Insolvente Fluglinie Diese Menschen entscheiden über Air Berlins Schicksal

Nach der Pleite von Air Berlin wird um die Überreste der insolventen Fluglinie geschachert. Wer hat dabei die besten Karten, wer fühlt sich ins Abseits gedrängt und wer kontrolliert den Prozess? Ein Überblick der wichtigsten Akteure.

Mundt, Spohr, Winkelmann, Baumgartner, Flöther, Dobrindt (von oben im Uhrzeigersinn)
DPA;Reuters

Mundt, Spohr, Winkelmann, Baumgartner, Flöther, Dobrindt (von oben im Uhrzeigersinn)


Vom Insolvenzantrag bis zum Verhandlungsstart dauerte es nur drei Tage: Seit Freitag wird darüber beraten, was nach der Pleite aus Air Berlin wird.

Wer ist an den Überbleibseln von Deutschlands bislang zweitgrößter Airline interessiert? Wer überwacht den Verkauf? Und wer will sich einen Platz am Verhandlungstisch notfalls einklagen?

Der Hauptinteressent

Carsten Spohr
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Carsten Spohr

Lufthansa-Chef Carsten Spohr dürfte bei den Verhandlungen die wichtigste Rolle spielen. Mit der Lufthansa wird deshalb auch zuerst gesprochen. Bereits seit Monaten treibt der umsatzstärkste Luftverkehrskonzern Europas die Übernahme von Air Berlin in Gesprächen mit der Politik und dem Großaktionär Etihad voran. Ein erster Erfolg war die im Januar genehmigte Anmietung und faktische Übernahme von 38 Mittelstrecken-Maschinen, rund ein Viertel der Air-Berlin-Flotte.

Spohr sucht nun weitere Maschinen sowie Start- und Landerechte für seine Billigflieger-Gruppe Eurowings. Insgesamt will Lufthansa Chart zeigen nun nach SPIEGEL-Informationen rund 70 von 140 Flugzeuge übernehmen. Weitere Maschinen könnten beim Billigflieger Easyjet Chart zeigen sowie beim Touristikkonzern TUI landen, der diese in der Vergangenheit zu hohen Gebühren an Air Berlin vermietet hatte.

Für sein Ziel, den Billigflieger Ryanair Chart zeigen von den größeren deutschen Flughäfen fernzuhalten, muss Spohr aus Wettbewerbsgründen wohl wachsende Marktanteile der anderen Anbieter in Kauf nehmen.

Der Gläubiger

Peter Baumgartner
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Peter Baumgartner

Der Schweizer Peter Baumgartner steht noch nicht lange an der Spitze von Etihad. Es war sein Vorgänger James Hogan, der den Staatskonzern aus Abu Dhabi 2012 zum Großaktionär von Air Berlin machte. Immer wieder hielt Etihad die Berliner seitdem mit Finanzspritzen am Leben. Die Beteiligung an der angeschlagenen deutschen Airline war Teil eines ambitionierten Wachstumskurses, der jedoch große Verluste brachte. Auch mit seinem Anteil an Alitalia Chart zeigen hatte Etihad kein Glück.

Anfang des Jahres musste Hogan gehen, vergangene Woche entzog Etihad dann Air Berlin die Unterstützung. Wenige Tage später sah sich die deutsche Fluglinie zur Insolvenzanmeldung gezwungen.

Ein Großteil der Schulden von Air Berlin in Höhe von 1,5 Milliarden Euro wird wohl am Partner hängenbleiben. Etihad wehrt sich gegen den Eindruck, Air Berlin im Stich gelassen zu haben. Das Unternehmen habe im April nochmals 250 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Angesichts der "sich rapide verschlechternden Geschäftsergebnisse und Liquidität" wollte Etihad aber nicht noch mehr Geld in Air Berlin pumpen.

