Air Berlin und Lufthansa Ein Signal gegen die Billigkultur

Air Berlin wird zerschlagen - und geht zum Großteil an die Lufthansa. Das ist eine vernünftige Entscheidung, denn sie bremst die Billigspirale bei Gehältern und Flugtickets.

Maschinen von Lufthansa und Air Berlin
DPA

Maschinen von Lufthansa und Air Berlin


Es gab eine Zeit, da sah es so aus, als könnte die Lufthansa ein ähnliches Schicksal ereilen wie andere große Firmen, die ihr Geschäftsmodell nicht schnell genug an neue Trends und geänderte Kundenwünsche anpassen: Sie verschwinden einfach vom Markt.

Es ist noch gar nicht so lange her, dass dieses Schicksal auch der Lufthansa drohte. Die Vorgänger von Konzernchef Carsten Spohr hatten die Konkurrenz durch Billiganbieter wie Ryanair oder Easyjet sträflich unterschätzt. Deren Geschäft florierte, das der Lufthansa stagnierte.

Die Angreifer standen für die Zukunft, Lufthansa stand für die Vergangenheit - zumindest bis zu diesem Donnerstag. Der 21. September 2017 könnte einmal in die deutsche Luftfahrtgeschichte eingehen, als der Tag, an dem die alte Hackordnung am Himmel zumindest zum Teil wiederhergestellt wurde - zu Gunsten des alten Marktführers.

Schneller als erwartet, entschied sich der Gläubigerausschuss der insolventen Fluglinie Air Berlin, den größten Teil des Unternehmens der Lufthansa und ihrer aufstrebenden Billigtochter Eurowings anzuvertrauen. Und das war eine gute Entscheidung.

Wie gut sie war, sieht man an den Schlagzeilen, die Lufthansas Erzrivale Ryanair zuletzt machte. Weil Firmenchef Michael O'Leary seine Piloten deutlich schlechter bezahlt und behandelt als die vermeintlich altmodische Lufthansa, verweigern ihm immer mehr Flugzeugführer die Gefolgschaft, und es fallen massenweise Flüge aus. Das verärgert die Kunden, zu Recht.

Sicher, auch die gestärkte Position der Lufthansa kann Nachteile haben. Auf einigen innerdeutschen und europäischen Strecken könnten die Preise künftig steigen. Das tun sie schon jetzt, weil die Buchungssteuerungssysteme der Lufthansa auf die erhöhte Nachfrage im Zuge der Air Berlin-Pleite reagieren und die Tarife automatisch anpassen.

Profitieren könnte am Ende die Bahn, und das wäre auch aus Umweltaspekten nicht das Schlechteste. Bei T-Shirts für fünf Euro wenden sich viele Verbraucher längst ab, weil sie ahnen, dass der günstige Preis teuer erkauft ist - durch Kinderarbeit und prekäre Arbeitsbedingungen.

So weit wird es in der Luftfahrt nicht kommen, aber der Druck auf Löhne und Gehälter ist auch dort immens, als gäbe es ein Bürgerrecht auf Billigtickets. Dabei kommt es in kaum einer anderen Branche so auf Präzision und Sicherheit an wie in der Fliegerei. Gut, dass die gute alte Lufthansa, die für beides steht, nun den Zuschlag bekommen soll. Qualität und ein gutes Gewissen haben nun mal ihren Preis.

Mehr zum Thema


insgesamt 89 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Cavendish 22.09.2017
1. Die Sptze gegen Ryanair ist hier doch Unfug...
...die Flugausfälle bei der Lufthansa - aus ziemlich ähnlichen Gründen - sind doch noch gar nicht solange her. Und seit wann ist Marktmonopolisierung gut für den Verbraucher?
strike_7777 22.09.2017
2. "Die gute alte Lufthansa"
Hallo Frau Deckstein, sie haben sicherlich mitbekommen, dass nicht die gute alte Lufthansa wächst, sondern die Billigtochter, welche katastrophal bezahlt und deutsche Arbeitsplätze ins Ausland (Österreich) verlagert. Die Pilotengehälter bei Eurowings Europe sind einer A320 Flotte nicht angemessen und im Branchenvergleich ganz hinten. Selbst Ryanair zahlt besser mit seinen menschenverachtenden Arbeitsbedingungen.... Bitte informieren sie sich bevor sie dem Masterplan von Carsten Spohr und unserer Politik glorifizierend zustimmen. Countdown bis Herr Dobrinth im Lufthansa Aufsichtsrat sitzt: 5 Jahre.....4,99 Jahre....
spon_2502913 22.09.2017
3. Halb voll/ leer
Dann sind die Flieger eben halb leer, ob sich das rechnet ist eine andere Frage. Eins ist klar, die Piloten der LH verdienen über durchschnittlich gut und die Investoren möchten auch Rendite. Also wird sich auf Dauer nicht viel ändern
vollzeitpoltiker 22.09.2017
4. Unpassend
Hier wird also tatsächlich verglichen, dass bei einem T-Shirt für 5? die Produktionsbedingungen nicht so gut sind und das Gehalt von Flugzeugpiloten? Wenn ich sehe was AirBerlin Piloten die ja sicherlich auch genug verdienen oder Lufthansa Piloten für ihre Frühverrentung getan haben wird es Zeit, dass der Staat diese Konzerne durch die bevorzugte Vergabe von Start- und Landerechten nicht weiter unterstützt, sondern endlich für den notwendigen Wettbewerb sorgt. Für die vielen Fluggäste, aber auch im eigenen Interesse
uhu_13 22.09.2017
5. Marktwirtschaft nicht verstanden
Der Autor hat Marktwirtschaft nicht verstanden. Hoehere Preise durch fehlende Konkurrenz fuehren zu Ineffektiven Prozessen, hoeheren Gewinnen, Selbstbedienung bei den Personalkosten. Warum soll das fuer Kunden gut sein???? Sicherheit erzeugt man ueber Regulierung und Strafen, dass IST dann fuer alle Mitbewerber gleich. Fa die LH die Slots bekommt, sind genau diese Dinge zu erwarten. Flugamt BRD wir kommen, wie in alten Zeiten, teuer und schlecht.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.