Luftfahrtbranche Wie die Lufthansa bei Air Berlin mitmischt

Mit dem Chefwechsel bei Air Berlin ordnet sich die deutsche Luftfahrtbranche neu. Das hat auch Konsequenzen für die Ticketpreise.

Flugzeuge der Lufthansa und von Air Berlin
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Flugzeuge der Lufthansa und von Air Berlin

Von den manager-magazin.de-Redakteuren Sven Clausen und


Ein Lufthansa-Manager übernimmt den Chefsessel beim Konkurrenten Air Berlin. Hinter dem Abschied von Stefan Pichler als Air-Berlin-Lenker steckt die neue Aufstellung der Airline. Sie hat jüngst ihre touristische Flotte an ein Joint Venture von Etihad Airways und TUI abgegeben. Außerdem wurden 38 Flugzeuge langfristig an die Lufthansa-Gruppe vermietet. Die neue Air Berlin werde sich auf die Entwicklung ihres Langstrecken-Netzwerks mit 75 Flugzeugen ab Berlin und Düsseldorf konzentrieren, heißt es vonseiten der Fluggesellschaft.

Doch auch bei den verbliebenen Langstrecken wird nach Informationen aus Branchenkreisen über eine Lösung mit dem deutschen Marktführer Lufthansa diskutiert. Diese Konstellation verschaffte Lufthansa-Lenker Carsten Spohr reichlich informellen Einfluss: Nach Informationen von manager-magazin.de drängte er bei den Verantwortlichen von Air Berlin darauf, dass künftig ein Mann seines Vertrauens Air Berlin führt. Dieser soll einen reibungslosen Ablauf des Mietgeschäfts sicherstellen und zugleich den verbliebenen Rest der alten Air Berlin an die Lufthansa heranführen.

Die Leitung von Air Berlin soll daher ab Februar Lufthansa-Manager Thomas Winkelmann übernehmen. Winkelmann, der am 20. Dezember 57 Jahre alt wird, war langjähriger Chef des Lufthansa-Billigablegers Germanwings und verantwortet derzeit das Lufthansa-Drehkreuz München.

Thomas Winkelmann
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Thomas Winkelmann

Der Austausch Pichlers ist die zweite radikale Personalie im Zusammenhang mit der Lufthansa innerhalb weniger Wochen: Erst Anfang Dezember hatte Lufthansa-Chef Spohr die Verpflichtung von Thorsten Dirks für die Spitze der Billigtochter Eurowings bekannt gegeben. Dirks führt bislang den Deutschlandableger des Telefonunternehmens Telefonica (O2).

Spohr hatte wiederholt angedeutet, dass er sich nicht nur für die jetzt gemieteten Flugzeuge interessiert, sondern auch für die Fernflotte und den innerdeutschen Dienst von Air Berlin. Damit könnte er die Vormachtstellung der Lufthansa in Deutschland trotz der Attacken von Billigfliegern wie Ryanair oder Easyjet festigen. De facto würde Air Berlin sanft in der Lufthansa aufgehen.

Winkelmanns neuer Vertrag soll nach Informationen von manager-magazin.de eine Laufzeit von eineinhalb Jahren haben. Air Berlin äußerte sich nicht dazu. Offenbar soll er den Zusammenschluss der beiden größten deutschen Fluglinien in diesem Zeitraum bewerkstelligen. Noch nicht entschieden ist allerdings, wer für die hohen Schulden von Air Berlin von rund einer Milliarde Euro aufkommen soll.

Der Himmel über Deutschland wird neu aufgeteilt - die Konsequenzen

Mit der Quasi-Zerschlagung von Air Berlin wird die Luftfahrt in Deutschland neu geordnet: Air Berlin, noch vor wenigen Jahren auf einem selbstbewussten Wachstumskurs, muss seine Flotte halbieren und rund 1200 Mitarbeiter entlassen. Gewinner ist die Lufthansa-Tochter Eurowings. Sie bekommt auf die Schnelle 38 Maschinen aus dem Air-Berlin-Bestand zu einem vermutlich attraktiven Mietpreis. Damit erreicht der Niedrigpreisflieger eine gute Kampfgröße von etwa 160 Flugzeugen und ist die europäische Nummer drei in dem Segment.

Damit ist Etihads Angriff auf den europäischen Markt vorerst verpufft. Die Airline aus Abu Dhabi hatte mit Air Berlin große Pläne für ein europäisches Standbein. Nun ruhen die Hoffnungen auf der 49-Prozent-Beteiligung Alitalia. Doch auch die Italiener schreiben (noch) notorisch Verluste. Etihads Gegenrezept heißt wie bei Air Berlin: sparen. Doch die Uhr tickt: In Italien hat Ryanair den Ex-Platzhirschen auf Inlandsflügen als Nummer eins bereits verdrängt.