Die Überbrücker

Brigitte Zypries und Alexander Dobrindt
picture alliance / Daniel Reinha

Brigitte Zypries und Alexander Dobrindt

Die Bundesregierung hat es ermöglicht, dass über die Zukunft Air Berlins in halbwegs geordneten Bahnen geredet werden kann. Ohne den Brückenkredit von 150 Millionen Euro hätte die Fluggesellschaft sofort den Betrieb einstellen müssen, Zehntausende Passagiere wären an ausländischen Flughäfen gestrandet. Man habe den "nötigen Rahmen" für Übernahmegespräche geschaffen, sagte Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD).

Nun hält es Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) allerdings für dringend geboten, dass Lufthansa wesentliche Teile der insolventen Airline übernimmt. Eine erstaunliche Festlegung, immerhin sitzt die Bundesregierung nach eigenen Angaben nicht mit am Verhandlungstisch.

Der Kläger

Michael O'Leary
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Michael O'Leary

Als "abgekartetes Spiel" zugunsten von Lufthansa hat Michael O'Leary den staatlich abgesicherten 150-Millionen- Euro-Kredit für Air Berlin bezeichnet. Der Ryanair-Chef kündigte Kartellbeschwerden in Deutschland und Europa an. Die Insolvenz sei künstlich herbeigeführt worden, es gebe ein "Komplott" von deutscher Regierung, Lufthansa und Air Berlin gegen die Konkurrenz.

O'Leary ist für sein selbstbewusstes Auftreten bekannt. Seine Fluglinie hat bereits mehr als 300 Flugzeuge und bekommt jedes Jahr 50 neue hinzu, für die in ganz Europa Punkt-zu-Punkt-Strecken gesucht werden. Derzeit gilt das größte Interesse der Billigfluglinie Deutschland und Italien, wo mit Alitalia und Air Berlin jeweils eine verkehrsreiche Airline in die Insolvenz gegangen ist.

Deren Verbindungen würde O'Leary liebend gern übernehmen, die Flugzeuge und ihre teils teuren Crews eher nicht. Ryanairs Image als Arbeitgeber ist schlecht - was die Position in der politischen Auseinandersetzung um Air Berlin schwächen dürfte.

Die Abwickler

Thomas Winkelmann
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Thomas Winkelmann

Gleich zwei Top-Sanierungsexperten sind in die Rettungsbemühungen involviert. Der Düsseldorfer Jurist Frank Kebekus sitzt als Generalbevollmächtigter an der Seite von Air-Berlin-Vorstandschef Thomas Winkelmann im Cockpit. Seine Mission: Das Geschäft soll so normal wie möglich weiterlaufen. Das Duo Kebekus/Winkelmann leitet die Verkaufsverhandlungen.

Der zweite Insolvenzexperte, Lucas Flöther, überwacht als vorläufiger Sachwalter im Auftrag der Gläubiger alle Vorgänge. Beide Rechtsanwälte kennen einander seit Jahren vom Gravenbrucher Kreis. In diesem Verband sind die 30 führenden Insolvenzverwalter organisiert.

Lucas Flöther
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Lucas Flöther

Kebekus war zuletzt unter anderem als Insolvenzverwalter beim Modekonzern Steilmann gefragt. Flöther wurde bereits zweimal mit der Rettung des Fahrradherstellers Mifa betraut und beschäftigte sich mit der Pleite des Leipziger Internetunternehmens Unister.

Die Schiedsrichter

Andreas Mundt
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Andreas Mundt

Bundeskartellamtschef Andreas Mundt hat angekündigt, dass seine Behörde sich eine Übernahme von Air Berlin "gegebenenfalls sehr genau ansehen" werde. Auch die EU-Kartellwächter könnten Einsprüche gegen einen Deal erheben.

