Trotz Problemen Airbus verdreifacht Gewinn

Mit dem Militärtransporter hat Airbus auch im vergangenen Jahr viel Geld verloren. Trotzdem gelang es dem Luft- und Raumfahrtkonzern, seinen Gewinn zu verdreifachen.

Airbus-Transporter A400M
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Airbus-Transporter A400M


Dauerbaustelle A400M, Triebwerksärger beim A320neo, schleppende Verkäufe beim A380 - die Reihe der Probleme, die Airbus plagen, reichte eigentlich für eine handfeste Krisengeschichte. Allein der Militär-Transporter hat den Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus im vergangenen Geschäftsjahr erneut eine Milliardensumme gekostet. Vorstandschef Tom Enders hofft, das traurige Kapitel mit den nun zur Seite gelegten 1,3 Milliarden Euro finanziell weitgehend abzuschließen.

Trotzdem ist die in Toulouse veröffentlichte Bilanz für 2017 eine Erfolgsgeschichte. Denn ungeachtet der Sonderbelastung verdreifachte der Boeing-Rivale seinen Gewinn unter dem Strich nahezu auf fast 2,9 Milliarden Euro.

Die Gewinnentwicklung im Kerngeschäft und die Aussicht auf eine steigende Dividende ließen die Anleger an der Börse frohlocken. Zum Handelsstart zog die Airbus-Aktie um rund acht Prozent an und war damit mit Abstand Spitzenreiter im französischen Leitindex CAC-40 und im deutschen MDax .

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Erstflug des A320neo: Premiere für das Sparmodell von Airbus

Lediglich die Perspektiven für das kommende Jahr werden durch die neuen Triebwerksprobleme beim stark gefragten Mittelstreckenjet A320neo getrübt. Bei einem Teil der Baureihe drohen die Triebwerke während des Flugs auszufallen. Laut Enders sind 32 ausgelieferte A320neo-Jets mit Antrieben der United-Technologies-Tochter Pratt & Whitney (P&W) von dem Problem betroffen, bei einem Drittel dieser Flieger geht es um beide Antriebe. Die Flugsicherheitsbehörden in Europa und den USA haben bereits Betriebseinschränkungen verhängt, manche der betroffenen Maschinen müssen am Boden bleiben.

Triebwerkshersteller mit Problemen

Die Airbus-Führung macht es nun von der Lösung dieses Problems abhängig, ob sie ihr Ziel erreichen kann, in diesem Jahr insgesamt 800 Verkehrsflugzeuge auszuliefern. Denn auch beim Konkurrenzantrieb des Herstellers CFM, der bisher bei den meisten A320neo zum Einsatz kommt, habe es teilweise Probleme bei der Einsatzreife gegeben. Dennoch hatte Airbus 2017 mit insgesamt 718 ausgelieferten Verkehrsmaschinen einen Rekord aufgestellt - auch wenn der amerikanische Erzrivale Boeing weiter die Nase vorn hat.

Dem Triebwerkshersteller P&W tritt Airbus schon seit 2016 auf die Füße, weil die Lösung von Hitze- und Softwareproblemen an den Triebwerken die Auslieferung vieler Jets verzögerte. Dadurch wackelten Airbus' Auslieferungsziele auch 2017 bis kurz vor Jahresende. Derzeit stehen laut einem Sprecher erneut 30 praktisch fertige Maschinen ohne Antriebe auf dem Hof.

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Zukunft der Luftfahrt: Schöner fliegen

Beim A400M-Programm ist Airbus zuversichtlich, die verbleibenden Risiken durch eine Vertragsanpassung mit Deutschland und den anderen Käuferstaaten deutlich zu reduzieren. Eine Absichtserklärung, unter anderem den Zeitplan für die Auslieferung anzupassen, hatten beide Seiten kürzlich unterzeichnet.

Die A400M gilt als modernstes militärisches Transportflugzeug der Welt. Der Flieger hatte allerdings in den vergangenen Jahren immer wieder Probleme bereitet. Enders hatte dafür neben Technikärger auch eine "unrealistische Vertragsgestaltung sowie ein unzureichendes Budget" verantwortlich gemacht und die Käuferstaaten zu Zugeständnissen gedrängt.