Die Aufteilung von Air Berlin wirkt sich auch auf den Ferienfliegermarkt aus. An den Start geht eine neue Gesellschaft, in die Maschinen der TUI-Tochter TUIfly und von Air Berlins Marke Niki einfließen. Gänzlich uninteressiert an den Vorgängen zeigt sich auch die Lufthansa nicht. Man schaue immer nach Gelegenheiten, sagte Eurowings-Chef Karl Ulrich Garnadt - gefragt, ob die Lufthansa an der Neuausrichtung des Ferienflieger-Markts mitwirken wolle.

Für Branchenexperten ist das, was gerade in der europäischen Luftfahrtindustrie passiert, nichts anderes als eine Konsolidierung. Die Zeiten, in denen Airlines mit niedrigen Preisen blind expandierten, sind offenbar zunächst vorbei. Stattdessen konzentrieren sich Flugzeuge zunehmend in den Händen weniger Gesellschaften. Das kleine Einmaleins der Marktwirtschaft legt nahe, dass deshalb die Ticketpreise steigen. Wettbewerbsexperte Justus Haucap rechnet mit zehn bis 20 Prozent. Zuletzt steigende Ölpreise verstärken den Trend.

In Dublin und London verfolgen die Manager von Easyjet und Ryanair die gegenwärtige Neuordnung des Luftraums über Deutschland (und anderen Teilen Europas) sicher auch mit freudigen Gefühlen. Zwar erwächst ihnen in Eurowings nominal ein potenter Konkurrent. Doch die Konsolidierung nimmt den Billigheimern vermutlich auch etwas Wettbewerbsdruck weg - vor allem wenn die Preise nun etwas steigen. Gelegen kommt den Discountern auch, dass etablierte Flughäfen wie Frankfurt um sie buhlen, weil die Nachfrage nach Flugreisen in Mitteleuropa langsamer wächst als erwartet.

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insgesamt 15 Beiträge
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mrschabak 19.12.2016
1. Von Monopol will keiner reden
Wie ist es eigentlich möglich, dass die Kartellbehörden bis dato wenig zu interessieren scheint, dass Lufthansa, auch weiter begünstigt durch diese Veränderungen, in Zentraleuropa mittlerweile eine Quasi-Monopol-Stellung einnimmt? Swiss, Austrian, Air Dolomiti, Adria Airways, Croatia Airlines u.v.m. Auf vielen Strecken wie z.B. München-Wien oder Frankfurt-Ljubljana gibt es somit überhaupt keinen Wettbewerb mehr. Entsprechend hoch die Preisgestaltung. Wann schreitet die Politik hier mal ein??
justine37 19.12.2016
2. Das ist ein Fall für das Bundeskartellamt
Mit der Quasi-Zerschlagung Richtig erkannt,Die LH will das Monopol an sich reissen für alle Fernflüge ab Deutschland Wird 80% Air Berlin Mitarbeiter rausswerfen und die Preise werden um 30% steigen Der Kunde ist dann der Dumme
winki 19.12.2016
3.
Damit dürfte es für die Piloten der LH künftig schwierig werden ihre überzogenen Forderungen per Streik durchzusetzen. Es gibt dann genug andere Maschinen und dazugehöriges Personal, die dann die ausgefallenen LH-Flüge übernehmen könnten.
philemajo 19.12.2016
4. Spielraum für Preisanpassungen begrenzt ...
Gehe nicht davon aus, dass die Preise signifikant steigen werden. Denn die Lufthansa hat sich zum Teil schon selbst durch die Eurowings die Preise verdorben, um nicht selbst durch Ryanair und Easyjet marginalisiert zu werden. Steigen die Preise, springen sofort andere in die sich öffnende, lukrative Streckenoption. Die allerwenigsten Airlines verdienen innereuropäisch überhaupt noch Geld. Und die Profite von Ryanair resultieren teilweise aus professionellem Low-Cost-Airlining, aber auch hier werden Arbeitsgerichte kritischer und werden einen Teil der Dumping-Lohn-bedingten Marge abschöpfen. Preise steigen erst wieder, wenn auch Kapazitäten aus dem Markt genommen, Subventionen für unrentable Provinzflughäfen gestrichen und ein Mindestmaß an Wertschätzung für "Service" entgegengebracht werden. Solange Menschen für ein Abendessen im Durchschnittslokal mehr Geld ausgeben wollen, als für eine Flugreise ins europäische Ausland wird sich daran nichts ändern.
hermes69 19.12.2016
5.
Zitat von justine37Mit der Quasi-Zerschlagung Richtig erkannt,Die LH will das Monopol an sich reissen für alle Fernflüge ab Deutschland Wird 80% Air Berlin Mitarbeiter rausswerfen und die Preise werden um 30% steigen Der Kunde ist dann der Dumme
Für viele Strecken mag das stimmen. Aber gerade im Langstrecken Sektor gibt es genug Alternativen. Sollte die LH jetzt wieder preislich anziehen - ich glaube nicht das es lange geht. Preis/Leistung stimmen bei dieser Airline schon lange nicht mehr.
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