Frankfurt am Main - Der seit Monaten andauernde Arbeitskampf bei Europas größter Airline wird möglicherweise entschärft: Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) will auf das Schlichtungsangebot der Lufthansa eingehen. "Sobald sich die Parteien über die Bedingungen eines Schlichtungsverfahrens einig sind, sähe sich die Vereinigung Cockpit auch in der Lage, für die Dauer des Schlichtungsverfahrens eine Friedenspflicht einzugehen", teilte die Gewerkschaft am Donnerstag mit.
Die Lufthansa-Führung hatte eine Schlichtung und moderierte Verhandlungen mit der Gewerkschaft vorgeschlagen, um in zwei getrennten Verfahren die tarifrechtlichen Fragen zu klären und bis zum Jahresende eine Verständigung über deren Geltungsbereiche zu erreichen. "Wir begrüßen diesen Schritt und sind zu sofortigen Gesprächen mit der VC bereit, allerdings muss sie erst die Streikdrohung zurückziehen", sagte eine Lufthansa-Sprecherin.
Ob Cockpit dieser Aufforderung nachkommt ist noch nicht raus. "Wir müssen erst die Modalitäten des Schlichtungsverfahrens aushandeln", sagte ein Sprecher SPIEGEL ONLINE.
Käme es tatsächlich zur Schlichtung, würde der für die Zeit nach Ostern angekündigte viertägige Pilotenstreik wohl noch abgewendet. Der von der Gewerkschaft angedrohte Ausstand sollte nach den bisherigen Plänen am kommenden Dienstag um Mitternacht an allen deutschen Stationen beginnen und bis Freitagabend andauern. Bereits Ende Februar waren rund 4000 Lufthansa-Piloten zu einem viertägigen Streik aufgerufen, der aber bereits nach einem Tag gestoppt wurde.
Lufthansa will Kosten um eine Milliarde Euro senken
Gleichzeitig wies die VC am Donnerstag aber die vom Konzern angedrohte Schadensersatzklage zurück. "Weder konstruierte Schadensersatzklagen gegen die VC noch die Androhung der Komplettdemontage des Lufthansa-Konzernvertrags (KTV) wird die VC davon abhalten, die Interessen der Piloten selbstbewusst wahrzunehmen." Die Lufthansa hatte den Piloten bei einem erneuten Streik mit einer Millionenklage auf Schadensersatz gedroht. Das Unternehmen hatte auch eine einstweilige Verfügung gegen den erneuten Pilotenstreik, den es als rechtlich anfechtbar betrachtet, nicht ausgeschlossen.
Der eintägige Ausstand der Piloten im Februar hatte der Lufthansa zufolge einen Schaden von rund 48 Millionen Euro verursacht. Etwa 2000 Flüge waren ausgefallen, und der Flugplan war noch mehrere Tage danach beeinträchtigt. Im Falle eines viertägigen Streiks würde sich der Schaden auf deutlich mehr als hundert Millionen Euro aufsummieren, hatte Lufthansa-Arbeitsdirektor Stefan Lauer vorgerechnet. Es seien bereits wieder Buchungsrückgänge zu verzeichnen.
Die Fluggesellschaft war 2009 tief in die roten Zahlen gerutscht und will ihre Kosten um eine Milliarde Euro senken. Auch die Piloten sollen dazu nach Vorstellungen des Managements ihren Beitrag leisten. In dem bereits seit Monaten andauernden Streit geht es vor allem um den Konzerntarifvertrag, der die Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen der Piloten sichern soll. Die Piloten befürchten, die Expansion des Konzerns ins Ausland werde zu Lasten der Piloten in Deutschland gehen.
böl/ssu/dpa/apn/Reuters
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte | RSS |
| alles zum Thema Lufthansa | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH