Mutmaßliche Schmiergeldzahlungen Airbus droht Korruptionsprozess

Airbus steckt tief in einem Korruptionsskandal. Dabei geht es um mögliche Schmiergeldzahlungen und schwarze Kassen. Nach SPIEGEL-Informationen wollen Münchner Staatsanwälte bald Anklage erheben.

A320-Endmontagehalle im Airbus-Werk in Hamburg-Finkenwerder (Archivbild)
DPA

A320-Endmontagehalle im Airbus-Werk in Hamburg-Finkenwerder (Archivbild)

Von , , , Gunther Latsch, und


Der Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus wird von einem großen Korruptionsskandal erschüttert. Nach SPIEGEL-Informationen geht es dabei um den Einsatz externer Berater und ein angebliches System schwarzer Kassen. Damit soll das deutsch-französische Unternehmen in den vergangenen Jahren den Verkauf ziviler und militärischer Flugzeuge etwa in Indonesien, Kasachstan oder China angeschoben haben.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 41/2017
Wie ARD und ZDF Politik betreiben

Nach Informationen des SPIEGEL sind interne Ermittler auf mehr als 100 mögliche Korruptionszahlungen in dreistelliger Millionenhöhe gestoßen. Auf einem internen Treffen mit Spitzenmanagern im Juni sagte Vorstandschef Tom Enders: "Wir sind in einer todernsten Lage." Das Unternehmen hatte sich im Jahr 2016 bei der britischen Antikorruptionsbehörde SFO selbst angezeigt. Parallel durchleuchten auch französische und deutsche Behörden das Unternehmen. Sollte sich der Verdacht bestätigen, droht eine Milliardenstrafe. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte bei SPIEGEL Plus.)

Tom Enders
AFP

Tom Enders

Keimzelle der Korruption soll eine Abteilung des Unternehmens in Paris gewesen sein. Diese war auch beteiligt an der Gründung eines Geflechts aus Briefkastenfirmen rund um die Londoner Firma Vector Aerospace. Es sollte nach Ansicht der Münchner Staatsanwaltschaft dazu dienen, "Schmiergeldzahlungen an Entscheidungsträger (...) in Österreich" zu leisten, die am Kauf von Eurofighter-Kampfflugzeugen beteiligt waren.

Über Vector könnte den Dokumenten zufolge aber auch Schmiergeld für den Verkauf von Verkehrsflugzeugen geflossen sein. Die Münchner Staatsanwaltschaft will deshalb demnächst Anklage erheben.

In den Ermittlungsakten findet sich an verschiedenen Stellen auch der Hinweis, dass Airbus-Chef Enders über den Aufbau von Vector informiert war. Airbus teilte auf Anfrage mit, die Ermittlungen zu unterstützen, widerspricht aber den Staatsanwälten: "Weder die seit Jahren andauernden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen in München und Wien noch unsere eigenen umfangreichen Untersuchungen haben Anhaltspunkte ergeben, die auf Bestechung im Zusammenhang mit dem Verkauf von Eurofighter-Flugzeugen nach Österreich hindeuten."

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

Was im neuen SPIEGEL steht, erfahren Sie immer samstags in unserem kostenlosen Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von der Chefredaktion oder den Leitern unseres Hauptstadtbüros in Berlin.

NDR-Doku über Airbus-Fabrik Finkenwerder

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.