Klimaabgabe für Fluggesellschaften: Wie Airbus Chinas Regierung geholfen hat

Airbus-Chef Fabrice Brégier in China: Auf gute Zusammenarbeit Zur Großansicht
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Airbus-Chef Fabrice Brégier in China: Auf gute Zusammenarbeit

Im Kampf gegen die EU-Klimaschutzabgabe für Fluggesellschaften hat China offenbar Schützenhilfe von Airbus erhalten. Die Firma rühmt sich in einem Brief an die Regierung für ihren Anteil daran, dass das umstrittene CO2-Vorhaben auf Eis gelegt wurde. Und schon wurden wieder Flugzeuge bestellt.

Brüssel - Monatelang hatte China keine Aufträge mehr an den europäischen Flugzeughersteller Airbus vergeben. Der Grund: Die EU wollte Fluggesellschaften dazu verpflichten, CO2-Emissionszertifikate für Flüge von und nach Europa zu erwerben. Der Kaufstopp war die Strafe für die europäische Politik. Hinter den Kulissen hat sich Airbus offenbar massiv dafür eingesetzt, das umstrittene CO2-Vorhaben zu beerdigen - jedenfalls zeigt das ein jetzt bekanntgewordenes Schreiben an die chinesische Regierung.

Schon im Herbst 2012 unterstrich der Flugzeughersteller in dem Brief seinen Anteil daran, dass die Klimaschutzabgabe auf Eis gelegt wurde. Ziel war es, die blockierten Milliardenaufträge der Volksrepublik freizugeben. "Ich hoffe, wir bei Airbus konnten unsere starke Unterstützung für die chinesische Luftfahrt deutlich unter Beweis stellen", heißt es in dem Brief von Firmenchef Fabrice Brégier, schreibt die Nachrichtenagentur Reuters. Das Schreiben richtete sich an Li Jiaxiang, Chinas obersten Regierungsbeauftragten für die zivile Luftfahrt.

Brégiers Unterschrift ist auf den 16. November 2012 datiert. Nur vier Tage zuvor hatte die EU-Kommission die zu Beginn 2012 eingeführte Pflicht zum Erwerb von CO2-Verschmutzungsrechten für Flüge von und nach Europa für ein Jahr ausgesetzt. In dem Zeitraum soll in internationalen Verhandlungen eine globale Lösung erreicht werden.

Vor allem China, die USA, Indien und Russland hatten eine Beteiligung ihrer Fluggesellschaften an dem CO2-Handel abgelehnt. China fror daraufhin Aufträge an Airbus über etwa elf Milliarden Dollar ein. Allein dadurch gerieten der EADS-Tochter zufolge 2000 Arbeitsplätze in Gefahr. Die europäische Luftfahrtindustrie schlug in einem gemeinsamen Brandbrief an die nationalen Regierungen Alarm.

Brégiers Schreiben zufolge spielte Airbus eine "sehr aktive" Rolle dabei, Chinas Plädoyer für eine international ausgehandelte Regelung zum Klimaschutz zu unterstützen. Der Rückzieher der Brüsseler Kommission ist dem Manager zufolge das Resultat einer erfolgreichen Kooperation: "Durch unsere gemeinsamen Anstrengungen ist es uns gelungen sicherzustellen, dass die chinesischen Fluggesellschaften nun doch nicht unfair betroffen sind von den Maßnahmen - anders als bislang geplant."

Dem Einlenken der EU folgte eine wohlwollende Reaktion der chinesischen Führung. Von den insgesamt 45 auf Eis gelegten Airbus-Bestellungen billigte die Volksrepublik im Rahmen eines Besuchs des französischen Präsidenten François Hollande im vergangenen Monat 18 Orders im Wert von zusammen etwa vier Milliarden Dollar. Ob auch die übrigen Aufträge freigegeben werden, hängt allerdings davon ab, was die internationalen Verhandlungen über eine Klimaschutzabgabe der Luftfahrt ergeben.

nck/Reuters

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insgesamt 17 Beiträge
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1. und wenn wundert das jetzt !?
na!!! 13.05.2013
außerdem ... der Bürger macht im kleinen das was die Wirtschaft im großen macht !
2. bleibt nur zu hoffen, dass die chinesen die auftraege nicht erneut einfrieren
micromiller 13.05.2013
wenn die vom gruenen schlossherrn asbeck initierten strafzoelle gegen china in kraft treten.
3. So läuft Politik!
Gerüchtsvollzieher 13.05.2013
Wozu die Aufregung? Weil die Chinesen nur Flieger kaufen wenn sie nicht für Klimaschutz bezahlen müssen!? Müssen sie doch sowieso nicht, das übernehmen doch alles die Europäer in ihrer CO2-Diktatur! Wir zahlen alternativlos für den sog. Klimaschutz und die Chinesen "retten" europäische Arbeitsplätze! Win-Win-Situation nennt man das auf neudeutsch ;-)
4. Absurd.
jObserver 13.05.2013
Hier wird der Anschein erweckt, man habe das für China getan. In Wahrheit hat man es für sich selbst getan, dieses Streben nur China für Wohlwollen unter die Nase gerieben. Das ist so, wie wenn ich der Bundesknazlerin schreibe: Sehen Sie, ich habe mich in Schule und Studium total engagiert, damit ich später schön viele Steuern bezahlen kann. Nein, bestimmt nicht um selbst gut zu verdienen!
5. Na ja
u.loose 13.05.2013
der CO2 Handel ist auch Unsinn... Lufthansa schreibt rote Zahlen und der Einzige der da noch verdient ist der Fiskus über die Umlagen und Abgaben...
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EADS
Der Konzern
Die European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) wurde 2000 gegründet. EADS ist der größte Luft-, Raumfahrt- und Rüstungskonzern in Europa und der zweitgrößte Branchenvertreter der Welt. Das Unternehmen setzt gut 40 Milliarden Euro pro Jahr um und beschäftigt fast 120.000 Mitarbeiter.
Die Geschäftsfelder
Rund drei Viertel seines Umsatzes erzielt EADS mit dem Flugzeughersteller Airbus, der sowohl zivile (u. a. A 380) als auch militärische (A400M) Modelle im Angebot hat. Der restliche Umsatz verteilt sich auf das Geschäft mit Hubschraubern ("Eurocopter"), die Raumfahrt ("Astrium") sowie die Produktion von Eurofigthern und Co.
Der Chef
Seit Juni 2012 steht der Deutschen Thomas Enders an der Spitze von EADS. Zuvor hatte der Franzose Louis Gallois den Konzern geführt.
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