Schräge Airbus-Patente Business, Economy, Fahrradsitz

Eine Passagierkabine in Donut-Form - das ist nur die jüngste von zahlreichen kuriosen Ideen von Airbus. Auch Stehsitze mit Fahrradsattel oder Cockpits ohne Fenster lassen sich Jules Vernes Landsleute patentieren. Eine Übersicht.

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Hamburg - Liegt es am Pastis, der im Süden Frankreichs auch heute noch gern zum Mittagessen getrunken wird? Oder an der geradezu rührenden landestypischen Begeisterung für technische Spielereien, die jeder bestätigen kann, der in Frankreich einmal einen Getränkeautomaten bedient hat? Jedenfalls fördert das Stöbern in Patentanträgen des Flugzeugbauers Airbus mit Zentrale im südfranzösischen Toulouse eher Unerwartetes zutage: ebenso unterhaltsame wie spielerische - und nebenbei auch dem Laien verständliche - Skizzen über die mögliche Zukunft des Fliegens.

Statt auf dröge oder nur Fachlesern verständliche technische Spezifikationen stößt man etwa in der Onlinedatenbank des Europäischen Patentamts auf eine ganze Reihe von Airbus-Erfindungen, die an Romane von Jules Verne erinnern - oder zumindest an Tim-und-Struppi-Geschichten.

Das gilt in jedem Fall für die Ideen: die Passagierkabine in Form einer Schmalznudel etwa oder das fensterlose Cockpit, integriert in die Heckflosse. Doch auch ästhetisch wirken die Zeichnungen und Skizzen der Patentschriften, als seien die Airbus-Ingenieure noch immer von ihrer Kindheits- und Jugendlektüre inspiriert. Eine Bildsprache, die nicht nur Fachpublikationen wie den Schweizer "Aero Telegraph", sondern auch renommierte Zeitungen wie die "Financial Times" aufmerksam werden lässt.

Airbus selbst legt zwar Wert darauf, dass sämtliche Patentanträge durchaus ernst gemeint sind. Das heiße jedoch nicht, dass die Ideen auch umgesetzt würden, sagt ein Airbus-Sprecher. Vielmehr gehe es darum, die Rechte an den eigenen Ideen für alle Fälle schon einmal zu sichern. Daher reicht der Konzern die Anträge in der Regel bei den Patentämtern sowohl in Europa als auch in den USA ein. Für einige der kuriosen Ideen ist Airbus auch schon ein Patent erteilt worden.

Von der Schmalznudel-Kabine über den Stehsitz mit Fahrradsattel für die Ultra-Economy-Klasse bis hin zum Zwillingsrumpf-Flugzeug:Hier finden Sie die kuriosesten Patente der Airbus-Ingenieure.

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insgesamt 26 Beiträge
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reever_de 19.11.2014
1. Nanu ...
Das gleiche war doch vor kurzem erst bei SPON zu lesen? Nun ja, wenn die Kunden immer billger fliegen wollen ("Geiz ist geil"), also für 50 EUR nach Malle und zurück zum Partymachen, dann sollen sie auch solche besseren "Stehhilfen" bekommen. Wer vernünftig sitzen will, muss dann halt entsprechend in die Tasche greifen. Die Industrie liefert halt, was der Kunde will und vor allem was er dazu bereit ist zu bezahlen. Nichts anderes.
testi 19.11.2014
2. Schräge?
Es ist wichtig seine Erfindungen frühzeitig patentieren zu lassen. Das schützt, dass Erfindungen nicht einfach kopiert werden. Und wenn, dann hat man wenigstens was in der Hand, mit dem man klagen kann. Schräge finde ich diese Erfindungen ganz und gar nicht. Flugzeuge werden in den nächsten Jahren ihre Form hin zum Nurflügler änderen. Da macht es Sinn, sich schon rechtzeitig über die Raumausnutzung Gedanken zu machen. Schräge finde ich es, sich "runde Ecken" patentieren zu lassen.
ilek 19.11.2014
3. Besonders schräg oder kurios kann ich die P-Anträge
ehrlichgesagt nicht finden. Ok, das mit den Fahrradsätteln ist schon etwas schwer vorstellbar. Aber Nur-Flügler oder Doppelrumpf-Flugzeuge sind vom Konzept her weder extrem ungewöhnlich oder kurios. Da gab es schon zahlreiche Vorschläge dazu. Sie sind beslang nur technisch schwer zu realisieren. Dass das bisherige Konzept - lange Röhre mit seitlich angepappten Flügeln von der Kapazität her am Ende der Fahnenstange angekommen sein wird, ist spätestens seit dem A 380 klar. Deutlich größer wird man ein konventionelles Flugzeug nicht mehr baune können. Zum Cockpit: Auch nur logisch, wenn auch noch nicht technisch realisierbar. Aus den modernen Cockpits sieht man u.a. aufgrund der aerodynamischen Form der Hülle immer weniger. Die alte Concord musste sogar ihre Spitze nach unten klappen, damit die Piloten bei Start/Landung etwas sahen. Die Idealvorstellung wäre ein Kuppelcockpit wie bei einem Hubschrauber, mit Sicht auch nach unten. Das Patent schlägt vor dies virtuell zu simulieren. Ähnlich wie die Rückwärts-Kamera beim Auto wird das wohl auch in kleinen Schritten in die Cockpits Einzug halten. An diesen Techniken wäre sicher auch das Millitär interessiert (Panzer, Kampfflugzeuge, U-Boote usw. mit Rundumblick)
Markus Landgraf 19.11.2014
4. Jules Verne aus Bremen
Nanu, seid wann ist man Landsmann von Jules Verne, wenn man aus Bremen (Airbus) kommt? Oder gab es schon 1828 schon die EU?
static2206 19.11.2014
5. Wow Nurflügler und Doppelrumpf
beides gab es schon im dritten Reich. Von reinen Displays halte ich persönlich nichts. Was wenn diese ausfallen? Dann ist der Pilot blind. Als Ergänzung ja, aber ich finde bei Transportmitteln wo es auch um Menschenleben geht sollte zumindest eine störungsfreie, robuste Fallbacklösung vorhanden sein. Wenn bei einem Auto die Bremskraftverstärkung oder die Servolenkung ausfällt ist das Auto immer noch kontrollierbar. Stehplätze etc halte ich persönlich für Kurzstrecken gar nicht mal so verkehrt. Dadurch könnten entweder die Flugzeuge kleiner oder mehr Passagiere mitgenommen werden. Und ob man jetzt 3h in der Bahn steht oder 45min im Flugzeug. Ich denke mal ein Zugunglück hat unangeschnallt genauso schlimme Folgen wie ein Flugzeugabsturz
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