Airbus A380 vor dem Ende "Es wäre besser gewesen, wenn sie ihn leichter gebaut hätten"

Einst als Superflieger gehandelt, steht der Airbus A380 offenbar vor dem Aus. Der Abnehmer Qatar Airways weint dem Flieger keine Träne nach - weil er zu schwer und zu teuer sei.

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Die Zukunft des größten Passagierjets der Welt steht auf der Kippe - nur ein Jahr, nachdem der Airbus A380 vorläufig gerettet worden war. Grund sind Spekulationen, die arabische Fluggesellschaft Emirates - ein besonders wichtiger A380-Käufer - wolle ihre jüngste Bestellung von zwanzig Maschinen ändern - und lieber den kleineren Langstreckenjet A350 kaufen.

Der Flugzeugbauer bestätigte, dass er mit Emirates über den A380-Auftrag spreche. Zu Details wollte sich das Unternehmen aber nicht äußern. Emirates und der ebenfalls betroffene Triebwerksbauer Rolls-Royce lehnten eine Stellungnahme ab.

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Riesenflieger: Airbus A380 - vom Hoffnungsträger zum Ladenhüter

Der Chef eines anderen wichtigen Airbus-Kunden - Akbar Al Baker von der Fluggesellschaft Qatar Airways - würde dem Jet jedenfalls keine Träne hinterherweinen. Traurig über eine mögliche vorzeitige Einstellung wäre er nicht, sagte der Manager dem Luftfahrtportal "aero.de". Die arabische Fluglinie hat selbst zehn Maschinen des Typs in ihrer Flotte. Doch nach Al Bakers Auffassung ist der Flieger zu schwer, weil seine Tragflächen für die nie gebaute Langversion ausgelegt sind.

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Dadurch verbrauche die Maschine mit ihren vier Triebwerken zu viel Treibstoff. "Die Flächenstruktur der A380 könnte weitere 100 Tonnen Gewicht tragen, es wäre besser gewesen, wenn sie die Flügel für das tatsächliche Gewicht des Flugzeugs maßgeschneidert und damit wesentlich leichter gebaut hätten", sagte Al Baker. "Dann wäre es das perfekte Flugzeug gewesen." Der Flieger sei möglicherweise zur falschen Zeit auf den Markt gekommen, bevor die Ölpreise stark anstiegen.

beb/dpa



insgesamt 121 Beiträge
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ruhepuls 06.02.2019
1. Hinterher ist man immer schlauer...
Das ist das Problem bei solchen Großprojekten: Zwischen der Zeit, in der sie entworfen werden - und dem Zeitpunkt, ab dem sie auf den Markt kommen, liegen Jahre. Und die Zeiten ändern sich eben - nur weiß niemand, wann genau. Als man den A380 entwarf, war es ein gutes Flugzeug.
hummer2311 06.02.2019
2. mag sein
das die Airlines ihm nicht nach weinen .... die Kunden tun es mit sicherheit! Denn kein Flugzeug ( stand heute ) ist so ruhig und leise . Auch der 350 nicht und Boing schon lange nicht .... somit sollte auch Emirates es sich überlegen .... denn das war bisher für mich als Vielflieger der Hauptgrund warum ich mit ihnen fliege! Und sollen sie auf Boing umsteigen ... na dann auf wiedersehen!
dwg 06.02.2019
3.
Zitat: "Der Flieger sei möglicherweise zur falschen Zeit auf den Markt gekommen, bevor die Ölpreise stark anstiegen." Zu Zeiten des Erstfluges des A380 war der Ölpreis ungefähr auf der heutigen Höhe, stieg vor der Finanzkrise kurz bis 140$, bewegt sich dann nach der Erholung zwischen 75$ und 100$ und pendelt seit etwa 2014 um 50$. Insofern sehe ich das Argument nicht. Wichtiger scheint mir die überdimensionierte Flügelstruktur für die Langversion, wenn denn das so stimmt, obwohl ich persönlich nichts gegen etwas strukturelle Reserven habe.
gammoncrack 06.02.2019
4. Da kann man wieder sehen, warum Airbus immer wieder Probleme hat.
Einfach ein Stück von den Flügeln absäge und schon wäre Qatar Airways zufrieden. Ich bewerbe ich mal bei denen als Troubleshooter.....
LauraD 06.02.2019
5. Ach, wie vertraut...
Den angeblich so schweren Flügel (für den Airbus ein eigenes Composit-Material erfinden mußte!) verdankt der A380 den Anforderungen der damaligen Besteller, die schon Optionen für eine gestreckte Version in der Schublade hatten(!). Ähnlich, wie zu ihrer Zeit die B747 ist der A380 aber ein richtungsweisender Entwurf, architektonisch wie technisch. Und wie die B747, die 1969 direkt in die Ölkrise startete, braucht der A380 nun etwas längeren Atem. So, wie die richtungsweisende Konstruktion von Joe Sutter und seinem Team gerade durch die mehrfach redundante Auslegung der wichtigsten Systeme die Luftfahrt-Sicherheit auf das heute bekannte Maß hob, können heute noch mehrere hundert Quantas Passagiere 2. Geburtstag feiern: Ein leichterer Flügel hätte die Durchschüsse der fehlerhaft gefertigten Rolls-Royce Turbine womöglich nicht so leicht weggesteckt, auch so brauchte es eine extrem gute und erfahrene Cockpit-Crew. Dies btw nur an die Schreihälse, die Piloten nur als teure Taxifahrer sehen und sich autonomes Fluggerät herbeiwünschen.... ;) Bitte, liebe Airbus Leute: Die 747 hat Pan Am und TWA zu Größe verholfen - und zu ihrem Niedergang. Fliegen tut sie heute noch, und mit großer Sicherheit - fragen sie mal einen Piloten, ob er lieber mit 2 oder 4 Triebwerken über Atlantik oder Pazifik fliegen möchte... Deshalb hat der A380 etwas Vertrauen und langen Atem verdient. Mit Überschall werden wir auch morgen nicht reisen - mit einem CNG oder E-Hybrid Airbus aber viel früher, als das viele heute für möglich halten. Bezogen auf den einzelnen Passagier kann man aber schon heute kaum günstiger (langstrecken-)reisen, als mit dem A380. Eine Flugzeugstrategie sollte länger halten als die Jahresberichte von CEO's, die in 2, 3 Jahren schon woanders sind.
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