sollen. Hinzu kommt ein jährliches Bruttogehalt von 950.000 Euro. Einen Betrag in gleicher Höhe kann der Manager durch eine variable Vergütungen zusätzlich erhalten. Für 2017 hat der neue Chef bereits Anspruch auf einen einmaligen Mindestbonus von 400.000 Euro. Er wird im Januar 2018 ausgezahlt und auf alle anderen während der Beschäftigung zu zahlenden Jahresboni angerechnet.

Winkelmanns Bezüge bis zum 31. Januar 2021 sind durch eine Bankgarantie in Höhe von bis zu 4,5 Millionen Euro langfristig abgesichert. Sein Vertrag läuft bis 2021 und kann frühestens Ende Januar 2019 gekündigt werden. Das Geld für Winkelmann dürfte damit wohl auch in der Air-Berlin-Insolvenz vor dem Zugriff der Gläubiger des Konzerns geschützt sein.

"Ermessensspielraum ausgenutzt"

Es ist fraglich, ob Winkelmann mit Blick auf die kritische Lage von Air Berlin bei seinem Amtsantritt überhaupt ohne eine solche Absicherung seines Gehalts den Chefsessel angenommen hätte. Das Unternehmen habe "seinen Ermessensspielraum ausgenutzt", heißt es im Jahresbericht, "um angesichts der außergewöhnlichen und unerwarteten Umstände für ihn ein angemessenes Vergütungspaket aufzusetzen".

Dennoch muss er sich nun der Kritik stellen. So greifen auch Gewerkschaften Winkelmann an. "Wenn der Air-Berlin-Chef trotz Pleite sein Gehalt bis 2021 garantiert bekommt, ist das eine schreiende Ungerechtigkeit und trägt dazu bei, dass Menschen das Vertrauen in unser Wirtschaftssystem verlieren", sagte der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Reiner Hoffmann, der "Bild am Sonntag".

Auch Mitarbeiter protestieren gegen den Geldsegen für ihren Chef. Bei Demonstrationen vor der Unternehmenszentrale in Berlin-Tegel griffen Beschäftigte das Gehalt auch auf. Auf einem Schild stand: "4,5 Mio für Winkelmann! Für uns Hartz IV".

kig

insgesamt 112 Beiträge
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Seite 1
DerBlicker 18.10.2017
1. etwas scheinheilig
Herr Winkelmann wäre ohne die Bankbürgschaft niemals von Lufthansa zu Air Berlin gewechselt, das war seine Vertragsbedingung. Air Berlin hat sich darauf eingelassen. Selbstverständlich steht Herrn Winkelmann dieses Geld nun auch vertraglich zu, so ist das nun mal im Rechtsstaat, Verträge sind einzuhalten.
spon_2502913 18.10.2017
2. Vertrauen?
"Wenn der Air-Berlin-Chef trotz Pleite sein Gehalt bis 2021 garantiert bekommt, ist das eine schreiende Ungerechtigkeit und trägt dazu bei, dass Menschen das Vertrauen in unser Wirtschaftssystem verlieren" Das Vertrauen der meisten Menschen in dieses System ist schon längst verloren, und wenn der Zorn weiter wächst dann hat die AFD bei der nächsten BT-Wahl 50% wenn nicht schon vorher das System Merkel implodiert.
INGXXL 18.10.2017
3. Ohne diese Garantie hätte er
den Job halt nicht angenommen und wäre bei LH geblieben. Wozu eine Auffanggesellschaft. Wenn der Klempner um die Ecke pleite geht gibt es die auch nicht. Die Mitarbeiter müssen sich einen neuen Job suchen. Worum ist das bei Grossunternehmen anders?
dbrown 18.10.2017
4. Vollkommen normal
Abgesegnet von ganz oben. Daß solche Zustände allerdings von Politikern angeprangert werden ist verlogen, da diese auch jeden Cent abgreifen, der ihnen durch selbstgeschriebene 'Gesetze' eonfach so zusteht und nichts verfallen lassen. Dasselbe wie in der Industrie, nur etwas kleiner. Und gegen einen Wechsel, bei dem das Komma im Jahresgehalt eine Stelle nach rechts verschoben wird, lehnt von denen auch keiner ab. Welch Verlogenheit!
brille000 18.10.2017
5. Soziale Marktwirtschaft?
Wie kann der SPD-Bundesvize Ralf Stegner den Begriff der "sozialen Marktwirtschaft" in der momentanen Zeit überhaupt in den Mund nehmen? Wurde diese doch zur Regierungszeit seiner Parteigenossen nachhaltig abgeschafft. Es ist doch hier wie überall in diesem Land: Man nimmt sich oder lässt sich geben, was man kriegen kann. Bonzentum in Reinkultur und das wird immer schlimmer, leider.
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