Ex-Großaktionär Air Berlin prüft Ansprüche gegen Etihad

Die meisten Gläubiger von Air Berlin werden wohl auf ihren Forderungen sitzen bleiben. Der Insolvenzverwalter lotet derzeit aus, ob Ansprüche gegen Ex-Großaktionär Etihad geltend gemacht werden können.

Stewardessen von Air Berlin (r.) und Etihad Airways (Archiv)
DPA

Stewardessen von Air Berlin (r.) und Etihad Airways (Archiv)


Der Insolvenzverwalter von Air Berlin prüft mögliche Ansprüche gegenüber dem Ex-Großaktionär Etihad. Derzeit lässt Lucas Flöther drei Gutachten erstellen, um die Erfolgschancen einer Klage auszuloten.

Die arabische Fluggesellschaft Etihad hatte im August eine versprochene Kapitalspritze über 50 Millionen Euro zurückgehalten. Daraufhin musste Air Berlin Insolvenz anmelden.

Ein Prozess gegen Etihad würde allerdings Geld kosten, das die Gläubiger oder ein Prozessfinanzierer vorstrecken müssten. "Es muss also eine hinreichende Erfolgswahrscheinlichkeit vorliegen, ehe wir tätig werden können", sagte Flöther nach den Gläubigerversammlungen bei Air Berlin.

PwC soll Mitschuld ehemaliger Vorstände prüfen

Nach einer Insolvenz kann der Verwalter auch Zahlungen des Unternehmens an die Anteilseigner anfechten - rückwirkend bis zu zehn Jahre. "Wir prüfen die gesamte Buchhaltung des Air-Berlin-Konzerns", kündigte Flöther an. Das werde allerdings einige Zeit in Anspruch nehmen.

Die Wirtschaftsprüfer von PwC sollen zudem herausfinden, ob ehemalige Vorstände und Aufsichtsräte von Air Berlin an der Misere der ehemals zweitgrößten deutschen Airline Schuld haben.

Air Berlin hatte mehrere Konkurrenten gekauft, diese aber laut dem Bericht von Flöther nie richtig integriert. Nach dem Rücktritt von Firmengründer Joachim Hunold 2011 hatten sich vier Vorstandschefs an der Sanierung versucht. Der letzte von ihnen, der frühere Lufthansa-Manager Thomas Winkelmann, verlässt das Unternehmenzum 30. April.

Mehr als eine Million Gläubiger

Air Berlin war zunächst in Eigenverwaltung durch die Insolvenz gegangen, mit Flöther als Sachwalter und dem Sanierungsexperten Frank Kebekus als Generalbevollmächtigtem. Seit der vergangenen Woche ist Flöther allein als Insolvenzverwalter tätig. Kebekus verlässt Air Berlin in den nächsten Tagen.

Mehr als eine Million Gläubiger haben Flöther zufolge Forderungen gegen Air Berlin angemeldet. Wenn sie keine Sonderrechte haben, gehen sie allerdings aller Wahrscheinlichkeit nach leer aus, sagte er.

Das betrifft auch Passagiere mit verfallenen Flugtickets. Das Geld, laut Insolvenzbericht bisher 88 Millionen Euro, reiche nicht einmal, um den vorrangig zu tilgenden Kredit der Staatsbank KfW über 150 Millionen Euro vollständig zurückzuzahlen. Die Bundesrepublik bleibt offenbar auf Forderungen von bis zu 200 Millionen Euro sitzen.

brt/Reuters

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