Neuer Mittelstreckenjet Airbus macht Bombardiers C-Serie zum A220

Der europäische Flugzeugbauer Airbus will die ehemalige C-Serie von Bombardier zum Erfolg machen. Dafür erhält sie einen neuen Namen. Allerdings müssen die Verkäufe nun anziehen - und die Kosten deutlich sinken.

Modells A220-300 am Airbus-Auslieferungszentrum bei Toulouse
DPA

Modells A220-300 am Airbus-Auslieferungszentrum bei Toulouse


Der europäische Luftfahrtkonzern Airbus hat die von Bombardier übernommene Flugzeugbaureihe C-Serie in A220 umbenannt. Der neue Name der Mittelstreckenjets wurde im Airbus-Auslieferungszentrum im südfranzösischen Toulouse vorgestellt, wo erstmals ein Flieger mit entsprechender Lackierung landete.

Airbus hatte zum 1. Juli die knappe Mehrheit an der Baureihe übernommen, deren teure Entwicklung den kanadischen Bombardier-Konzern in finanzielle Schwierigkeiten gebracht hatte. Die Europäer haben damit ihre Produktpalette im Segment kleinerer Mittelstreckenjets für 100 bis 150 Passagiere ergänzt, ohne selbst Geld in die Entwicklung zu investieren.

Bombardier ist weiter an dem Programm beteiligt - die Partner setzen darauf, dass die Flugzeuge sich unter dem Airbus-Dach besser verkaufen. Der kanadische Flugzeug- und Bahntechnik-Konzern Bombardier hatte die Hoffnung aufgegeben, sich auf eigene Faust mit den Kurzstreckenmaschinen für 110 bis 130 Passagiere am Weltmarkt durchzusetzen. Airbus zahlt einen symbolischen Betrag für die Übernahme und setzt darauf, dass seine große Vertriebsmannschaft mehr Erfolg hat.

Kostenersparnisse sind nötig

Der gewählte Name ist offensichtlich an den Airbus-Verkaufsschlager A320 angelehnt, das sehr erfolgreiche Mittelstreckenflugzeug des europäischen Boeing-Rivalen. "Bombardier hat ein fantastisches Flugzeug entworfen", sagte Verkehrsflugzeugchef Guillaume Faury. "Und indem wir es verkaufen, die Produktion hochfahren, mit unseren Zulieferern an den Kosten arbeiten, machen wir aus diesem Flugzeug einen großen Erfolg."

Bislang gibt es für das Programm nur 402 Bestellungen. 38 Flugzeuge sind bereits ausgeliefert worden, davon 23 an die Lufthansa-Tochter Swiss. Die Airbus-Strategie sieht vor, das Volumen deutlich hochzufahren - und dann auch deutlich günstiger produzieren zu können. Das ist eine Bedingung, wenn sich das Programm rechnen soll: Nötig seien Kostenersparnisse im zweistelligen Prozentbereich, hieß es in Toulouse. Dazu wollen die Manager mit dem Gewicht des Branchenriesen Airbus auch auf Anstrengungen der Zulieferer pochen.

Airbus will Hälfte des Bedarfs abgreifen

A220-Verkaufschef David Dufrenois äußerte die Hoffnung, dass allein in diesem Jahr mehr als 100 Bestellungen unterschrieben werden könnten. Von dem Flieger gibt es zwei Modelle: Die kleinere A220-100, die bislang CS100 hieß, hat Platz für maximal 135 Passagiere. Die A220-300 (bislang CS300) kann bis zu 160 Passagiere transportieren und ist damit in etwa so groß wie Airbus' bislang kleinstes Modell A319neo. Die A220-300 hat einen Listenpreis von 89,5 Millionen US-Dollar.

Airbus rechnet für das Marktsegment der C-Serie für die kommenden 20 Jahre mit einem Bedarf von mehr als 6000 Flugzeugen weltweit - und will mindestens die Hälfte davon abgreifen. Der Hauptsitz der Partnerschaft und die Haupt-Endmontagelinie bleiben im kanadischen Mirabel in Québec. Allerdings ist geplant, eine weitere Fertigung im US-Bundesstaat Alabama einzurichten, wo die Europäer bereits A320-Flugzeuge zusammenbauen - eine Kampfansage an Airbus' amerikanischen Erzrivalen Boeing.

Boeing will Emraer übernehmen

Der US-Flugzeugbauer will nun den brasilianischen Rivalen Embraer übernehmen - den größten Konkurrenten bei den Regionaljets. Der geplante Deal wurde vergangene Woche angekündigt und würde Boeings Produktpalette um Regionalflugzeuge mit rund 100 Sitzen erweitern. Der kleinste aktuelle Boeing-Mittelstreckenjet 737-MAX-7 bietet typischerweise Platz für 138 bis 153 Passagiere.

Airbus und Boeing hatten sich lange auf Maschinen mit mindestens 150 Plätzen konzentriert und das kleinere Segment erst vor kurzem für sich entdeckt.

cop/dpa/Reuters



insgesamt 4 Beiträge
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quark2@mailinator.com 11.07.2018
1.
Die erwartete Reaktion nachdem Russland und China (und Japan ?) in dem Segment aktiv geworden sind. Schade, daß Airbus die Sache nicht komplett übernehmen kann wie Boeing das mit Embraer offenbar schafft.
jojack 11.07.2018
2. Konsequent
Airbus sollte dann auch seine Modelle A319 und A318 einstellen und sich in diesem Segment vollständig auf die A220-Modelle konzentrieren. Die C-Series ist das modernere Flugzeug, verbraucht weniger und bietet mehr Passagierkomfort. Ich bin mir sicher, dass Airbus auch das Kostenproblem in den Griff bekommt.
equigen 11.07.2018
3. Die europäischen Manager sind nicht so schlecht wie ihr Ruf
HIer war Airbus mit der Beteiligung an Bombadier um Jahre Boeing voraus, das nun auch ins Geschäft mit den kleineren Flugzeugen einsteigen will. Und Siemens hat vorgemacht wie man die Medizintechnik erfolgreich an der Börse platziert - auch das will General Electric nun kopieren, auch mit mehreren Jahren Verzug.
Andre83 11.07.2018
4.
Zitat von jojackAirbus sollte dann auch seine Modelle A319 und A318 einstellen und sich in diesem Segment vollständig auf die A220-Modelle konzentrieren. Die C-Series ist das modernere Flugzeug, verbraucht weniger und bietet mehr Passagierkomfort. Ich bin mir sicher, dass Airbus auch das Kostenproblem in den Griff bekommt.
Der Airbus 319 neo hat gute 1000 km mehr Reichweite und eignet sich damit auch für nicht so stark frequentierte transatlantic Strecken wie z.b Skandinavien zu Boston oder singapore to Perth. Beim A318 geben ich ihnen alderdings recht.
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