Die Wettbewerbshüter müssen überprüfen, ob eine beherrschende Stellung in Teilbereichen des Luftverkehrsmarktes entsteht. Ein Monopol droht bei einer Übernahme durch die Lufthansa laut einer Auswertung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) vor allem auf innerdeutschen Strecken.

dab/dpa

insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
vokö¶ 19.08.2017
1. Hoffentlich übernimmt Lufthansa
... noch einen Luftfahrt-Clown und Selbstüberschätzer wie Mehdorn oder jetzt Wöhrl können wir nicht gebrauchen. Ich fliege regelmäßig mit Air Berlin und würde mich freuen, wenn endlich wieder Stabilität und Pünktlichkeit einkehren würden. Und das bekommen Profis wie Lufthansa am besten hin, auch wenn es dann vielleicht etwas mehr kostet. Im Interesse der Mitarbeiter und langfristig wohl auch der Flugsicherheit kann man nur hoffen, dass die Lohndumper und Steuervermeider von Ryanair draußen bleiben.
post.scriptum 19.08.2017
2. Die Bundeskartellbehörde könnte mal wieder ...
... einen Strich durch die Rechnung machen und verhindern, dass eine insolvente Firma in geordnete Bahnen abgewickelt wird. Unvergessen die Eingriffe der Behörde bei der ins Strudeln geratenen Kaiser's Kette, wobei das Negativvotum der Kartellwächter erst durch Gabriel's mutige Ministererlaubnis ausgehebelt wurde und somit Tausende von Arbeitsplätzen gerettet werden konnten. Ähnliches Ungemach droht nun von den Kartellwächtern wieder bei der Übernahme der Reste von Air Berlin. Auch hier sollte die Politik wachsam gegenüber der Kartellbehörde bleiben und erforderlichenfalls per Ministererlaubnis eingreifen.
spiegelneuronen 19.08.2017
3. Das sind Hasadeure bei AB und LH
Da hat ein anderer, der Leistung bringt und dafür kein Steuergeld oder Fremdkapital benötigt, alles nötige schon gesagt. https://www.youtube.com/watch?v=aIIMyCOBPg8 Das System Marrktwirtschaft wird kaputtgemacht und soziale Marktwirtschaft heißt auch nicht, dass unerfreuliche Mehrkosten für Tickets erspart werden, sondern dabei geht es um Hilfe für Bedürftige. Plötzlich haben alle Familien 5 Kinder und würden dann eneorme Rückreise- oder Hotelmehrkosten zahlen. - Wieviel Kinder hat eine durchnittliche Familie? Warum soll der Steuerzahler dafür bezahlen? Das was die Lufthansa da macht ist Leichenfledderei, Herr Spohrs war schon Anfang Mai bei Frau Merkels Reise nach Abu Dhabi dabei (Wirtschaftsdelegation) und die Firmenkonstrukte und Absicherungen von Lufthansa / Air Berlin bzw. Winkelmann sind widerwärtige Hasadeur-Konstrukte von Nichtleistern. Geld vom Steuerzahler bekommen aber Bedürftige, nicht Größenwahnsinnige mit chronischer Gier.
jjcamera 19.08.2017
4. erstaunlich?
Mit seiner "erstaunlichen" Empfehlung für die Lufthansa sichert Dobrindt den Überbrückungskredit sowie einen reibungslosen Besitzübergang ohne allzu große Arbeitsplatzverluste ab. Das sähe bei Ryanair oder Easyjet anders aus. Wöhrl kommt ohnehin nicht in Frage. Eine Empfehlung wird ein deutscher Minister doch aussprechen dürfen? Oder soll er sagen: was aus der Air Berlin wird, ist mir egal? Der Kredit ist vor allem auf Frau Zypries Mist gewachsen.
enfield 19.08.2017
5. Puhh
Der Donrindt ist wirklich sowas von untragbar. Ein weiteres Mal agiert er als ob sein Ressort für Wirtschaft zuständig wäre, während die Wirtschaftsministerin ihren Job in angemessenen Rahmen (nämlich wirtschaftliche Nachteile für Verbraucher abfedern) gut macht und eben nicht einseitig Partei für gewisse Unternehmen ergreift. Donrindt hängt sich jetzt auch noch voll in die ohnehin zweifelhafte Insolvenz-Causa. Na wenigstens sind das wohl seine letzten Wochen/Monate in irgendeiner Regierungsverantwortung.
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