Airbus-Verkäufer John Leahy Der "Eine-Billion-Dollar-Mann" tritt ab

Airbus' legendärer Chefverkäufer John Leahy räumt seinen Posten - nach mehr als 16.000 verkauften Flugzeugen. Dem kriselnden Riesenflieger A380 allerdings konnte selbst er nicht helfen.

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Sein Ding waren die großen Deals - und sein letzter war zugleich der größte: John Leahy, Verkaufschef des Flugzeugbauers Airbus, brachte im November gleich 430 Jets auf einen Schlag an den Mann, genauer gesagt an den US-Investor Indigo Partners. Nominaler Listenpreis der Maschinen: fast 50 Milliarden Dollar. Damit war der Verkauf das größte Geschäft der Luftfahrtgeschichte.

Leahy, 67 Jahre alt, war immer der Mann für die ganz großen Abschlüsse. Wenn er Ende Januar abtritt und die Geschäfte an seinen Nachfolger übergibt, wird er für Airbus mehr als 16.000 Flugzeuge verkauft haben. Eine andere Zahl macht die Bedeutung Leahys für den Konzern noch deutlicher: Die Aufträge, die er seit 1994 für Airbus eingeworben hat, übersteigen die Marke von einer Billion Dollar.

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Airbus: Der größte Deal des John Leahy

Leahys Nachfolger wird Ende Januar der Rolls-Royce-Manager Eric Schulz. Leahy soll dem Neuen noch für eine Übergangszeit von wenigen Monaten zur Seite stehen. Der Betriebswirtschaftler mit Pilotenlizenz war in den Achtzigerjahren vom amerikanischen Flugzeugbauer Piper zu Airbus gekommen. Als Verkaufschef brachte er den Marktanteil der Europäer von 18 Prozent auf Augenhöhe mit Boeing.

Spitzen gegen Boeing

Luftfahrtmessen nutzte der charismatische Leahy gern, um große Bestellungen zu inszenieren. Mit Großkunden wie dem Chef des malaysischen Billigfliegers AirAsia, Tony Fernandes, verhandelte er oft über Nacht, um in letzter Minute doch noch die Unterschrift zu bekommen. Es blieb der Eindruck, dass da alte Kumpel um Preis und Flieger pokerten - und sich danach öffentlich feierten.

Beim Komfort der Mittelstreckenjets kokettierte der 67-Jährige gern mit seiner rundlichen Figur: Im Airbus A320 und der Neuauflage A320neo sei jeder Sitz rund 2,5 Zentimeter breiter als in Boeings Konkurrenzmodell 737 und der modernisierten Version 737-MAX.

Überhaupt: die Mittelstreckenjets. Leahy gilt als der Mann, der die Modernisierung des Verkaufsschlagers A320 mit sparsameren Triebwerken nach intensiven Gesprächen mit vielen Airlines vorangetrieben hat. Während Boeing über die neue A320neo spöttelte, holte Leahy binnen weniger Monate mehr als tausend Bestellungen herein - und zwang die Amerikaner dazu, ihrer 737 ebenfalls eine Modernisierung zu spendieren.

Nur eines gelang selbst dem Verkaufsgenie Leahy nicht: dem prestigeträchtigen Riesenflieger A380 zum Durchbruch zu verhelfen. Gebetsmühlenartig wiederholte Leahy jahrelang seine Überzeugung, dass das wachsende Passagieraufkommen in aller Welt mittelfristig nur mit solchen Riesenjets zu bewältigen sei. Doch seit Jahren hat kaum eine Airline mehr den doppelstöckigen Riesenflieger bestellt, und Airbus fährt die Produktion massiv herunter.

beb/dpa

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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
INGXXL 15.01.2018
1. ohne guten Verkäufer geht jedes
Unternehmen pleite. Da sage ich als Ingenieur. Also alles Gutes und hoffentlich darf er ,weil die Gesundheit mitspielt noch selbst an den Steuerknüppel
Dr.W.Drews 15.01.2018
2. Überschätzt
Ich halte diesen Kult für völlig weltfremd. Flugzeuge werden nicht von einem einzelnen Starverkäufer an den Mann gebracht. Dafür gibt es ganze Teams die unternehmerische, strategische und politische Entscheidungen der Firmenleitung und auch der (staatlichen ) Anteilseigner, Finanzierer, Leasinggesellschaften, Fluggesellschaften, etc. umsetzen. Dem einen Mann an der Spitze den Erfolg zuzuschreiben ist weltfremd.
postmaterialist2011 15.01.2018
3. Und andersrum !
Zitat von INGXXLUnternehmen pleite. Da sage ich als Ingenieur. Also alles Gutes und hoffentlich darf er ,weil die Gesundheit mitspielt noch selbst an den Steuerknüppel
Genauso nützt der beste Verkäufer nichts, wenn das Produkt nicht stimmt. Leider werden in deutschen Unternehmen beide Seiten oft gegeneinander ausgespielt. Ich habe vor vielen Jahren einmal den Technikvorstand meines damaligen Arbeitgebers zu wichtigen Kunden in Asien mitgenommen. Dieser ging davor davon aus, dass wir nur gerne fliegen, uns in guten Restaurants den Magen vollschlagen und konstant nur an der Technik herummäkeln. Nach einer Woche meinte er, dass der Vertrieb sehr wohl ein harter Job mit oft sehr langen und anstrengenden Tagen sei und er von den Kunden sehr wertvollen Input erhalten habe. Danach stand mir bei Heimatbesuchen sein Büro immer offen und wir haben eine sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit zum Wohle des Unternehmens begonnen.
gruebi01 15.01.2018
4. Der mann an der Spitze ist wichtig!
Richtig ist, dass Produkt (siehe Misserfolg A 380), Preis und insbes. bei Passagierflugzeugen auch das pol. Umfeld stimmen müssen. Dennoch ist der Chefverkäufer wichtig, denn selbst auf diesem Niveau muß auch die Chemie zwischen den Entscheidern stimmen. Insofern geht mit Leahy ein äußerst wichtiger Mann.
panhead55 15.01.2018
5.
Dr.Drews Nätürlich steht ein Team dahinter. Aber trotz all dem war Leahy der Treiber mit entsprechenden Fähigkeiten im Vertrieb. Und die Amerikaner können Vertrieb. Und da kommt er ja her. Wie überall braucht es einen Leader. So auch im Vertrieb. Also was soll die Abqualifizierung. Das treibt mir den Zorn ins Gesicht. Von Vertrieb verstehen Sie offensichtlich nicht besonders viel......
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