Untersuchung in New York 72 Prozent der Airbnb-Vermietungen angeblich illegal

New York geht massiv gegen private Wohnungsvermittlung per Airbnb vor. Die Stadt soll durch kommerziellen Missbrauch der Plattform hohe Millionenbeträge an Hotelsteuern verloren haben. Jetzt wird gegengesteuert.

Central Park, New York: Billigere Angebote in angesagten Stadtteilen
AP

Central Park, New York: Billigere Angebote in angesagten Stadtteilen


New York - 72 Prozent illegal: Ein Großteil der Airbnb-Angebote in New York in den vergangenen vier Jahren sollen nicht rechtens gewesen sein. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung, die der New Yorker Bundesanwalt Eric Schneiderman in Auftrag gegeben hatte. Demnach sind der Stadt durch die Plattform mehr als 33 Millionen Dollar (etwa 26 Millionen Euro) an Hotelsteuern entgangen.

Airbnb vermittelt im Internet gegen Provision Apartments, Zimmer oder Betten. Die Justiz der Stadt New York versucht schon lange, dagegen vorzugehen. Schneidermans Büro hat nun Daten von 16.000 Vermietern über den Zeitraum von Januar 2010 bis Juni 2014 ausgewertet. Die Angaben hatte Airbnb nach einer gerichtlichen Entscheidung herausgeben müssen.

Das Ergebnis: Die Plattform werde von kommerziellen Vermietern unterwandert. Diese Großanbieter seien zwar nur sechs Prozent der gesamten Nutzer, machten aber 37 Prozent des Umsatzes aus. Ein einziger Nutzer habe 272 Wohnungen angeboten und damit 6,8 Millionen Dollar umgesetzt. Alleine durch ihn habe Airbnb fast 800.000 Dollar an Gebühren eingenommen.

Das Unternehmen teilte mit, es habe mittlerweile Vorkehrungen gegen kommerzielle Nutzung getroffen. Schon bevor Airbnb Schneiderman die Nutzerdaten im Mai aushändigte, hatte es etwa 2000 Angebote von seiner Website entfernt. Schneiderman kündigte seinerseits nun eine Initiative gegen die illegalen Vermietungen an.

Funktionierende Regelungen gibt es bereits

In San Francisco haben sich Airbnb und Behörden inzwischen auf eine Regelung geeinigt. Dort müssen sich Vermieter jetzt bei der Stadt anmelden und Hotelsteuern bezahlen. Sie dürfen ihre Wohnungen nicht länger als 90 Tage untervermieten, wenn sie selbst nicht dort sind. In New York ist das Mietrecht jedoch deutlich vertrackter.

Reisende nutzen Portale wie Airbnb, weil die Übernachtung günstiger ist als viele Hotels, die Wohnungen sich meistens in einem interessanten Viertel befinden und häufig der direkte Kontakt zu Einheimischen möglich wird. So wurden im vergangenen Jahr drei Millionen Wohnungen auf der ganzen Welt über die Website gebucht. Das Wirtschaftsmagazin "Forbes" schätzte den Jahresumsatz 2012 des Internetunternehmens auf 150 Millionen Dollar.

vks/dpa



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 54 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
spon-facebook-10000283853 17.10.2014
1.
Unglaublich, wie sich die Medien auch in Deutschland die Terminologie der Lobbys und machtgieriger Politiker zu eigen macht. In Deutschland wurde öfter gerichtlich festgestellt, dass Vermietung auch Vermietung ist, wenn sie kürzer statt findet. Hotelsteuern muss da keiner zahlen - und wenn es hotelähnlich ist, kann man ja sicherlich gegen vorgehen (Concierge, Putzfrau, Frühstück etc.) Aber die allermeisten vermieten ihr Zimmer oder haben ein oder 2 Apartments. Dass die Hotellobby dagegen vorgehen will ist klar - dass Medien sich vor den Karren spannen lassen nicht.
farid1979 17.10.2014
2.
Sind die Vermietungen per se illegal, oder nur für illegal erklärt worden, weil die Stadt nix mehr dran verdient? Im zweiten Fall wäre mir es persönlich egal, ob die Stadt Einnahmen hat. Sie macht mir ja auch nicht die Taschen voll, warum Ahso sollte ich das tun.
bombi_22 17.10.2014
3. Jeder, der....
... schon mal in NYC, London oder Rom in den verwanzten Bruchbuden für < 80 €/Nacht gehaust hat, wird sich an die leisen Gebete erinnern, dass es bitte nicht brennen möge, weil dann die Chancen, noch rauszukommen gegen 0 gehen. Genau diesen Abzocker-Absteigen (nicht dem Savoy und auch nich dem WA) geht es dank Airbnb/Wimdu etc. jetzt aber zurecht an den Kragen. Argumente wie Brand- und Versicherungsschutz muten da wie blanker Hohn an. Das ist funktionierender Wettbewerb in Reinform! Weiter so!
gerberth1 17.10.2014
4. Unglaublich, wie manche Menschen...
... sich von den machtgierigen Internetkonzernen einlullen lassen und ihre Terminologie vom Teilen und Wohlstand für alle übernehmen. Ist Ihnen noch nicht der Gedanke gekommen, dass neben Hotels auch die Internetwirtschaft Lobbyisten beschäftigt? Der Artikel zeigt auch gut, warum sie die brauchen: Weil ihr Geschäft auf Kosten der Allgemeinheit und der "kleinen Leute" geht. Jede Übernachtung bei Airbnb schädigt eben nicht nur die Besitzer von Hotelketten, sondern auch die Menschen, die dort angestellt sind und bedroht Normaljobs für Kellner und Zimmermädchen. Bei Airbnb profitieren dagegen vor allem Vermieter, die eh schon Wohnungen in den besten Stadtvierteln haben. Und die entweder soviel Geld haben, dass sie wochen- und monatelang in Urlaub fahren können, oder aber mehrere Wohnungen besitzen. Womöglich gleich dutzende, und die werden dann nicht zu normalen Preisen an Wohnungssuchende vermietet, sondern über die Plattform zu rund-ums-Jahr-Ferienwohnungen, um noch mehr Geld zu machen. Und von allem kriegt Airbnb immer noch Provision (für fast nichts - wie alle Internetkonzerne). Wer Airbnb bucht, zerstört kleine Arbeitsplätze, verteilt Geld an die, die eh schon die teuren Wohnungen besitzen und an die Aktionäre der Großkonzerne.
moe.dahool 17.10.2014
5. Da kann jemand nicht lesen
Es ist nicht die Hotellobby, sondern der amerikanische Fiskus, der gegen illegale Vermietungen vorgeht. Und niemand sagt etwas gegen den eigentlichen Zweck von Airbnb. Es geht rein um den Missbrauch durch professionelle Vermieter. Wer Einnahmen hat, die über ein Zubrot hinaus gehen, muss Steuern zahlen. Es geht immerhin um die Finanzierung von Infrastruktur, sozialen Leistungen, etc. Wer das anders sieht hat eine recht merkwürdige Vorstellung von einer Solidargemeinschaft. Die Amis machen es uns vor. Schon komisch aber auch bezeichnend, dass sie es gerade sind.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.