Airbus Militärflieger-Projekt droht zu scheitern

Das Militärflugzeug A400M gilt schon jetzt als Projekt der Pleiten und Pannen. Doch jetzt könnte der Bau des Airbus-Fliegers scheitern. Die Kosten laufen erneut aus dem Ruder - doch das Verteidigungsministerium will kein Geld nachschießen.

Computergeneriertes Bild des Militärtransporters A400M: Dem Projekt droht das Aus
ddp

Computergeneriertes Bild des Militärtransporters A400M: Dem Projekt droht das Aus


München - Dem Airbus-Militärflieger A400M droht das Aus: Das Bundesverteidigungsministerium, Hauptkunde des Flugzeugtyps, will nach Informationen der "Financial Times Deutschland" (FTD) keine weiteren Entwicklungskosten übernehmen. Ein Sprecher der Ministeriums sagte der Wirtschaftszeitung: "Wir gehen davon aus, dass die Industrie die vertraglich vereinbarten Leistungen innerhalb des vertraglich vereinbarten Kostenrahmens erbringen wird." Damit könnte das 20-Milliarden-Euro-Projekt scheitern.

Airbus-Chef Thomas Enders hatte Hoffnungen geäußert, dass Deutschland die zusätzlichen Kosten und Risiken aus dem Festpreisvertrag zusammen mit den sieben europäischen Bestellnationen gemeinsam tragen würde. Die Gespräche über Änderungen des A400M-Vertrags laufen. Enders forderte bis Ende des Jahres Klarheit über die Zukunft des Projekts. Er könne die A400M-Ingenieure sehr gut beim neuen Langstreckenmodell A350 brauchen. Unternehmenskenner äußerten der "FTD" gegenüber, dass sie es für möglich hielten, dass Enders das Projekt stoppen könnte. Auch ohne die Zugeständnisse aller A400M-Kunden. Ähnlich hatte sich Enders laut "Welt" bereits Ende Oktober vor dem Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten geäußert.

Laut "FTD" sind beim A400M bis Mitte 2009 etwa 2,38 Milliarden Euro Verluste aufgelaufen. Ein weiteres Defizit von 1,3 Milliarden Euro droht demnach aus Verspätungszahlungen. Bislang war die EADS-Führung davon ausgegangen, dass die Änderungen des Basisvertrags bis Ende des Jahres stehen. Dann könnten die Risiken noch in der Bilanz von 2009 eingerechnet werden. Doch nun ist laut "FTD" ungewiss, ob das noch klappt. Nach Berechnungen des Konzerns würde ein kompletter Ausstieg von Airbus aus dem Projekt sechs Milliarden Euro kosten.

EADS setzt weiter auf das Projekt

Mit der ablehnenden Haltung seitens der Bundesregierung zeichnet sich nach Einschätzung der "FTD" ein Machtkampf zwischen Enders und dem neuen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ab. Der Airbus-Chef versucht seit längerem, Druck auf die Politik auszuüben, indem er auf andere große A400M-Kunden wie Frankreich, Großbritannien oder Spanien verweist. Diese haben bereits die Bereitschaft zu Vertragsänderungen signalisiert. Aus dem Verteidigungsministerium kam der "FTD" zufolge Kritik, dass eine "offizielle, konkret überarbeitete Auslieferungsplanung seitens der Industrie" nicht vorliege.

Trotz aller Probleme setzt der Airbus-Mutterkonzern EADS Chart zeigen weiter auf das Projekt. Er bezeichnete es laut "FTD" als unwahrscheinlich, dass die Bestellländer über ihre Militärbeschaffungsbehörde Occar aussteigen. Das hätte Occar wegen der Verspätungen schon zum 1. April dieses Jahres tun können, aber die Verteidigungsminister einigten sich auf ein Stillhalteabkommen, das zunächst bis Juni befristet war. Dann wurde eine Verlängerung bis Jahresende vereinbart. Mitte Oktober platzte ein Treffen der Verteidigungsminister zu A400M-Frage - angeblich wegen Terminschwierigkeiten. Nach der bisherigen Planung soll Deutschland 2014 mit vier Jahren Verspätung den ersten A400M erhalten.

fro

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