Probleme mit A380 und Militärtransporter Airbus will offenbar Tausende Stellen streichen

3600 Arbeitsplätze will Airbus streichen oder verlegen, berichtet ein französisches Wirtschaftsmagazin. Der Luftfahrtkonzern bestätigt ein Treffen mit dem Betriebsrat in der kommenden Woche.

Airbus-Mitarbeiter in Bremen (März 2010)
DPA

Airbus-Mitarbeiter in Bremen (März 2010)


Airbus wird wesentlich weniger Maschinen seines Riesen-Jets A380 und des Militärtransporters A400M bauen als ursprünglich geplant - und das wird offenbar spürbare Auswirkungen für viele Beschäftigte haben. Der Flugzeugbauer Airbus Chart zeigen will Tausende Stellen streichen oder verlegen, berichtet das französische Wirtschaftsmagazin "Challenges". Der Plan solle am Mittwoch bekannt gegeben werden.

Betroffen sind demnach 3600 Jobs vor allem in Bremen, Augsburg, im spanischen Sevilla sowie im britischen Filton. Laut "Challenges" könnten vom Abbau oder Verlegen von Stellen auch die Werke in Hamburg und Stade betroffen sein, französische Werke hingegen kaum.

Ein Sprecher des Luftfahrtkonzerns wollte den Bericht zwar nicht konkret kommentieren, bestätigte aber, dass in der kommenden Woche ein Treffen mit dem europäischen Betriebsrat anberaumt sei. Danach solle die Öffentlichkeit informiert werden. Einen genauen Termin nannte er nicht. Zudem teilte der Sprecher mit, die Anpassungen beim weltgrößten Passagierjet A380 und beim Airbus A400M seien keine Neuigkeit.

Fotostrecke

13  Bilder
Riesenflieger: Airbus A380 - vom Hoffnungsträger zum Ladenhüter

"Jegliche verbundene Auswirkungen auf die Beschäftigten werden zunächst mit unseren Sozialpartnern besprochen werden", sagte der Sprecher. "Und wir sind immer bemüht, die besten Lösungen für unsere Beschäftigten zu finden." Das Unternehmen habe gute Erfahrung damit, diese Themen zu handhaben.

Tatsächlich schien Airbus bislang Mitarbeiter gut an anderen Stellen einsetzen zu können, die durch die geringere Produktion des A380 freigeworden waren. So verkaufen sich etwa die Mittelstreckenjets A320neo und A321neo sehr gut.

Für den A380 liegen hingegen weit weniger Aufträge vor als geplant. Mitte Januar drohte gar das Aus für den weltgrößten Passagierjet, bevor die Fluggesellschaft Emirates mit einer Bestellung über 36 Maschinen den Fortbestand sicherte.

Airbus hatte bereits im Sommer 2016 bekannt gegeben, mangels ausreichender A380-Bestellungen ab 2018 jährlich nur noch zwölf Maschinen des Typs auszuliefern. Ab 2019 sollen es dann nur noch acht sein.

Beim Militärtransporter A400M soll der Auslieferungsplan wegen anhaltender Verzögerungen und technischer Probleme um mehrere Jahre gestreckt werden. Darauf hat sich Airbus mit Käuferstaaten wie Deutschland und Frankreich vor wenigen Wochen grundsätzlich geeinigt. Konzernchef Tom Enders hatte bereits bei der Bilanzvorlage im Februar eingeräumt, dass dies Auswirkungen auf die Beschäftigten haben werde.

Im Video: Airbus A380 - Take Off eines Megaliners

SPIEGEL TV

fdi/dpa



insgesamt 41 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
laermgegner 03.03.2018
1. Ach, wie geht denn das ?
Für den Steuerzahler als die Jobmaschine dargestellt, wo es unendlich was zu tun gib - kommt jetzt der Subventionskuchen von wo anders. China - , Canada - und Brasiliensponsern bringen mehr in die Kasse, dafür muß man eben Verständnis haben- dass Airbus nun andere Beteiligungen bedient. Und das wird erst der Anfang sein .... und Finkenwerder ist zubetoniert, da kann man Essen nur noch in Kübeln anbauen. Weitsicht sieht anders aus.
joG 03.03.2018
2. Wenn Airbus....
...nicht staatlich so gestützt würde, ginge es unter. Mit dem A800M wollte die Politik das Unternehmen verdeckt wohl subventionieren, nachdem die direkteren Methoden zunehmend erschwert wurden weil sie als gegen die WTO Ordnung zu verstoßen schienen. Das tat man obwohl sehr gute Alternativen existierten. Das Resultat scheint ein Desaster zu sein. Aber als Beispiel dessen, warum die Amis recht haben mit den Vorwürfen illegitimer Handelsüberschüsse, ist es sehr gut.
Pela1961 03.03.2018
3. Eines verstehe ich nicht -
es ist jeden Monat das Gleiche. Tag für Tag liest man von irgendwelchen Unternehmen, die Stellen abbauen wollen. Siemens, Airbus, Deutsche Bank, Senvion und so weiter. Und einmal im Monat kommt die Agentur für Arbeit und erklärt, dass alles ganz toll ist und die Arbeitslosigkeit weiter sinkt. Fachkräftemangel wird bejammert und die ach so gute Konjunktur bejubelt. Komisch.
Amanare 03.03.2018
4. Typisch
Typisch französisch geführte Firma. Im Ausland alles runterfahren und nach Frankreich verlagern (am Beispiel Opel gut zu sehen). In den französischen Werken wird nichts gestrichen, nur im Ausland.
skeptiker97 03.03.2018
5. "Verlagerung"
Die deutsche Luftfahrtindustrie wird an Frankreich abgeliefert. Zunächst als "Zusammenschluss" deklariert. Später hatte ich im Job (Elektronikindustrie) eine interressante Begebenheit, als ein Jobbewerber im Vorstellungsgespräch bei mir, er war Ingenieur bei Airbus, erzählte, er wolle aus Frust bei Airbus weg, weil alle technischen Themen an Frankreich abgegeben würden. Wenn nun Werke in D nach und nach reduziert werden, passt das ins Bild. Ähnlches fiel mir neulich auf, als Macron in China den Vertrag über eine nukleare Wiederaufbereitungsanlage unterzeichnete. Geben wir alles auf, was Frankreich wünscht?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.