Der Gewinnsprung im Jahr 2017 erklärt sich auch dadurch, dass Airbus im Jahr davor noch stärker unter den A400M-Problemen gelitten hatte - damals wurden Sonderbelastungen von 2,2 Milliarden Euro verbucht. Zudem profitierte Airbus im vergangenen Jahr vom Verkauf seines Geschäfts mit Verteidigungselektronik. Airbus-Chef Enders zeigte sich insgesamt zufrieden: "Dank unserer sehr guten operativen Ergebnisse - insbesondere im letzten Quartal - haben wir all unsere Ziele für 2017 übertroffen", erklärte er.

Der Konzern steckt in turbulenten Zeiten: Korruptionsermittlungen in Großbritannien und Frankreich haben den Flugzeugbauer erschüttert. Zudem wird das Top-Management umgebaut, Konzernchef Enders scheidet im Frühjahr 2019 aus. Verkehrsflugzeugchef Fabrice Brégier, die Nummer zwei des Konzerns, übergibt seinen Job schon in diesem Monat an den bisherigen Chef der Hubschrauber-Sparte, Guillaume Faury.

mik/dpa-AFX



insgesamt 4 Beiträge
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Bueckstueck 15.02.2018
1. Ein wenig beunruhigend, dass mit den Triebwerk Herstellern...
Rolls Royce hatte Stress mit den sich auflösenden Triebwerken für den A380, jetzt Pratt & Whitney mit ausgehenden A320 Motoren. Und natürlich die Getriebe- und Brennkammer Probleme an den A400M Turboprops von Europrop (joint venture von Rolls Royce, MTU, ITP und Snecma) - "früher" hörte man nicht so gefühlt häufig von diesen ernsten konstruktiven Poblemen, oder täusche ich mich? Ist das mittlerweile alles zu sehr auf Kante geklebt? Boeing ist übrigens auch von solchen Dingern betroffen.
auweia 15.02.2018
2. "unrealistische Vertragsgestaltung"?
Die Vertragsgestaltung war "unrealistisch" und soll jetzt geändert werden (BTW: Zu Lasten des Steuerzahlers) Tja, Major Tom, Ihr habt den Vertrag doch unterschrieben! War da nicht mal was mit "pacta sunt servanda"? Geht das auch wenn der Kunde sich bei Euch mit diesem Argument meldet und mehr bzw. schnellere Leistung oder Zahlungsreduktion haben möchte? Klagen durch alle Instanzen.... Aber wahrscheinlich ist Airbus "systemrelevant" - oder man hat der Gegenseite mit der Drohung weiterer Lieferverzögerungen die Daumenschrauben angelegt.
sven2016 15.02.2018
3.
Der kräftig gestiegene Gewinn trotz immer noch heftigen Problemen bei der Produktion und Auslieferung spricht dafür, dass die Kunden kräftig übervorteilt werden. Insbesondere die militärischen Geräte werden für den Konzern praktisch nachteilsfrei nicht fertig und dabei weiter vom Staat weiterfinanziert. Alternativen, z.B. bereits funktionierende Geräte anderer Unternehmen, werden praktisch nicht berücksichtigt.
123Valentino 16.02.2018
4. Das Problem..,,
mit dem A400 M , die Kunden sind Politiker, ausgesprochene Fachleute , wie Frau Van der Laien. Nun gut als der A 400 M konzipiert wurde war es wohl Volker Rühe , auch ein ausgesprochener Fachmann. So auch mit dem Flughafen in Berlin, die Politiker waren sich nicht im klaren darüber, was sie wollten , eine große shoppingmall mit Flughafen oder einen Flughafen mit Einkaufsmöglichkeiten. Das Unternehmen Profit über alles stellen ist klar, Das Politiker Steuergelder verschwenden ist auch nicht neu, Verantwortung haben sie keine , im schlimmsten oder besten Fall treten Sie zurück, und kosten dem Steuerzahler weiter viel Geld.
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