Rekordauftrag für Airbus Der Mann, der 430 Flugzeuge auf einmal kauft

Für Airbus ist es der größte Auftrag der Firmengeschichte: Ein US-Investor kauft Flugzeuge im Wert von 42 Milliarden Euro. Wer steckt hinter dem Unternehmen?

TMN / Airbus

Von manager-magazin.de-Redakteur


Die Stimmung bei Airbus dürfte blendend sein: Noch vor wenigen Tagen schien es, als könnte die Dubai Air Show zum Fiasko werden. Die Golf-Airline Emirates vergab am vergangenen Wochenende einen Multimilliarden-Auftrag an den US-Konkurrenten Boeing Chart zeigen und brüskierte bei der dazugehörigen Pressekonferenz die anwesenden Airbus-Manager, die zunächst leer ausgingen.

Doch das ist nun vergessen. Airbus feiert den größten Auftrag seiner Unternehmensgeschichte. 430 Flieger der Typen A320neo und A321neo hat der US-Investor Indigo Partners beim europäischen Flugzeugbauer bestellt. Der Gesamtlistenpreis (auf den Indigo angesichts der Größe der Order allerdings einen dicken Rabatt bekommen dürfte): 49,5 Milliarden Dollar oder rund 42,2 Milliarden Euro.

Doch was ist das für ein Unternehmen, das auf einen Schlag Maschinen in diesem Umfang bestellt und Airbus damit prompt das gesamte Geschäftsjahr retten könnte? Wer steckt dahinter?

Indigo Partners ist eine US-amerikanische Private-Equity- und Venture-Capital-Firma mit Sitz in Phoenix, Arizona, die sich auf Investments in der Luftfahrtbranche spezialisiert hat. Zu den wichtigsten Beteiligungen zählt die in Denver ansässige US-amerikanische Ultra-Billig-Fluggesellschaft Frontier Airlines mit derzeit rund 70 Maschinen sowie die chilenische Discount-Airline JetSmart.

Weitere Anteile besitzt Indigo an Mexikos Volaris sowie Ungarns Wizz Air, die sich ebenfalls beide im unteren Preissegment tummeln. Zudem plant das Unternehmen Berichten zufolge den Start einer neuen Billigfluggesellschaft in Kanada.

Bill Franke, Managing Partner von Indigo Partners
REUTERS

Bill Franke, Managing Partner von Indigo Partners

Der Mann, der bei all diesen Aktivitäten die Fäden in der Hand hält, heißt William "Bill" Franke. Der 80-jährige Mitgründer und Chef von Indigo Partners ist ein echter Veteran der Luftfahrtbranche: Abschluss an der US-Universität Stanford, dann, nach Stationen in anderen Branchen, der Einstieg ins Luftfahrtgeschäft.

Franke war von 1993 bis 2001 Chef von America West Airlines, die später von US Airways übernommen wurde, und von 2004 bis 2009 Verwaltungsratsvorsitzender bei der asiatischen Tiger Airways. Bis 2013 leitete er den Verwaltungsrat der US-Billiglinie Spirit Airlines.

Duell zweier Branchenveteranen

Franke ist ein Pionier im nach wie vor wachsenden Billigfluggeschäft. Gesellschaften wie Frontier Airlines bieten meist niedrige Grundpreise und erheben dafür teils hohe Gebühren beispielsweise für den Gepäcktransport. Das hat den Firmen bereits einigen Ärger mit ihren Kunden eingebracht.

Franke hat sich in den USA zudem einen Namen als Philanthrop und großzügiger Spender gemacht. Zuletzt überwies er im vergangenen Jahr 24 Millionen Dollar an die Universität von Montana, die größte Einzelspende in der Geschichte der Einrichtung. Ähnliche Freude hatte er schon 2007 bei der Northern Arizona University ausgelöst, die nach einer 25-Millionen-Dollar-Spende Frankes sogar einen ganzen Fachbereich nach ihm benannte.

Welche Summe Indigo für die Flotte, die bei den genannten Linien des Unternehmens zum Einsatz kommen soll, letztlich tatsächlich bezahlen wird, ist womöglich noch nicht abschließend vereinbart. "Da besteht Hoffnung", sagte Franke am Mittwoch zu Journalisten in Dubai. "Sie wollen die Flugzeuge zum bestmöglichen Preis verkaufen, und wir wollen sie zum bestmöglichen Preis kaufen."

Er kenne Airbus-Verkaufschef John Leahy bereits seit 25 Jahren, so Franke. Manchmal gewinne der Airbus-Mann, und manchmal Franke.

Airbus-Verkaufschef John Leahy
AFP

Airbus-Verkaufschef John Leahy

Hintergrund: Auch Airbus-Chefverkäufer Leahy, 67, gehört bereits zu den Veteranen der Branche. Seit 1994 leitet er den Vertrieb bei Europas Flugzeugschmiede Nummer eins und hat in der Zwischenzeit Transaktionen im Volumen von weit mehr als einer Billion Dollar eingetütet. Leahy, der in wenigen Monaten in den Ruhestand gehen will, hat Beobachtern zufolge großen Anteil daran, dass sich Airbus Chart zeigen zum praktisch einzigen Rivalen des immer noch weltgrößten Flugzeugbauers Boeing entwickelt hat.

Doch wer hat nun diesmal gewonnen, beim größten Airbus-Deal der Firmengeschichte? Leahy oder Franke? "Das ist eine gute Frage", lautet die Antwort des Amerikaners.

Die Börse wird da etwas konkreter - und sieht offenbar den Flugzeugbauer als Profiteur. Die Aktie von Airbus Chart zeigen jedenfalls legte am Mittwoch deutlich zu und ging mit einem Plus von mehr als zwei Prozent aus dem Handel.



insgesamt 31 Beiträge
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Seite 1
WolfKass 15.11.2017
1. Amerika First
Da bin ich mal gespannt was da der Herrscher von Trumpistan dazu sagt. Das war ja schon mal ähnlich mit den Tankflugzeugen von Airbus die nach Amerika verkauft werden solllten. Das wurde auch verhindert.
hausfeen 15.11.2017
2. Hoffemtlich ist das kein Windei.
Dann könnte es nämlich Airbus das Genick brechen. Und ich würde die Zufälligkeit anzweifeln.
antelatis 15.11.2017
3. Wer wettet mit mir?
Ich sage: Bei dem Deal werden ganze Busladungen von Managern steinreich durch Boni und Provisionen, lange bevor irgendwas bezahlt und gebaut wird, am Ende kommt es dann doch nicht zustande, weil der Kunde doch nicht bezahlen kann oder will, und ausgleichen tut es dann der Steuerzahler. Irgendjemand, der dagegen hält?
sven2016 15.11.2017
4.
Eine Absichtserklärung führt zu Börsengewinnen. Sehr fundiert. Warten wir ab wie sich die Amerikaner dann entscheiden werden. Noch ist alles offen.
virginia 15.11.2017
5. heute ist pr tag bei spon
jubelarien ueber ein geschaeft, das noch gar nicht abgeschlossen ist. was soll das? wartet doch erstmal ab, ob es wirklich zu stande kommt...dann kann man jubeln!
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